Von news.de-Redakteurin Ina Bongartz - 17.04.2015, 08.52 Uhr

Trauerfeier für Absturzopfer: Gauck: "Es gibt keine Sicherheit vor Schuld"

Der Co-Pilot des Airbus-Flugs 4U9525, Andreas L., flog am 24. März 2015 150 Menschen in den Tod. Die Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen erschütterte ganz Europa. Im Kölner Dom wurde heute mit einer Trauerfeier der Opfer des Todesflugs gedacht.  Hier gibt es das Protokoll zum Nachlesen.

Liveticker
Bundespräsident Joachim Gauck bei der Trauerfeier für die Opfer der Germanwings-Katastrophe im Kölner Dom. Bild: dpa

Mit einem Trauergottesdienst und einem staatlichen Trauerakt im Kölner Dom hat Deutschland der Opfer des Germanwings-Flugzeugabsturzes gedacht. Die Maschine mit 150 Menschen an Borad war am 24. März 2015 in den französischen Alpen zerschellt.

Der Copilot, Andreas Lubitz, wird verdächtigt, das Flugzeug mit Absicht zum Absturz gebracht zu haben. Insgesamt starben 150 Menschen. Für jeden von ihnen steht eine weiße Kerze im Dom - auch für den Copiloten. "Es sind 150 Opfer", hat der Kölner Kardinal Rainer Woelki klargestellt. Das Urteil über den Copiloten müsse man Gott überlassen.

Erfahren Sie hier mehr über: Neurologe erklärt: Andreas L. ist unschuldig.

Etwa 500 Angehörige waren zur Trauerfeier gekommen, die etwa zwei Stunden dauerte. Den Gottesdienst leitete Kardinal Woelki zusammen mit der Präsidentin der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus.

Die Ermittlungen zu Unglücks-Flug 4U9525
Germanwings-Absturz über den Alpen
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Trauerfeier für Germanwingsopfer heute im Kölner Dom: Gäste, Joachim Gauck, Angela Merkel

Beim Trauerakt sprachen unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm ebenfalls an der Trauerfeier teil. Auch aus Frankreich und Spanien waren Regierungsvertreter vor Ort. Auch sie richteten ihre Wort an die Angehörigen.

Lesen Sie auch: Andreas L. beschleunigte mehrfach im Sinkflug.

VIDEO: In Köln wird heute der Germanwings-Opfer gedacht
Video: RTL

 

News.de hat für Sie die Trauerfeier verfolgt. Hier gibt es das Protokoll zum Nachlesen.

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FOTOS: Germanwings-Absturz Bilder zum Flugzeugabsturz in Südfrankreich
10:37 Uhr -

Kurz vor dem Trauergottesdienst in Köln zum Gedenken an die 150 Opfer des Germanwings-Absturzes ist die Stimmung gedrückt. Vor dem abgesperrten Dom, wo am Mittag die zentrale Trauerfeier stattfinden soll, wurden erste Blumen niedergelegt.

Auf vielen Werbetafeln der Innenstadt sind statt bunter Bilder schwarze Trauerschleifen zu sehen - mit der Flugnummer 4U9525. "Köln trauert", heißt es in den sozialen Netzwerken. Für ganz Deutschland ist Trauerbeflaggung angeordnet.

11:46 Uhr -

In wenigen Minuten wird der Trauergottesdienst im Kölner Dom für die Opfer des Todesflugs 4U9525 beginnen. Bündespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sind bereits angekommen. Ebenso Vize-Kanzler Siegmar Gabriel.

11:55 Uhr -

Die Namen der Absturz-Opfer werden offenbar aus Datenschutzgründen bei dem Trauergottesdienst gleich nicht verlesen.

11:57 Uhr -

Vor dem Kölner Dom haben sich bereits Hunderte Menschen versammelt. Sie werden über große Videoleinwände die Trauerfeier verfolgen. Es herrsche eine sehr würdevolle und bedrückende Stimmung, berichten Reporter vor Ort.

12:02 Uhr -

Die Glocken des Kölner Doms läuten, der Chor beginnt zu singen. Zum Einzug gibt es das "Requiem aeternam" von Gabriel Fauré. Kardinal Rainer Woelki sagte bereits im Vorfeld, dieser Gottesdienst solle Kraft und Trost spenden.

12:09 Uhr -

Der Domherr Msgr. Robert Kleine begrüßt die Anwesenden: "Wir wollen in dieser Stunde einander beistehen. Das soll uns an diesem Ort verbinden, über Länder, Sprachen und Konfessionen hinweg."

