Wissenschaft: Hunde folgen Sprechrichtung ihres Herrn

Leipzig – Hunde können nicht nur die Mienen und Gesten des Menschen lesen, sie ziehen schon allein aus der Sprechrichtung die richtigen Schlüsse.

Hunde folgen Sprechrichtung ihres Herrn Bild: Sven Hoppe/dpa
Einigen Welpen gelinge dies sogar besser als erwachsenen Tieren, berichten Leipziger Forscher in den «Proceedings B» der britischen Royal Society.

Bekannt war bereits, dass Hunde Zeige-Gesten und der Blickrichtung eines Menschen folgen und so verstecktes Futter aufspüren können. Federico Rossano und seine Mitarbeiter am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie experimentierten nun bei 56 Hunden verschiedener Rassen mit gesprochenen Hinweisen.

Den Tieren wurde zunächst Futter gezeigt, dann wurde ein Vorhang geschlossen und der Experimentator füllte die Leckerei hinter einer Trennwand in einen von zwei Behältern rechts oder links. Der Vorhang wurde geöffnet, so dass der jeweilige Hund wieder beide Behälter jenseits der Barriere sehen konnte. Der Experimentator hockte für das Tier unsichtbar auf der Seite des jeweils leeren Behälters und rief freudig «Pass auf» und den Namen des Hundes in Richtung des gefüllten Futterbehälters.

Das Ergebnis war statistisch eindeutig: Mit großer Mehrheit wählten die Hunde den Futterbehälter, in dessen Richtung gesprochen worden war. Blieb der Experimentator stumm, wurden dagegen beide Behälter etwa gleich oft gewählt. Redete er in Richtung Rückwand, also von den Hunden weg, folgten die Hunde eher der Stimme als deren Richtung und wählten mehrheitlich den leeren Behälter. Mit einem Trick schlossen die Forscher dabei aus, dass die Tiere sich vom Geruchssinn leiten ließen: In beiden Behältern war zusätzlich Futter in einem doppelten Boden deponiert.

Selbst acht bis vierzehn Wochen alte Welpen ließen sich von der Sprechrichtung leiten, wenn sie eng bei Menschen aufgewachsen waren. Dies sei eine erstaunliche Leistung, kommentiert Rossano. Ähnliche Versuche waren zuvor auch mit Kleinkindern durchgeführt und auch von Einjährigen bestanden worden. Menschenaffen und Wölfen dagegen scheint die Richtung, in die Menschen sprechen, nichts zu bedeuten.

Eine solche Anpassung an das Kommunikationssystem des Menschen könne nur eine Folge der jahrtausendelangen Domestikation der Hunde sein, schließen die Forscher. Die enorme Auffassungsgabe von Welpen weise darauf hin, dass Hunde eine Art genetische Voreinstellung haben, die sie auf Menschen achten lässt. «Hunde, die dem Menschen gegenüber besonders aufmerksam waren, wurden möglicherweise als Haustiere bevorzugt», so Rossano.

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news.de/dpa

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