Russland übt heftige Kritik: USA stationieren Mega-Atombomben in Deutschland

Sie haben die Sprengkraft von 80 Hiroshima-Bomben. Die USA wollen 20 neue Atombomben in Deutschland stationieren - und das obwohl die Bundesregierung eigentlich den Abzug der US-Waffen aus der Republik durchsetzen wollte. Russland sieht einen Vertragsbruch und fühlt sich in die Enge getrieben.

Der Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz. Bild: Thomas Frey/dpa

Auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz beginnen in diesen Tagen die Vorbereitungen für die Stationierung neuer amerikanischer Atombomben. Das belegen US-Haushaltspläne, die dem ZDF-Magazin "Frontal 21" vorliegen.

Deutsche Tornado-Piloten sollen Angriffe mit US-Bomben fliegen

Rüstungsexperten bestätigen, dass die neuen taktischen Nuklearwaffen vom Typ B 61-12 wesentlich zielgenauer sind als die Atombomben, die bislang in Büchel lagern. Im Kriegsfall sollen deutsche Tornado-Piloten im Rahmen der NATO-Strategie der so genannten "Nuklearen Teilhabe" Angriffe mit den US-Bomben fliegen. "Mit den neuen Bomben verwischen die Grenzen zwischen taktischen und strategischen Atomwaffen", kritisiert Hans Kristensen vom Nuclear Information Projects (Atomic Scientists) in Washington D.C./USA.

Russland übt scharfe Kritik an der Stationierung der US-Atomwaffen in Deutschland

Auch aus Russland zeigt sich großer Unmut über die Stationierung von US-Atomwaffen in Deutschland. "Uns beunruhigt, dass Staaten, die eigentlich keine Atomwaffen besitzen, den Einsatz dieser Waffen üben, und zwar im Rahmen der NATO-Praxis der Nuklearen Teilhabe", erklärt die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, gegenüber "Frontal 21". "Das ist eine Verletzung der Artikel 1 und 2 des Vertrages über die Nichtverbreitung von Atomwaffen."

Deutschland wollte eigentlich den Abzug der US-Atomwaffen

Dabei hatte der Bundestag im März 2010 mit breiter Mehrheit beschlossen, die Bundesregierung solle sich "gegenüber den amerikanischen Verbündeten mit Nachdruck für den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland einsetzen". Auch im Koalitionsvertrag von Union und FDP hatte die Bundesregierung 2009 den Abzug der Atomwaffen aus Büchel zugesagt. Doch statt der Abrüstung erfolgt nun die Stationierung von rund 20 neuen Nuklearwaffen, die zusammen die Sprengkraft von 80 Hiroshima-Bomben haben.

Der SPD-Verteidigungspolitiker Thomas Hitschler bestätigt, dass die Bundesregierung in den kommenden Jahren rund 120 Millionen Euro in den Bundeswehrstandort Büchel investieren will. Mit diesem Geld soll die Landebahn des Flugplatzes mit einem modernen Instrumentenanflugsystem ausgestattet werden.

Weitere amerikanische Stützpunkte in Europa werden modernisiert

Weitere europäische Standorte amerikanischer Atomwaffen wie die Luftwaffenbasen in Incirlik/Türkei und Aviano/Italien werden modernisiert. Auch dort soll mit neuen Nuklearbomben vom Typ B 61-12 nachgerüstet werden, bestätigt Hans Kristensen vom Nuclear Information Project. Der frühere Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Willy Wimmer (CDU), warnt vor neuen "Angriffsoptionen gegenüber der russischen Föderation" durch die neuen Atomwaffen in Deutschland und Europa: "Das ist eine bewusste Provokation unserer russischen Nachbarn."

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gea/räc/news.de

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