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Von news.de-Redakteurin Juliane Ziegengeist - 09.02.2014, 08.01 Uhr

Rollentausch: 18 Monate als Frau: Aus Christian wird Christiane

Vom harten Macho zur sensiblen Frau: Christian Seidel hat 18 Monate lang als Frau gelebt. Er erfuhr Lob, Ablehnung, fühlte sich mal peinlich berührt und mal stark wie nie. Am Ende entpuppte sich seine Reise in die Weiblichkeit als Gefahr.

Wer hat sich das nicht schon einmal vorgestellt: Einen Tag als das andere Geschlecht verbringen, sich als Mann oder Frau fühlen, im Stehen pinkeln oder sich schminken, mit den Kumpels um die Häuser ziehen oder den Mädels eine Pyjama-Party feiern. Vielen würden 24 Stunden eines solchen Experiments sicherlich ausreichen, um die eigene Neugier zu befriedigen. Nicht so Christian Seidel.

Der Ex-Manager, Filmproduzent und Buchautor hat ganze 18 Monate als Frau gelebt. Mit allem drum und dran: schicken Fummeln, High Heels und blonder Langhaarperücke. Warum? In dem Dokumentarfilm «Christian und Christiane» spricht er von einem Gefühl der Unruhe, dass ihn in seinem scheinbar vollkommenen Leben befiel, der ständigen Suche nach..., ja, nach was eigentlich?

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Aus Protest gegen die eigene Männerrolle

Seine Wandlung zur Frau beginnt mit dem Kauf einer Nylonstrumpfhose. Weil Christian lange Unterhosen hasst, im frischen Frühjahr aber auch nicht krank werden will. Eine banale Entscheidung, die ihn wenig später in ein Geschäft für Männer treibt, die ihre Weiblichkeit ausleben wollen. Es ist die Geburtsstunde von Christiane, Christians weiblichem Alter Ego.

Er legt sich künstliche Brüste zu, trägt Röcke, Kleider, Lippenstift und wagt sich so in die Münchner High Society, in der er sonst als Mann verkehrte. «Ich will eigentlich meinen Ruf zerstören», sagt er etwas hämisch. Denn das Geschlechterexperiment sieht er vor allem als Protestaktion gegen seine persönliche Rolle als Mann und die damit verbundene Ausgrenzung von Weiblichkeit.

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Männliche Freunde wenden sich ab

Was für ihn anfangs noch peinlich ist, wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Die vermeintliche Bewunderung der Anderen - ob geheuchelt oder ernst gemeint - bestärkt Christian in seiner Frauenrolle, die bald keine mehr ist. Mit jedem Tag fühlt sich der Autor weiblicher und entwächst der Männerwelt, die ihm einst so vertraut war.

«In Wahrheit war Christiane eine Karikatur meiner Traumfrau», gibt Christian zu und fügt an: «Ich habe das Gefühl, ich bin angekommen, obwohl ich eigentlich etwas verlassen habe.» Doch nicht jeder kann mit Christians Wandlung so entspannt umgehen wie er selbst. Während er vor allem viele Freundinnen gewonnen hat, mit denen er sich austauscht, wie er es als Mann nie könnte, kehrten zahlreiche männliche Freunde ihm den Rücken.

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