Tiere: Mini-Leguan mit Signalfarbe: Rotkehlanolis stellen Ansprüche

Aldersbach - Klein, flink und leuchtend grün: Der Rotkehlanolis ist eine Art Mini-Leguan, der sich hierzulande in vielen Terrarien findet. Doch obwohl die Tiere leicht zu bekommen sind, sollten Halter genau auf ihre artspezifischen Bedürfnisse achten.

Ein seltenes Tier ist der Rotkehlanolis nicht – weder in freier Natur noch im Terrarium. Doch das zierliche Reptil steckt voller Überraschungen, vor allem, was seine Farbe angeht. Die wechselt oft mehrmals am Tag von grün nach braun: «Die Tiere sind grün, wenn sie erregt sind, sich sehr hellem Licht aussetzen oder bei dominanten Männchen beim Imponierverhalten», erklärt Wolfgang Heuberger von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz.

Doch der Rotkehlanolis hat farblich noch mehr zu bieten als knallgrüne Haut. Bei der Balz oder wenn sie ihr Revier verteidigen, klappen die Männchen ihren roten Kehllappen auf – und kommen so zu ihrem deutschen Namen.

Verglichen mit anderen Leguanarten sind Rotkehlanolis eher klein. Die Männchen werden bis zu 20 Zentimeter lang, die Weibchen messen höchstens 18 Zentimeter – den über 10 Zentimeter langen Schwanz mitgerechnet. Als Einsteigertier für Anfänger würde Uwe Bartelt von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde den kleinen Kletterer dennoch nicht bezeichnen. «Jedes Tier hat seine ganz speziellen Bedürfnisse. Das gilt auch für den Rotkehlanolis.»

Weil diese Bedürfnisse sich nicht unbedingt mit denen anderer Reptilienarten decken, rät Tierarzt Heuberger davon ab, Rotkehlanolis zu vergesellschaften. Problematisch sei das vor allem in Bezug auf die Temperatur im Terrarium. Beheimatet im Südosten Nordamerikas, halten Rotkehlanolis für gewöhnlich Winterruhe. Und die sollte ihnen auch in Gefangenschaft gewährt werden.

Auch außerhalb der Winterruhe stellen Rotkehlanolis besondere Ansprüche an die Umgebungstemperatur. Als wechselwarme Tiere brauchen sie innerhalb des Terrariums verschieden warme Zonen. Neben sogenannten hot spots, auf denen sie sich unter einem Strahler aufheizen können, sind auch schattige Bereiche wichtig. Während die Temperatur nachts auf 20 Grad sinken sollte, mögen Rotkehlanolis es tagsüber warm und hell. «Vor allem UVA und UVB-Licht-Zufuhr sind essenziell», erklärt Henriette Mackensen, Fachreferentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.

In freier Natur leben Rotkehlanolis auf Bäumen, Büschen oder Sträuchern. Sie ernähren sich von Gliederfüßern, wie Insekten und Spinnentieren. Auch im Terrarium brauchen sie lebende Insektennahrung. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, sollten Halter diese regelmäßig mit Vitaminpulver und Calcium bestäuben.

Rotkehlanolis sind territoriale Tiere. Daher brauchen sie auch in Gefangenschaft genügend Platz, um sich aus dem Weg zu gehen. Doch wie groß das Terrarium auch sein mag – mehrere Männchen lassen sich nicht zusammen halten. Ideal sind ein Pärchen oder ein Männchen mit mehreren Weibchen.

Wer Rotkehlanolis halten will, bekommt sie im Zoofachhandel, manchmal sogar in Baumärkten. Allerdings handelt es sich meistens um wild gefangene Tiere, obwohl sich Rotkehlanolis leicht nachzüchten lassen. «Das Problem ist, dass die Wildfänge im Handel um einiges günstiger sind als deutsche Nachzuchten», erklärt Mackensen.

Für die Tiere sind Fang und Transport aber mit großem Stress verbunden. Auch Heuberger sieht die Haltung von Rotkehlanolis aus Wildfang kritisch. «Oft werden die Tiere mit unklaren Geschlechtsbestimmungen angeboten. Das führt immer wieder dazu, dass irrtümlich mehrere Männchen zusammen gehalten werden.» Das kann zu Revierkämpfen mit dramatischem Ausgang führen. Außerdem leiden Tiere aus Wildfang häufig an Parasiten.

news.de/dpa

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