Von news.de-Volontärin Anne Geyer - 22.04.2015, 14.39 Uhr

Pastor "Crocodile Gennadiy": Der Mann, der obdachlose Kinder entführt

Was tun, wenn man sieht, dass tausende obdachlose Kinder auf der Straße Drogen, Gewalt und Prostitution mehr und mehr verfallen? Einem ehemaligen Sowjet-Soldaten in der Ukraine fiel da nur eine Lösung ein: Sofort helfen, egal wie. Und diesen Vorsatz hält "Crocodile Gennadiy" seit über 20 Jahren eisern ein. Er entführt die Kinder notfalls, um sie auf einen kalten Entzug zu schicken.

129.000. Das ist laut ukrainischem Innenministerium die Zahl obdachloser Kinder, die in dem von Bürgerkrieg gebeuteltem Land zur Zeit auf der Straße leben. Obdachlosigkeit bedeutet in der Ukraine auch politische Ausgestoßenheit. Das bedeutet: Wer auf der Straße lebt, ist praktisch rechtlos und hat kaum Chancen auf einen sozialen Aufstieg. Da ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Kinder schnell in einen immerwährenden Strudel aus Obdachloser verschenkt drei Pfund und bekommt Tausende zurück.

Mohnenko will den Kindern helfen, und wenn sie die nicht wollen, entführt er sie

Der Pfarrer hat zum Wohle der Obdachlosen nicht einfach eine Entzugs-Klinik gegründet und gewartet, bis die Kindlein zu ihm kommen. Nein, wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss es eben andersrum funktionieren: "Crocodile Gennadiy" bietet den Kindern auf der Straße seine Hilfe an. Wenn sie nicht freiwillig mitwollen, entführt er sie kurzerhand. Jemand der nicht vermisst wird, wird auch nicht vermisst, nur weil er entführt wurde.

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3000 Kindern will Mohnenko auf diese Art schon geholfen haben

Mohnenkosteckt also die Jugendlichen in seinen Transporter und fährt sie zu seiner Entzugsklinik mit dem Namen "Pilgrim". Dort müssen die Jugendlichen dann sofort einen kalten Entzug durchmachen, ob sie wollen oder nicht. Gennadiy behauptet, er habe bereits circa 3.000 Kinder so behandelt. Einige seien Erfolgsgeschichten und hätten sich in die ukrainische Gesellschaft eingliedern können. Andere sind rückfällig geworden und viele von ihnen daran gestorben. Den meisten aber gehe es jetzt gut.

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