Von news.de-Redakteurin Franziska Obst - 01.02.2014, 09.30 Uhr

«Saufdruck»: Wenn einen der Alkohol nach ganz unten befördert

Alkoholismus ist eine unterschätzte Sucht. Denn viele Menschen trinken, aber nicht jeder wird zum Trinker. Doch die, die es erwischt, stehen oftmals binnen kurzer Zeit vor einem Trümmerhaufen, den sie einmal Leben nannten. Intensivstation, Psychiatrie, Obdachlosigkeit, Suizidgedanken. Einer von ihnen war Henning Hirsch.

Der Prozess vom Gelegenheitstrinker zum regelmäßigen Trinker zum Säufer ist ein schleichender. Die Gründe, warum der Eine zum Alkoholiker wird und dem Anderen dieses Schicksal erspart bleibt, sind vielfältig und dennoch nicht eindeutig geklärt.

Was jedoch klar ist: Viele Faktoren bestimmen diesen Weg. Das eigene Seelenleben, das soziale Umfeld, der Charakter, aber auch die Gene können einen anfälliger für Alkohol und damit leichter zum Alkoholiker machen.

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Wenn der Alkohol das eigene Leben bestimmt

Hat einen die Sucht erst einmal verschluckt, ist es ein wahrer Kraftakt, diesem Teufelskreis wieder zu entkommen. Das gesamte weitere Leben wird von dem Gedanken an Alkohol bestimmt. Ein einziger Tropfen reicht, damit trockene Alkoholiker die Beherrschung verlieren und ihr Trinkverhalten erneut nicht mehr kontrollieren können. Das Leben wird zum Überlebenskampf.

Einer, der es geschafft hat, ist Henning Hirsch. Seine eigenen Erlebnisse verarbeitete der inzwischen trockene Alkoholiker in seinem Buch «Saufdruck». Er selbst hat 30 klinische Entzüge und zwei Langzeittherapien hinter sich.

Lesen Sie exklusiv auf news.de einen Auszug aus «Saufdruck»:

«Alkohol war mir über Jahrzehnte hinweg ein willkommener Vertrauter. Er begleitete mich durchs Studium. Machte mich heiter auf Partys und in Diskotheken. Steigerte meine Libido. Bescherte mir schöne Träume. Flüsterte mir originelle Ideen zu. Die Droge war aus meiner Wirklichkeit nicht mehr wegzudenken.

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Richtig problematisch mit dem Stoff wurde es nach meinem 40. Geburtstag, als ich vollends die Kontrolle über den Konsum verlor. Ich lernte die Welt der Fachkliniken und Therapeuten kennen. Kaum aus der Entgiftung entlassen, wurde ich wenige Wochen später rückfällig. Ein Entzug reihte sich an den nächsten.

Ich konnte nicht weiterarbeiten. Verlor meine Firma. Die Kollegen und Freunde wandten sich von mir ab. Mir war es egal. Für eine Flasche Bier ließ ich jede Verabredung sausen. Nach einem heftigen Besäufnis, als ich mit sechs Promille auf einer Intensivstation aufwachte, fragte mich der Arzt, ob ich allen Ernstes glaubte, dem Tod ein weiteres Mal entrinnen zu können. Für mich war das der Auslöser, um mit dem Trinken aufzuhören. In einer trockenen Phase schrieb ich dieses Buch. Möge jeder Leser selbst entscheiden, welche Schlüsse er daraus zieht.»

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Authentisch und schonungslos

Henning Hirsch schafft es, mit klaren Worten den Abstieg eines erfolgreichen Geschäftsmannes zum obdachlosen Trinker zu veranschaulichen. Er spart auch die brutalen Details wie Entzug und Gosse nicht aus. Der Leser kann sich, Alkoholiker oder nicht, in den Protagonisten Tim Keller hinein versetzen.

Hier können Sie «Saufdruck» direkt bestellen!

Autor: Henning Hirsch
Titel: «Saufdruck»
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Umfang: 320 Seiten
Preis: 14,95 Euro

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loc/news.de

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