12:11 Uhr -

Rainer Maria Kardinal Woelki eröffnet nun den Gottesdienst: "Ich rufe zu Gott, und schreie um Hilfe! Wo warst du Gott?  Erbarme dich der Not, der Tränen und der Fragen."

12:14 Uhr -

"Wir wisssen, dass wir mitten im Leben vom Tod umfangen sind. Doch wenn es passiert, sind wir fassungslos. " Die Worte des Kardinals sind mit Bedacht gewählt und treffen den angemessenen Ton. Im Wechsel mit Chorgesang zelebriert er den Gedenkgottesdienst.

12:18 Uhr -

Der griechische Erzbischof, Metropolit Augoutsinos spricht das Tagesgebet: "Lass uns nicht allein mit den Fragen und den Zorn. Gott, wir brauchen deinen Halt!" Ihm folgt die erste Lesung aus der Offenbarung des Johannes.

12:22 Uhr -

Jetzt predigt Präses Annette Kurschus (Evangelische Kirche Westfalen). "Unbegreifliches ist geschehen. Menschen wurden abgeschnitten von ihren Lieben. Abgründe haben sich aufgetan. Das Unbegreifliche muss ausgehalten werden. Ein ganzes Land, ja mehr als ein ganzes Land, rücken zusammen im Aushalten müssen."

12:26 Uhr - "Gott, sammle unsere Tränen!"

"Kein Mensch, kein Luftfahrtexperte, kein Psychologe kann eine Brücke schlagen zwischen diesem Abgrund, der da aufgerissen wurde. Gott, sammle doch unsere Tränen in deinen Krug! Wenn wir schon fragen mussten, wo du warst, als es dunkel wurde in den Herzen so vieler. (...) Nie sind wir mehr Mensch als wenn wir weinen. Wie gut ist es, wenn wir weinen können."

12:29 Uhr -

"Wie würdelos ist es ein Geschäft zu machen, mit den Tränen von Menschen. Um Gottes und um Menschen Willen: Ehrt die Tränen. Schützt die Menschen, die sie weinen." Annette Kurschus kritisiert in ihrer Predigt auch die Medien, die in ihrer Sensationsgier ohne Rücksicht auf die Opfer der Germanwings-Katastrophe berichtet haben.

12:31 Uhr -

Der Chor singt nun das Lied: "Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr" von Lothar Zenetti und Bernard Maria Huijbers. Im Anschluss einen Lesung aus  dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser (Kol. 3,1-4).

12:34 Uhr -

Die Predigt von Rainer Maria Kardinal Woelki beginnt: "Jeder von Ihnen ist sicher auf ganz unterschiedliche Weise traurig, vielleicht gar versteinert vor Schmerz. Bloße Worte, sind zu schwach, um Sie zu trösten. Doch, dass hier so viele Menschen, auch über die Medien, Ihnen so viele Menschen mit Mitgefühl beistehen, soll Ihnen Trost sein."

12:39 Uhr - Kardinal Woelki: "Ich habe heute keine Antwort für Sie auf dieses Unglück"

"Wir Christen glauben, dass diese 150 Menschen nicht verschwunden und nicht ins Nichts gegangen sind, als sie von uns gegangen sind. (...) Stark wie der Tod ist die Liebe, heißt es im Alten Testament. Die Liebe bleibt.

Heute Mittag stehe ich hier als Mensch, als Christ, und auch - aber das ist nicht so wichtig - als Erzbischof von Köln. Und ich habe keine theoretische Antwort für Sie auf dieses furchtbare Unglück vom 24. März für Sie. Aber ich kann auf Gott zeigen."

12:47 Uhr -

Jetzt der Sologesang "Pie Jesu" von Luiza Fatyol. Die Solistin selbst hatte zwei Kollegen und Freunde bei der Germanwings-Katastrophe am 24. März 2015 verloren.

12:55 Uhr -

Der Angehörigen Sarah wird nun stellvertretend für alle Angehörigen ein Engel überbracht, ebenso der Vertreter der spanischen Regierung und der französischen Regierung sowie Bundespräsident Joachim Gauck und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. "Halten und gehalten werden", spricht Rainer Maria Kardinal Woelki.

12:56 Uhr - Die Fürbitten der Angehörigen: "Gott, schenke uns neuen Lebensmut!"

Das Orgelstück von Wolfgang Amadeus Mozart "Adagio g-moll" (KV 516) erklingt. Im Anschluss die Fürbitten der Gemeinde.  Nach jeder Fürbitte, singt der Chor. "Herr, ich bitte dich, schenke uns neuen Lebensmut. Lass die Liebe stärker sein als die Verzweiflung", bittet Angehörige Sarah mit tränenerstickter Stimme.

