Von news.de-Volontär Eric Mittmann - 03.09.2015, 16.55 Uhr

Läuse-Gefahr durch Selfies?: Lesen Sie weiter: Panikmache in den Medien - von Jack the Ripper bis in die Gegenwart

Selfies wie dieses sorgen nach Aussage eines amerikanischen Experten für eine schnellere Verbreitung von Läusen. Bild: Fotolia/iko

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gelang es englischen Zeitungen, für einen weltweiten medialen Aufruhr zu sorgen. Nachdem verschiedene Gesetzesreformen einen preisgünstigen Druck in großen Auflagen ermöglicht hatten, erhielten Jack the Ripper und die angeblich von ihm begangenen Morde einen bis dahin beispiellosen Bekanntheitsgrad.

Der Täter wurde nie gefasst, doch seine Legende und die extreme Medialisierung der Ripper-Morde beeinflussten über Jahre die Berichterstattung über Serienmörder, seien es Charles Manson und seine Manson Family, der deutsche Fritz Haarmann (bekannt als der "Vampir von Hannover") oder Englands "Dr. Death", Harold Shipman.

Epidemien und Fußball-Profis

Später konzentrierte man sich auf Lebensmittel-Skandale und Krankheitsausbrüche. Die Rinder-Erkrankung BSE beherrschte uns beinahe über die gesamten 1990er-Jahre. Vogel- und Schweinegrippe waren dagegen schon eher saisonbedingt. Und auch der Pferdefleisch-Skandal war schnell vom Tisch, als man erkannte, dass die NSA-Abhöraffäre doch nicht so einfach ignoriert werden konnte.

Und heute? Heute geilen wir uns an den Ablösesummen für Profifußballer auf, schauen Daniela Katzenberger beim Mutter-sein zu und ergötzen uns an den Schnappschüssen irrelevanter It-Girls auf Instagram.

Was nun?

Dabei erscheint die Situation längst nicht mehr so klar wie noch vor einigen Jahren, um an dieser Stelle noch einmal auf Pispers zurückzukommen. Während des selben Programms argumentierte der Kabarettist: "Wenn wir wirklich abgelenkt werden müssen, wenn es ganz schlimm ist, dann kommen die Medien mit den Migranten." Nun sind die Migranten tatsächlich da und Deutschland steht vor einer der größten Krisen der vergangenen Jahr.

Die Frage ist an dieser Stelle nicht, ob Deutschland derzeit das richtige tut. Solange wir uns bemühen, für eine humanitäre Lösung zu sorgen, tun wir dies. Die Frage ist - oder besser gesagt die Fragen sind -, ob Nachrichten und Medien wirklich diesem Weg in die Unbedeutsamkeit folgen sollten. Sollten wir wirklich über Daniela Katzenberger berichten, während Kinderleichen an die Küste der Türkei gespült werden? Vielleicht ist es nicht immer schön, in einer Welt zu leben, in der Bilder wie aus Bodrum, Kos oder Heidenau zur Realität gehören. Aber es sind diese Bilder, die letztendlich für Veränderungen sorgen. Bleibt nur noch herauszufinden, wovon uns dies Flüchtlingskrise ablenken soll. Seit wann haben wir eigentlich nicht mehr über Griechenland gesprochen?

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

mie/bua/news.de

  • Seite:
  • 1
  • 2
Empfehlungen für den news.de-Leser