Von news.de-Volontärin Anne Geyer - 12.05.2015, 11.49 Uhr

Ausquartiert: 83-Jähriger muss wegen G7-Gipfel ins Altenheim

Gerhard Haase lebt seit 50 Jahren in seinem kleinen Häuschen. "Schindelhütte", nennt er sie liebevoll. Doch leider muss er von da zum G7-Gipfel verschwinden. Der Grund: Das Häuschen steht direkt neben Schloss Elmau und befindet sich damit im Hochsicherheitsgebiet. Wer genau Haase lieber nicht in der Nähe von Obama, Merkel und Co. sehen will, ist derweil nicht bekannt.

Gerhard Haase lebt seit 50 Jahren ein beschauliches Leben im Herzen Nach Protesten bei G8-Gipfeln Ab in die Provinz.

Schloss Elmau wird bald zum Austragungsort des G7-Gipfels. Bild: Peter Kneffel/picture alliance/dpa

Haaeses Hütte steht direkt am Fußweg zwischen den zwei Komplexen des Hotels

Haases Hüttchen liegt direkt am Fußweg zwischen den beiden Komplexen des Fünf-Sterne Hotels. Wollen die Politiker von ihrer Suite im Neubau zum großen Saal spazieren, kommen sie an der kleinen Hütte vorbei. Bisher hatten die Hotel-Gäste noch nie ein Problem mit Haase. Er spreche auch nie jemanden an, verriet er der "Süddeutschen", viel mehr sprechen die Leute den Rentner an. Viele sind neugierig, wie es sich in der kleinen Hütte neben dem Schloss so wohnt.

Haase erhielt vom früheren Direktor lebenslanges Wohnrecht

Dabei hat die Schindelhütte auch schon eine beachtliche Geschichte. Erst war sie ein Baubüro, dann eine Volksschule. Haase zog vor 50 Jahren mit seiner Frau in die Hütte. Er arbeitete im Hotel als Techniker und Elektriker und sie war Sekretärin des früheren Direktors. Aus Dankbarkeit und als Anerkennung stand er den beiden dann ein lebenslanges Wohnrecht zu.

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Haase soll vorübergehend ins Altersheim, hat aber Angst, danach nicht mehr zurück zu dürfen

Seit dem Tod seiner Frau, und dem Auszug der beiden Töchter, wohnt Haase nur noch allein in seiner Schindelhütte. Er wird langsam gebrechlich, ist nicht mehr so agil wie früher, mehrmals in der Woche kommt eine Betreuerin und hilft ihm. Mittag bekommt er in der Hotelküche. Für Haase hat alles seine Ordnung und er fühlt sich wohl. Angst hat er vor dem Umzug ins Altersheim. Seine beiden Töchter sind über die Pfingstferien nicht da und können ihn nicht aufnehmen. Er sei schon einmal in einem Heim gewesen - da habe es ihm gar nicht gefallen, berichtete er der "Süddeutschen" weiter. Auch habe er Angst, nach dem G7-Gipfel nicht mehr zurückkehren zu dürfen, oder schlimmer: Seine geliebte Hütte wird in der Zwischenzeit abgerissen.

Bei dem 83-Jährigen Sportschützen wurden nur registrierte Pistolen gefunden

Wer genau etwas gegen den 83-Jährigen in der Hütte hat, wird aus Sicherheitsgründen nicht verraten. Unklar ist auch, warum der Rentner als Sicherheitsrisiko gesehen wird. Bei einer Durchsuchung fand die Polizei Pistolen, die jedoch alle ordnungsgemäß registriert waren, denn Haase ist Sportschütze. Vielleicht wollen die Staatschefs ja auch einfach lieber unter sich sein, und den Kontakt zur Bevölkerung meiden?

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gea/bua/news.de

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