Von news.de Redakteurin Ina Bongartz - 28.03.2015, 09.00 Uhr

Unglücksflug 4U9525: Irre Absturz-Theorie: Wird der Co-Pilot zum Sündenbock?

War es Vorsatz oder ein Versehen, was den Unglücksflug 4U9525 am Dienstag in den Alpen zerschellen ließ? Die genauen Umstände der Airbus-Tragödie liegen größtenteils noch im Dunkeln. Hier einige inoffizielle Absturz-Theorien.

Grablichter mit der Flugnummer «4U9525» stehen vor der Zentrale von Germanwings in Köln. Davor liegen Anstecker von Condor, Air Berlin und Lufthansa. Bild: Peter Kneffel/dpa

Der Flugzeugabsturz eines Airbus A320 in den französischen Alpen lässt die sozialen Netzwerke geradzu erbeben. Millionen Menschen fühlen sich berufen, sich zu der Tragödie von Flug #4U9525 zu äußern, bei der am Dienstag, 24.03.2015, 150 Menschen starben. Sie bekunden ihr Beileid - und zweifeln öffentlich an den Informationen, die von der ermittelnden Staatsanwaltschaft offiziell vertreten werden.

Flugzeugabsturz in den Alpen: Spekulationen über die Ursache

Bisher sind nur wenige Details zu einer möglichen Absturzursache bekannt. Nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft sehe derzeit alles danach aus, als habe der Co-Pilot Andreas L. den Flug 4U9525 vorsätzlich in das Bergmassiv gelenkt. Abschließend bewiesen ist das jedoch noch nicht.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat derweil vor Spekulationen über die Ursache der Germanwings-Katastrophe gewarnt. Aus Rücksicht auf die Hinterbliebenden der 150 Todesopfer.

Lesen Sie hier: Flugzeugabsturz 4U9525: Drei Thesen zur Unglücks-Ursache.

Schwere Flugzeugunglücke der vergangenen Jahre
Abstürze mit mehr als 100 Todesopfern
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Dennoch kursieren bei Facebook, Twitter und Co. zum Teil geradzu haarsträubende Theorien darüber, wer oder was den Flug 4U9525 wirklich hat abstürzen lassen. So ist dort beispielsweise zu lesen: "Ich glaube stark daran, dass der Copilot Andreas Lubitz nichts mit der Sache zu tun hat. Meiner Meinung nach, hatte das Flugzeug ein technisches Problem. Wenn man das sagen würde, dass es die Lufthansa ist, wäre es ein zu großer Verlust für die Fluggesellschaft. Aber es ist doch leicht, die ganze Schuld auf einen toten Menscehn zu schieben."

Wurde der Co-Pilot ohnmächtig?

Wie der "Berliner Kurier" schreibt, hält es Formel1-Legende und Flugexperte Niki Lauda durchaus für möglich, dass der Pilot durch einen plötzlichen Druckverlust ohnmächtig wurde oder dass er zu sehr mit der Maschine beschäftigt war, um mit der Bodenkontrolle zu sprechen.

In Bezug auf die neuesten Erkenntenisse, dass Co-Pilot Andreas L. den Kapitän aus dem Cockpit ausgesperrt hat, äußerte sich Luftfahrtexperte Tim van Beveren im Gespräch mit N24 wiefolgt: Es gebe genügend "Möglichkeiten, die nicht unbedingt einen Vorsatz bedeuten". Der Pilot könnemöglicherweise auch durch giftige Gase oder einen plötzlichen Druckverlust im Cockpit aus Versehen die Tür verriegelt haben.

Die auf dem Stimmrekorder zu hörende regelmäßige Atmung von Andreas L. - wie sie der französische Staatsanwalt beschrieben hat - widerlegt diese These jedenfalls nicht.

Erfahren Sie hier mehr über: Der Co-Pilot Andreas L. war am Unglückstag krankgeschrieben.

FOTOS: Germanwings-Absturz Bilder zum Flugzeugabsturz in Südfrankreich

In der Talkshow von Maybrit Illner am Donnerstagabend im ZDF diskutierten die Gäste Matthias von Randow vom Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft und Andreas Spaeth, Luftfahrtexperte und Journalist, die bisherigen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft zum Airbus-Crash in den französischen Alpen auch sehr kritisch.

Airbus kommt die Theorie vom kranken Selbstmörder zugute

Vor allem stellten sie die Schlussfolgerungen der Staatanwaltschaft infrage. Allein anhand einer ersten Auswertung der Stimmenaufzeichnung könne es noch gar keine Klarheit über das geben, was sich während des Todesflugs abgespielt habe.

Deutlicher wurde Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer, der ebenfalls in der Runde bei Illner saß: Es sei noch gar nicht gesichert, dass die Darstellung des französischen Staatsanwalts vom erweiterten Suizid des Co-Piloten Andreas L. tatsächlich auch stimme. Wenn ein Staatsanwalt etwas behaupte, müsse das schließlich keineswegs stimmen. Oft genug fielen die Urteile später anders aus.

In der Vergangenheit habe es, so Ramsauerm einige Beispiele gegeben, wie französische Behörden sich sehr bemüht hätten, Schaden vom Ruf des Airbus fernzuhalten.

Kurz gesagt: Es sei denkbar, dass Co-Pilot Andreas L. nun als Sündenbock für etwas herhalten müsse, um einen enormen Schaden vom Airbus-Konzern abzuwenden.

Lesen Sie auch: Gnadenlose Hetze gegen Todespilot Andreas L. bei Facebook.

Abstürze von Airbus-Maschinen
Kaum Überlebenschance
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VIDEO: Rätsel um den Co-Piloten des Germanwings-Todesflugs

boi/news.de

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