Raumfahrt: Sind Seifenblasen im All unsterblich?

Marbach/Pullach - Wenn der deutsche Astronaut Alexander Gerst an diesem Mittwoch im Forschungslabor der Internationalen Raumstation ISS steht, experimentiert er auch im Auftrag von Schülern.

Sind Seifenblasen im All unsterblich? Bild: Oliver Berg/dpa

Sind Seifenblasen im Weltall unsterblich, wollen sie von ihm wissen. Und lassen sie sich in der Schwerelosigkeit von Schallwellen in Bewegung versetzen? Ein kleiner Teil von Gersts Versuchen sind das Ergebnis eines Schülerwettbewerbs des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Europäischen Weltraumorganisation Esa und der Stiftung Jugend forscht mit bundesweit rund 50 Teilnehmern.

Auf der Erde, soviel steht wohl fest, sorgt die Schwerkraft maßgeblich dafür, dass Seifenblasen platzen. Und warum? Das Wasser in der Blase wird durch sie automatisch nach unten gezogen und der Seifenfilm oben wird immer dünner. Die federleichten und bunt schimmernden Gebilde platzen deshalb schon nach kurzer Zeit.

Für die Zehntklässler Lukas Bonfert (15) und Julius Schölkopf (16) vom Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach bei Stuttgart ist diese Erkenntnis «banal». Der Innendruck sorge letztlich allein für das Platzen der federleichten Luftkugeln, sagen sie. Doch was passiert in der Schwerelosigkeit? «Die Seifenblase müsste signifikant länger leben», beschreibt Lukas Bonfert die Erwartung der Schüler. An die Unsterblichkeit glauben sie hingegen nicht.

Für den Versuchsaufbau galt es einiges zu bedenken: So mussten alle Gegenstände aus einer Liste von 42 Zutaten ausgesucht werden, die es auf der ISS bereits gibt. Seife und Shampoo etwa. Die Schüler entschieden sich für das ISS-Shampoo. Die Seife stellte sich als untauglich raus. «Zu wässrig», so das Urteil der Nachwuchsforscher. Mithilfe einer Spritze ließen sich aber aus dem Shampoo prima Seifenblasen herstellen.

Da eine weitere Vorgabe war, dass in der ISS keine Flüssigkeiten freigesetzt werden dürfen, mussten die Schüler noch eine Idee mitliefern: Gerst wird die Seifenblasen zunächst in einer Papierröhre aufpumpen und quasi auffangen, um die am besten gelungenen dann untersuchen zu können. Dabei wird er auch mit einer Nadel in die Seifenblase stechen. «Aber natürlich wird sie dabei platzen», sagt Lukas Bonfert voraus. Eben wegen des Innendrucks. «Trivial» sei das. Viel interessanter sei da eben die Lebensdauer überhaupt.

Gersts Versuche waren unabhängig voneinander bei zwei Schülerteams entstanden, die am Wettbewerb «Aktion 42» teilgenommen hatten. In Marbach und am Gymnasium am Sandberg in Wilkau-Haßlau in Sachsen. Hier waren Thomas Poller, Enrico Olzmann und Max Neumerkel beteiligt. Ergänzt wird die Versuchsreihe von einem Schall-Test von Katrin Geigenberger vom Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium in Pullach bei München. Die Schülerin möchte wissen, ob man schwebende Seifenblasen oder Wasserkugeln mit dem Kammerton A oder anderen Tönen in Bewegung versetzen kann.

Die Weltraumbehörde Nasa habe ihnen versichert, dass Seifenblasen zwar schon mal im All hergestellt wurden. Wissenschaftlich untersucht worden seien sie aber noch nie, berichten die Freunde Julius Schölkopf und Lukas Bonfert in Marbach. Zumindest sei der Nasa nichts bekannt. Ihr Lehrer Michael Stengel brachte die beiden auf die Idee, am Wettbewerb teilzunehmen. «Die beiden sind sehr gute Schüler», sagt er. Und sie verfügten über das notwendige Engagement.

Von den Versuchen in der Raumstation soll es später auch ein Video geben. Das wollen Julius Schölkopf und Lukas Bonfert dann gerne ins Internet stellen. Und dann gibt es vielleicht ja auch noch ein Treffen mit Gerst, der sie übrigens noch nicht angesteckt hat: Ins Weltall streben beide nicht und Physik ist nicht mal ihr Lieblingsfach. Bonfert liebt Mathe, Schölkopf hat es eher mit Chemie und Geschichte. Aber wenigstens eine gute Note in Physik sollte jetzt doch rausspringen? «Ich glaube, wir brauchen beide keine weitere eins in Physik mehr», sagt Lukas Bonfert cool.

news.de/dpa

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