Jahrestag der KZ-Befreiung: Auschwitz ist heute ein «Disneyland des Todes»

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee rund 7000 überlebende Häftlinge von Auschwitz-Birkenau. Zum Jahrestag wird der NS-Opfer gedacht. Doch dabei bleibt es leider auch. Publizist Henryk M. Broder behauptet: Das ehemalige KZ ist heute nicht mehr als ein Touristenmagnet.

Fast 70 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz gedenkt der Bundestag an diesem Montag der Opfer des Nationalsozialismus. In Auschwitz-Birkenau findet eine feierliche Zeremonie mit einer großen Delegation aus Israel statt, unter anderem mit Knesset-Abgeordneten.

Publizist Henryk M. Broder schlägt aber inmitten dieser zahlreichen Gedenkveranstaltungen in eine andere Kerbe. Er bezeichnete Auschwitz in einem Artikel als «Disneyland des Todes».

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Gastredner der Gedenkstunde des Bundestages ist der 95-jährige russische Schriftsteller Daniil Granin. Er überlebte die Blockade Leningrads (heute Sankt Petersburg) durch die deutsche Wehrmacht. Sie endete am 27. Januar 1944, ein Jahr vor der Befreiung von Auschwitz. Die Belagerung kostete mehr als eine Million Zivilisten das Leben.

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Tragische KZ-Geschichte, die sich dennoch wiederholt

In Auschwitz werden 61 Knesset-Abgeordnete - mehr als die Hälfte des israelischen Parlaments - zusammen mit Überlebenden gedenken. Im größten deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager wurden im Zweiten Weltkrieg mehr als eine Million Menschen ermordet. Die meisten Opfer waren Juden aus dem von Nazi-Deutschland besetzten Europa.

Doch welche Bedeutung hat Auschwitz mittlerweile? Eine Frage, die auch den «Welt»-Publizisten Henryk M. Broder anlässlich des heutigen Gedenktages beschäftigt hat. Für ihn ist Auschwitz «heute ein Disneyland des Todes». Denn auch wenn die Besucher geschockt sind ob der Vorgänge im ehemaligen Konzentrationslager, fürchten müssen sie sich innerhalb der Mauern nicht. Denn was hier vor sich ging, ist mittlerweile Vergangenheit.

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Kein Unterschied zwischen Vergasen und anderen Massenmorden

Auch wenn Broder die Bemühungen des «Muzeum Auschwitz» zu schätzen weiß, ist er sich sicher: Ein Umdenken in politischen Vorgehensweisen hat es noch nicht gebracht. Denn noch immer werden Menschen massenweise vernichtet und abgemetzelt. Man denke nur an Syrien. Denn seiner Meinung nach hat Auschwitz bisher nur eines erreicht: «...dass die Messlatte extrem hoch gelegt wurde. So hoch, dass alles darunter passieren kann.» So grausam es klingen mag, doch ob Menschen vergast werden oder elendig verhungern oder verdursten müssen, bleibt im Endeffekt das Gleiche.

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fro/jag/news.de/dpa

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