Von news.de-Volontärin Anne Geyer - 12.09.2015, 08.00 Uhr

Die Haut der Blume: Hinter diesen Tattoos verstecken sich traurige Geschichten

Die brasilianische Tattoo-Künstlerin Flavia Carvalho hatte eines Tages eine Frau im Laden stehen, die einen schweren Überfall überlebt hatte. Ihr Bauch wurde ihr mit einem Messer aufgeschlitzt. Die bleibende Narbe auf ihrer Haut wollte sie überdecken lassen - die Geburtsstunde eines fantastischen Projekts.

Die brasilianische Tattoo-Künstlerin Flavia Carvalho verziert die Haut von Opfern häuslicher Gewalt. Bild: Facebook/Flavia Carvalho - Daedra Art & Tattoo/
Die Frauen suchen sich die Motive selbst aus. Bild: Facebook/Flavia Carvalho - Daedra Art & Tattoo/

Die brasilianische Tattoo-Künstlerin Flavia Carvalho versucht auf kreative Art und Weise den Opfern häuslicher Gewalt zu helfen. Frauen, die in einer gewalttätigen Beziehung lebten haben oft nicht nur Narben auf der Seele, sondern auch auf ihrer Haut - und davon meistens nicht zu knapp. Carvalho will zumindest diese lindern. Deshalb verziert sie Opfer mit bunten und fantasievollen Tattoos und überdeckt so die Male der Gewalt auf deren Haut.

Carvalhos Projekt heißt "Die Haut der Blume"

Ihr Projekt nennt Carvalho "A Pele da Flor", was übersetzt ungefähr "Die Haut der Blume" bedeutet. Seit zwei Jahren überdeckt sie nun schon Narben mit Tattoos und versucht so den Frauen ein Stück ihres Selbstbewusstseins zurückzugeben. Die Opfer der häuslichen Gewalt müssen für ihre Tattoos dann auch nichts bezahlen. Eine edle Geste.

Die Tattoos sollen das Selbstwertgefühl der Frauen steigern

Der "Huffington Post" erzählt die Tattoo-Künstlerin, dass sie das Projekt allein betreibt, weil sich sonst kein Tätowierer bereit erklärt habe, die Opfer kostenlos zu verzieren. Eine Frau, die ebenfalls Opfer von Gewalt geworden war, brachte Carvalho eines Tages auf die Idee für ihr Projekt. Eines Tages betrat die schüchterne Kundin Carvalhos Studio und wollte eine große Narbe auf ihrem Bauch mit Hilfe eines Tattoos überdecken lassen, was ihr ein fremder Mann auf der Straße zugefügt hatte, als sie seine Anmache in einem Club zurückgewiesen hatte. Ihre Geschichte rührte die Tätowiererin. Und das fertige Tattoo die Kundin - so entstand schließlich die Idee zum Projekt. Die Tattoos sollen die Frauen bestärken und ihr Selbstwertgefühl steigern.

Carvalho: Es muss noch mehr getan werden

Und Carvalho will noch mehr, denn das, was bisher für Opfer häuslicher Gewalt getan wird, sei deutlich zu wenig. Gegenüber der "Huffington Post" sagt sie über ihr Projekt: "Es ist nur ein Sandkorn; die Welt ist voll von Dingen, die angesprochen werden müssen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, wenn es darum geht, Frauen vor Gewalt zu beschützen."

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