Computer: Höchste Zeit für Umsteiger: Windows XP ist nicht mehr sicher

Berlin - Windows XP war zwischen 2001 und 2007 auf fast jedem neuen Computer installiert. Kein Wunder, dass es auch heute noch Rechner gibt, die mit dem Betriebssystem gut laufen. Inzwischen sind die Geräte aber eine tickende Zeitbombe, warnen Experten.

Höchste Zeit für Umsteiger: Windows XP ist nicht mehr sicher Bild: Andrea Warnecke/dpa

Als Microsoft Anfang April den Support für Windows XP einstellte, war das keine Überraschung. Schon Monate vor dem Stichtag versuchte der Softwarehersteller, Nutzer des Betriebssystems zum Wechsel auf neuere Versionen zu bewegen. Mit wenig Erfolg: Nach Zahlen des US-Analysten Net Applications war XP im April noch auf jedem vierten Internetrechner (26 Prozent) weltweit installiert. Damit belegt der Software-Dinosaurier hinter Spitzenreiter Windows 7 (49 Prozent) den zweiten Platz. Windows 8 kommt nur auf rund 12 Prozent.

Warum tun sich Nutzer mit dem Wechsel so schwer? «Es gibt einfach viele Konsumenten, denen das Risiko nicht bewusst ist», sagt Wafa Moussavi-Amin vom Marktforschungsinstitut IDC. Den Löwenanteil der XP-Treuen machen nach Angaben des Experten kleinere Unternehmen aus: «Für die würde die Umstellung einen erheblichen finanziellen und organisatorischen Aufwand bedeuten.» Hinzu kommt, dass viele Firmen mit spezieller Software arbeiten, die mit anderen Windows-Versionen nicht kompatibel ist. Und auch in Privathaushalten gibt es noch Programme oder alte Hardware, die XP voraussetzen.

Trotzdem sollte man mit dem System nicht mehr arbeiten, warnt Joachim Posegga: «Windows XP ist am 8. April zu einer tickenden Zeitbombe geworden», sagt der Professor, der an der Uni Passau die Arbeitsgruppe IT-Security leitet. Denn neu entdeckte Sicherheitslücken werden ohne Support nicht mehr geschlossen. Findet ein Hacker eine Hintertür, sind Nutzer Angriffen schutzlos ausgeliefert. Die Attacken kommen in der Regel übers Internet. Und selbst ohne Verbindung zum Netzwerk kann ein XP-Rechner sich einen Schädling einfangen - etwa per USB-Stick.

Dass neue Schwachstellen in einem Betriebssystem entdeckt werden, ist auch bei 13 Jahre alten Programmen keine Seltenheit. «Die Systeme sind inzwischen so komplex, dass sie nie fehlerfrei sein werden», erklärt Posegga. Ein Beispiel dafür ist eine kritische Schwachstelle im Browser Internet Explorer, die Microsoft gerade erst geschlossen hat - entgegen der ursprünglichen Ankündigung auch bei Windows XP. Posegga hält das aber für eine Ausnahme. «Das dreht den Timer der Zeitbombe nur um eine halbe Stunde zurück», sagt er. «Denn das ist sicher nicht der einzige Fehler, der in XP noch drin ist.»

Das Support-Ende bedeutet allerdings nicht, dass es gar keine Patches für Windows XP mehr gibt. Einige Großkunden, vor allem Firmen und Behörden, haben den Wechsel zu einem aktuelleren System nicht rechtzeitig geschafft und werden deshalb von Microsoft weiter mit Updates versorgt - gegen Geld. Gut möglich, dass diese Patches im Internet landen und dafür eine Art Schwarzmarkt entsteht. Vor allem Computerlaien sollten davon aber die Finger lassen, sagt Posegga: «Der Nutzer weiß da ja nie, was er wirklich bekommt.»

Besser ist daher der Wechsel zu einem neuen Betriebssystem. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten. Jüngstes Mitglied der Windows-Familie ist Windows 8.1. Wer keine Lust auf die umstrittene Kacheloberfläche hat, findet in vielen Onlineshops aber auch noch Exemplare des Vorgängers Windows 7. Das will Microsoft noch mindestens bis 2020 unterstützen, 8.1 sogar bis 2023. Mit dem direkten XP-Nachfolger Vista soll dagegen schon 2017 Schluss sein.

Mit ein wenig Glück laufen Windows 7 und 8.1 sogar noch auf dem alten XP-Rechner. Nach Angaben der Zeitschrift «PC Magazin» klappt das am besten, wenn die Computer schon Prozessoren mit mindestens zwei Rechenkernen an Bord haben, mit weniger wird die Installation zum Glücksspiel. Damit das neue Betriebssystem flüssig läuft, müssen Nutzer aber eventuell den Arbeitsspeicher aufrüsten: 256 oder 512 Megabyte RAM sind für Windows 7 und 8.1 zu wenig.

Eine weitere Alternative, um den alten Rechner eventuell weiter nutzen zu können, ist ein kostenloses Linux-Betriebssystem, etwa die einsteigerfreundliche Distribution Ubuntu. Linux lässt sich oft sogar parallel zu Windows XP installieren - so bleibt das alte System zur Nutzung spezieller Soft- oder Hardware erhalten. Und wer einen neuen Rechner anschafft, kann statt auf Windows natürlich auch auf die kostspieligeren Apple-Geräte mit Mac OS X setzen.

Support-Fristen für Microsoft-Software

news.de/dpa

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