Alle Anwesenden im Kölner Dom beten gemeinsam das "Vater Unser". Der Chor sind dann das Lied "Bewahre uns, Gott, Behüte uns, Gott" von  Eugen Eckert und Andres Ruuth.

13:12 Uhr -

Zum Auszug der Gemeinde singt der Chor "Ach Herr, lass dein lieb Engelein" von Johann Sebastian Bach. Damit ist der Gottesdienst beendet. Es folgt der staatliche Teil. Zuerst spricht NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

13:17 Uhr - Hannelore Kraft: "Unser Herz ist bei Ihnen"

"Wir trauern in tiefer Verbundenheit heute um jeden Einzelnen. Wir alle sind betroffen und wütend. Das Unglück lässt uns nicht los. Uns quält die Frage nach dem Warum?" Hannelore Krafts Dank gilt allen Helfern, Seelsorgern: "Danke, dass Sie da sind!" Sie wisse, dass Mitgefühl und Trost nicht wirklich helfen können. Dennoch: "Unser Herz ist bei Ihnen.", richtet Kraft an die Trauernden.

Das Ensemble des Joseph-König-Gymnasiums Haltern spielt das Thema aus "Schindlers Liste" von John Wiliams.

13:23 Uhr -

Bundespräsident Joachim Gauck beginnt seine Ansprache: "Da ist er wieder der Schock, der uns am 24. März getroffen hat. An diesem Tag ist etwas zerstört worden, was in dieser Welt nicht mehr geheilt werden kann."

13:27 Uhr -

Joachim Gauck betont die Verbindung durch Trauer, Mitgefühl und füreinander dasein in Leid und Not: Das starke Band der Gemeinsamkeit. "Bis Trost wirklich tröstet, braucht es Zeit. Bis dahin hilft oft nur das Wissen, nicht allein zu sein."

13:29 Uhr - Gauck: "Es gibt keine Sicherheit vor menschlicher Schuld"

"Dieser eine hat viele andere mit in den Tod gerissen, den er selbst für sich gewählt hatte. Uns lässt diese Tat fassungslos zurück. Diese schreckliche Tat konfrontiert uns mit einer Tatsache: Wir alle sind im täglichen Leben auf Vertrauen angewiesen. Es gibt kein 100prozentig kontrolliertes und sicheres Leben. Wir müssen vertrauen. Es gibt keine Sicherheit vor menschlicher Schuld."

13:33 Uhr -

Bundespräsident Gauck betont: "Wir wissen nicht, wie es im Innern des Co-Piloten ausgesehen hat. Wir wissen nicht wirklich, wie es in seinem Kopf ausssah in den entscheidenen Minuten. Wir wissen aber, dass auch seine Angehörige einen geliebten Menschen verloren haben."

Dieser Umstand sei es, der den Amok-Flug von Andreas L. so unwirklich und unfassbar mache.

13:40 Uhr -

"Ich wünsche uns allen einen Stern, der uns leitet und begleitet, der uns sagt: Du bist nicht allein." Mit diesen Worten endet die Ansprache des Bundespräsidenten. Das Bläserensemble des Gürzenich-Orchesters Köln spielt Bachs "Gott ist und bleibt getreu".

13:44 Uhr -

Der spanische Innenminister Jorge Fernández Diaz spricht nun. Er ist in Vertretung des spanischen Königspaares nach Köln gekommen. Sehr viele Opfer des Airbus-Absturz' von Flug 4U9525 waren Spanier.

"Diese schmerzhafte Tragödie in den französischen Alpen hat ganz Europa ergriffen. Wir sind geeint in unserem Schmerz und unserer Fassungslosigkeit. Wir müssen versuchen das Loch, das durch dieses Unglück entstanden ist, durch Liebe zu füllen."

13:51 Uhr -

Der französische Staatsminister Alain Vidalies spricht nun: "Welches Wort kann man jetzt noch sagen? Welches Wort könnte jetzt noch Trost spenden, für diejenigen, deren Verlust so unermesslich ist? Wir haben versucht, den Angehörigen die Möglichkeit zu geben, ihre Trauer vor Ort zu leben."

"Im Namen des gesamten französischen Volkes bringe ich Ihnen heute mein Mitgefühl aus. Seien Sie gewiss, dass Frankreich an Ihrer Seite steht, in dieser schrecklichen Prüfung."

13:58 Uhr -

Mit dem Chorgesang "In Paradisum" von Gabriel Fauré endet diese sehr würdevolle Trauerfeier für die Opfer der Germanwings-Katastrophe vom 24. März 2015 im Kölner Dom. Glockengeläut ertönt.

boi/zij/news.de/dpa

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