Ausbildung: Bye-bye, Meister! - Als Azubi ins Ausland gehen

Berlin - Was Studenten können, können Lehrlinge auch: Verbringen sie einige Zeit im Ausland, bringt das mehr Chancen im Beruf. Und auch für die Firma ist es ein Gewinn. Es gilt nur, den Chef davon zu überzeugen.

Bye-bye, Meister! - Als Azubi ins Ausland gehen Bild: Andrea Warnecke/dpa

Als Student einige Zeit im Ausland zu verbringen, ist mittlerweile fast Standard. Ungewöhnlicher ist es, als Auszubildender diesen Schritt zu machen. Erst rund vier Prozent der Azubis verbringen einen Teil ihrer Lehrzeit heute im Ausland, erklärt Tamara Moll, Leiterin der Mobilitätsberatung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Sie empfiehlt Lehrlingen, zum Beispiel für ein Praktikum in ein anderes Land zu gehen. «Für die Persönlichkeitsentwicklung ist es wichtig.» Der Azubi verbessere so seine fachlichen und sozialen Kompetenzen und damit auch seine Karrierechancen.

Gleichzeitig sei es auch ein Gewinn für den Betrieb, hebt Moll hervor. Der Chef bekommt einen selbstbewussteren Auszubildenden zurück, der durch den Perspektivwechsel womöglich neue Ideen und Arbeitstechniken mitbringt. Außerdem könnten die Unternehmen von den Kontakten ins Ausland profitieren, die so geknüpft werden - in einer zunehmend globalisierten Wirtschaft sei das wichtig, sagt Moll.

Genau so sollten Auszubildende auch argumentieren, wenn sie ins Ausland möchten und der Chef zurückhaltend reagiert. Zur Not kann der Azubi einen Mobilitätsberater bitten, gemeinsam mit dem Ausbilder über die Umsetzung eines Auslandsaufenthalts zu sprechen. Solche Berater finden Lehrlinge auf der Seite Mobilitaetscoach.de - ein Gemeinschaftsprojekt von DIHK, Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und dem Bundesarbeitsministerium. «Die meisten Unternehmen sind sehr offen», macht Moll Azubis Mut, ihre Pläne anzusprechen.

Dann muss der Lehrling noch das passende Programm für sich finden. Ein größeres ist Erasmus+ (ehemals Leonardo da Vinci). Dabei gebe es für Azubis auch eine finanzielle Förderung. Denn der heimische Betrieb zahlt während des Praktikums zwar das Gehalt weiter - für zusätzliche Kosten, die im Ausland entstehen, kommt er aber nicht auf. Daneben gibt es viele länderspezifische Angebote, zum Beispiel vom Deutsch-Französischen oder Deutsch-Polnischen Jugendwerk. Eigene Austauschprogramme haben meist nur einige sehr große Unternehmen, mittelständige und kleine eher nicht.

Oft dauere ein Auslandspraktikum drei bis vier Wochen. Teils gehen Azubis aber auch mehrere Monate ins Ausland - das komme auch darauf an, wie lange es für den Betrieb verkraftbar ist, auf den Azubi zu verzichten. Möglich ist, den Auslandsaufenthalt des eigenen Lehrlings mit einem Tauschpartner zu kompensieren - also gleichzeitig einen ausländischen Azubi aufzunehmen, erklärt Moll. Das ist vielleicht ein weiteres Argument, um den Chef zu überzeugen.

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news.de/dpa

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