Von news.de-Experte Armin Dieter Schmidt - 04.11.2014, 16.31 Uhr

news.de-Expertenrat: Unfallversicherung für Fußweg zum Bus

Der gesetzliche Unfallversicherungsschutz gilt nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch für den Weg dorthin. Dabei kann der Arbeitnehmer frei entscheiden, ob er diesen mit dem Auto, der Bahn, dem Bus, zu Fuß oder durch Kombination verschiedener Verkehrsmittel zurücklegen will. Die Berufsgenossenschaften (BG) haben dabei nichts mitzureden – oder etwa doch?

Nachdem ein Mann aus dem Kreis Ludwigsburg beim Überqueren eines Zebrastreifens angefahren wurde, weigerte sich die im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung zuständige «Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe», einen Arbeitsunfall anzuerkennen. Bei dem Verkehrsunfall hatte sich der Betroffene den Unterschenkel mehrfach gebrochen.

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Verschiedene Arbeitswege möglich

Die Versicherung begründete die Ablehnung ihrer Leistungen damit, dass der Arbeitnehmer nicht die nächstgelegene, sondern eine von seinem Zuhause weiter entfernte Bushaltestelle aufsuchen wollte. Tatsächlich hätte ein Bus nur rund 290 Meter von dessen Wohnung gehalten, während die anvisierte Haltestelle mehr als 1 Kilometer entfernt war.

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Gerichte in Deutschland müssen häufig Fälle klären, in denen es um die Anerkennung von Arbeits- und Wegeunfällen geht. Bild: iStock

Dadurch dauerte sein Weg zur Arbeit zwar länger, die insgesamt zurückzulegende Gesamtentfernung allerdings blieb in etwa gleich. Gegen die Ablehnung des Arbeits- beziehungsweise Wegeunfalls wehrte sich der Betroffene, bis er vom Sozialgericht (SG) Heilbronn recht bekam.

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Beruflicher oder privater Fußweg?

Eine plausible Begründung für seinen längeren Fußweg hatte das Unfallopfer schließlich auch: Aufgrund einer Herzerkrankung war es wichtig, dass er sich täglich ausreichend bewegte. Dafür nutzte er auch den Weg zur Arbeit, indem er eben nicht nur zur nächstgelegenen Bushaltestelle lief.

Ein Umweg war das in diesen Fällen offenbar nicht, denn die Gesamtwegstrecke blieb ja in etwa gleich. Das war letztlich auch das Glück des Betroffenen: Umwege zu privaten Zwecken würden nämlich nicht unter die gesetzliche Unfallversicherung fallen.

So aber bestätigte das Gericht, die Wahl des beziehungsweise der Verkehrsmittel obliegt dem Arbeitnehmer. Er durfte also auch den etwas längeren Fußweg mit der Busfahrt verbinden und musste nicht die nahegelegenste Haltestelle aufsuchen. Eine Regel, wonach immer der schnellste Weg gewählt werden muss, gibt es nicht.

Anerkennung eines Arbeitsunfalls

Ab dem Verlassen der Haustür befand sich der Mann auf dem unmittelbaren Weg zur Arbeit und stand unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Die konkret zuständige BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe wurde daher dazu verurteilt, im Fall des Klägers einen Arbeitsunfall anzuerkennen.

(SG Heilbronn, Urteil v. 23.07.2014, Az.: S 13 U 4001/11)

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