Freizeit: Im Fischasyl blubbert es im ganzen Haus

Aurich - Aquarianer brauchen kaum Bilder oder Fototapeten - die echten Freunde der Wassertiere und -pflanzen verzieren ihre ganze Wohnung mit bunten Wasserbecken, in denen farbenprächtige Fische zwischen schillernden Gewächsen ihre Kreise ziehen.

Im Fischasyl blubbert es im ganzen Haus Bild: Carmen Jaspersen/dpa

So sieht es jedenfalls bei Markus Schiffer in Aurich (Niedersachsen) aus.

Der Ostfriese betreibt Deutschlands einziges anerkanntes Fischasyl. Hier finden Tiere letzte Zuflucht, wenn etwa die ursprünglichen Besitzer aufgegeben haben oder gestorben sind.

Schiffer nimmt die Tiere auf und vermittelt sie gegen eine kleine Spende für den gemeinnützigen Verein Fiasa (Fischauffangstation Aurich) weiter. Wenn sich Interessenten am Telefon melden, geht der gebürtige Mönchengladbacher durchaus kritisch bei der Auswahl der neuen Besitzer vor: «Wer Fische im Aquarium hält, muss sachkundig sein. Interessenten müssen mich schon überzeugen, dass sie die für den jeweiligen Fisch richtige Wasserbeckengröße und die passenden Filteranlagen haben», sagt Schiffer.

Wenn Menschen Fische abgeben wollen, ist Schiffer die richtige Adresse, bestätigt Manfred Rank, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde. «Mit dem arbeiten wir gut zusammen, das funktioniert gut.» Schiffer sei auch Mitglied des Verbandes, in dem bundesweit rund 350 Vereine mit etwa 15 000 Mitgliedern zusammengeschlossen sind.

600 Fische schwimmen zurzeit in Schiffers Tierasyl, 1400 sind in seinem Privatbesitz. Im ganzen Haus blubbert es, vom Keller bis zur Toilette stehen Aquarien. Fischefüttern und Beckenpflege kosten täglich Zeit und Geld: «Das ist ein Arsch voll Arbeit. Und das Geld reicht auch nicht. Dafür muss man schon eine echte Macke haben», beschreibt er sein Hobby, das inzwischen zum Ganztagsjob geworden ist.

Die Idee kam Schiffer in seiner Zeit als Taxifahrer, als er mit Kollegen, Fahrgästen und Fachgeschäften ins Gespräch über Fische und Aquarien kam. Damals prüfte auch das Veterinäramt seine Becken, weil man ihn zunächst für einen Fischhändler hielt. Doch die Behörde lobte schließlich die Anlagen - und stellte 2010 eine Bescheinigung als offizielle Aufnahme- und Vermittlungsstation für Fische aus. «Das hat sich positiv entwickelt», sagt auch Veterinär Ibeling Ringena vom Landkreis Aurich. Inzwischen ist das Fischasyl bei Behörden, Polizei und Fachgeschäften bekannt, Anrufe kommen aus ganz Norddeutschland.

«Nach einer Wohnungsräumung bei einem Tier-Messie haben wir allein 370 Barsche aus 25 Aquarien bekommen», beschreibt Schiffer einen besonders drastischen Fall. Ein anderer Kunde gab seine zwei Kongowelse ab: «Weil die auf dem Rücken schwimmen, hatte er seit acht Jahren gedacht, die Tiere seien krank: Dabei ist es normal, dass die auf dem Rücken schwimmen», erinnert sich der Fisch-Herbergsvater.

Ob Koi, Schibunki, Skalare oder Panzerwelse: Die ganze Zierfisch-Palette hat schon vorübergehend Zuflucht in dem Auricher Haus gefunden. Auch Exoten waren dabei: «Piranhas sind ganz langweilig», findet Schiffer, »die machen tierisch Dreck, das stinkt wie ein Schwein. Richtig blutrünstig fand ich sie zwar nicht. Zur Fütterungszeit würde ich aber nicht meine Hand in ein Becken mit 200 Piranhas halten.»

Auch ein Zitteraal war schon Gast im Tierheim des Ostfriesen: «Der sendet Ströme aus bis zu 320 Volt. Das ist nix für Herzschwache. Da kriegste Dauerwellen, auch ohne Locken. Aber das muss man abkönnen, das durchblutet», sagt der gelernte Elektriker.

Fischauffangstation Aurich

Internetseite des Verbandes Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkultur

news.de/dpa

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