Notfälle: Hochhaus in Pjöngjang stürzt ein: «Unvorstellbarer Unfall»

Pjöngjang - Bei einem «unvorstellbaren Unfall» auf einer Hochhaus-Baustelle in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang hat es nach Berichten der Staatsmedien Tote und Verletzte gegeben.

Hochhaus in Pjöngjang stürzt ein: «Unvorstellbarer Unfall» Bild: Stefan Schaubitzer/dpa

Wie viele Unfallopfer es tatsächlich gab, wurde am Sonntag nicht gesagt. Aus Regierungskreisen im benachbarten Südkorea hieß es, ein noch unfertiges Wohngebäude mit 23 Etagen sei eingestürzt, es hätten vermutlich schon etliche Familien darin gewohnt. Die Zahl der Todesopfer sei wahrscheinlich beträchtlich.

Es hätten vermutlich bereits 92 Familien in dem Haus in Pjöngjang gewohnt, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Regierungsbeamten in Seoul. Sollten diese Vermutungen zutreffen, könnten nach Ansicht von Beobachtern Hunderte von Menschen ums Leben gekommen oder verletzt worden sein.

In Nordkorea sei es nicht ungewöhnlich, dass Menschen in Apartment-Häuser einzögen, obwohl die Bauarbeiten noch gar nicht abgeschlossen seien, sagte der Beamte in Seoul weiter.

Der Unfall hatte sich den nordkoreanischen Angaben zufolge bereits am vergangenen Dienstag ereignet. Die zuständigen Beamten hätten sich für den «unvorstellbaren Unfall» bei den trauernden Angehörigen der Opfer und den Bürgern des Stadtteils Phyongchon entschuldigt. Das Unglück habe die Bürger schockiert. Es seien intensive Bergungsarbeiten in Gang gesetzt worden.

Der Bau sei «nicht fachgerecht ausgeführt worden, und die Beamten überwachten ihn in einer unverantwortlichen Weise», hieß es weiter. Die Bergung von Überlebenden sei am Samstag beendet worden. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sei die ganze Nacht wach geblieben, als er von dem Unfall erfahren habe, wurde ein Vertreter des kommunistischen Regimes zitiert.

Es gilt als ungewöhnlich, dass die Medien des weithin abgeschotteten Nordkorea über Hintergründe zu Unfällen im Land berichten und sich Vertreter des Regimes dafür entschuldigen. Als Grund dafür wurde in Südkorea nicht ausgeschlossen, dass das Regime eine größere Verärgerung in der Bevölkerung vermeiden wolle.

Wie die südkoreanische Zeitung «The Korea Herald» berichtete, war das eingestürzte Gebäude Teil eines ehrgeizigen Modernisierungsplans für Pjöngjang. Die Initiative zum Bau von 100 000 Wohnungen sei bereits 2002 unter dem früheren Machthaber Kim Jong Il - dem Ende 2011 gestorbenen Vater Kim Jong Uns - auf den Weg gebracht worden.

Das Unglück in Pjöngjang ereignete sich zu einem Zeitpunkt, da in Südkorea die Regierung für unzulängliches Krisenmanagement nach dem Untergang der Fähre «Sewol» vor mehr als einem Monat heftig kritisiert wird. Bei dem Unglück am 16. April waren nach jüngsten Angaben mindestens 286 Menschen ums Leben gekommen. Es galten noch 18 der ursprünglich 476 Insassen als vermisst.

news.de/dpa

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