EU-Führerschein: Ungarn im Trend für den EU-Führerschein

Der Führerschein-Tourismus boomt - aber offenbar nicht mehr in Polen und Tschechien. Wer seinen Lappen in Deutschland abgeben musste, kann weiter im Südosten einen neuen Schein machen: in Ungarn.

Führte häufiger zu Rechts-Streitigkeiten: der EU-Führerschein aus Tschechien

Bild: imago stock&people/spot on news

Der 26. April 2012 sollte in Sachen EU-Führerschein endlich Klarheit bringen: Führerscheine aus anderen EU-Staaten sind auch hierzulande anzuerkennen; das hatte der Europäische Gerichtshof entschieden. Erstritten wurde dieses letztinstanzliche Urteil vom Frankenthaler Rechtsanwalt Dr. Werner Säftel für einen deutschen Mandanten. "Voraussetzung für die Anerkennung", sagt der Verkehrsrechts-Experte, "ist natürlich, dass die rechtlichen Vorgaben erfüllt wurden". Zu denen gehört, dass man dort, wo der Führerschein gemacht wird, für mindestens 185 Tage seinen Wohnsitz haben muss.

Auch darf in Deutschland keine Führerscheinsperre vorliegen. Eine Aufforderung der Behörden zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) ist hingegen kein Hinderungsgrund. Wer sich dieser Maßnahme, salopp auch Idiotentest genannt, nicht stellen möchte, gibt seinen deutschen Führerschein ab und macht ihn in einem anderen Land Europas neu.

Zu klein für einen Führerschein - gibt's das? Sehen Sie selbst in diesem Clip auf MyVideo!

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"Zu viele unseriöse Anbieter in Tschechien und Polen"

Anwalt Säftel kommentiert: "Das schmeckt den deutschen Behörden überhaupt nicht. Schließlich ist die MPU in Deutschland für viele ein riesiges Geschäft. Deshalb wird krampfhaft versucht, das EU-Urteil zu umgehen. Außerdem gehe ich davon aus, dass von politischer Seite auf andere Länder Druck ausgeübt wird."

Tschechien und Polen waren über viele Jahre die beliebtesten Reiseziele für den Führerschein-Tourismus. Inzwischen arbeiten beide Staaten mit den deutschen Behörden eng zusammen. Säftel: "Es wird vor allem sehr genau überprüft, ob die Leute für die vorgeschriebene Zeit dort ihren Lebensmittelpunkt hatten. Ist dies nicht der Fall, wird die neue Fahrerlaubnis sofort aberkannt." Was der Rechtsanwalt aus der Pfalz richtig findet, denn: "Es gab und gibt in Tschechien und Polen einfach zu viele unseriöse Anbieter."

Geschenkt wird den Fahrschülern in Ungarn nichts

Diesbezüglich ist Ungarn noch nicht auffällig geworden. Dort organisiert der Deutsche Christian Wälde seit nunmehr sieben Jahren überwiegend für Kunden aus dem deutschsprachigen Raum Lizenzen zum Fahren. "Als einziger deutscher Anbieter und völlig legal", wie er versichert. Die Wohnsitzanmeldung erfolge über einen Rechtsanwalt, die Probanden besuchten eine ungarische Fahrschule, in der deutsch gesprochen wird, auch die Fragen der theoretischen Prüfung seien ins Deutsche übersetzt.

"Zwei Tage nach der praktischen Prüfung kann der EU-Führerschein beantragt werden, rund zwei Wochen später ist er ausgestellt", so Wälde, der auch verspricht, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern alle Formalitäten und Behördengänge zu erledigen. Je knapp 2.200 Euro kosten bei Wäldes Firma 1a-direkt (www.1a-direkt.net) der Auto- und der Motorrad-Führerschein, im Paket sind beide für rund 3.000 Euro zu haben - sind also sogar etwas teurer als in Deutschland.

Auch der Erwerb von LKW-Führerscheinen und die Umschreibung einer Fahrerlaubnis sind im Angebot. Geschenkt wird den Fahrschülern in Ungarn allerdings nichts. Wälde: "Wer den Führerschein macht, muss lernen. Die Zeiten, in denen man von gekauften Papieren in Tschechien oder Polen hörte, sind längst vorbei."

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