08.09.2015, 17.07 Uhr

Unglaubliche Rechtsprechung: Darum töten Autofahrer in China Fußgänger absichtlich

In China wird derzeit ein trauriges Phänomen zum Alltag: Verkehrsunfälle mit Todesfall. Wer einen Passanten anfährt, versichert sich, dass er auch wirklich tot ist. Selbst wenn das Opfer zunächst unverletzt blieb. Warum? Das glauben Sie nie!

Unfälle wie dieser sind leider keine Seltenheit in China. Bild: Youtube/NTDonChina

Wie ein Artikel des amerikanischen Online-Magazins "Slate" berichtet, kostet es in China 30.000 bis 50.000 US-Dollar, wenn man einen Menschen totfährt. Beerdigungskosten. Auf der anderen Seite steht ein Medienbericht, nach dem ein Unfallverursacher 400.000 Dollar an sein Opfer für Krankenhaus- und Versorgungskosten zahlen musste.

Was wie eine unbedeutende Information klingt, ist allem Anschein nach die Ursache für ein grausames Phänomen in China: Überwachungskameras filmen immer wieder Autofahrer, die mehrfach über Personen fahren, bis diese tot sind.

Verkehrsunfälle in China: Tote sind billiger als Kranke

So zeigt ein Video aus dem Jahr 2008, wie ein weißer Passat eine ältere Frau im Rückwärtsgang zu Boden reißt. Als der Fahrer seine Tat bemerkt, hält er kurz an, gibt dann Gas und überfährt die Passantin auch mit seinem Vorderreifen. Nachdem er den Vorgang zweimal wiederholt hat, begeht er Fahrerflucht.

In einem weiteren Fall aus der Provinz Sichuan soll ein Zweijähriger von einem Lkw angefahren worden sein. Der Junge blieb unverletzt, verlor jedoch seinen Regenschirm. Als er danach greifen wollte, setzte der Lkw-Fahrer zurück und überfuhr den Jungen.

Autofahrer töten Passanten: Eine geduldete Verfehlung

Wie der Fall aus Sichuan zeigt, scheinen sich auch die Behörden Chinas des Trends bewusst zu sein und diesen ohne Weiteres zu dulden. So soll der Polizeichef der Region trotz entsprechender Augenzeugenberichte festgehalten haben, dass der Lkw-Fahrer niemals rückwärts gefahren sei und den Jungen nur einmal getroffen habe.

Der Fahrer des Wagens musste hingegen eine Strafe von 70.000 Dollar Schadensersatz zahlen und kam wegen Fahrlässigkeit für drei Jahre ins Gefängnis. Abgesehen von den Kosten entspricht das in etwa der Strafe, die er für die Verletzung der Passantin bekommen hätte. Trotz einer steigenden Zahl an Verkehrskameras, scheint auch Chinas Rechtsprechung das Phänomen zu unterstützen. Der Passat-Fahrer hatte vor Gericht ausgesagt, er habe geglaubt, über einen Müllsack zu fahren.

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