Drogenschmuggel Todesurteil im Palmenparadies

Haft im Ausland
Was Gefangene weltweit erleiden

Kein Pardon vor indonesischen Richtern: 4,8 Kilogramm Kokain fanden Polizisten im Gepäck der Britin Lindsay Sandiford am Flughafen auf Bali. Sie sei mit dem Leben ihrer Kinder erpresst worden, so die Verteidigung - vergebens: Der 56-Jährigen droht jetzt das Erschießungskommando.

Drakonische Strafe: Die 56-jährige Britin Lindsay Sandiford ist auf der indonesischen Ferieninsel Bali zum Tode verurteilt worden. Sie wollte 4,8 Kilogramm Kokain einschmuggeln. Sie sei zum Kurierdienst gezwungen worden, das Leben ihrer Kinder habe auf dem Spiel gestanden, sagte die Mutter von zwei Söhnen vor Gericht. Die Richter kannten kein Pardon: Sie habe ihre Schuld nicht eingeräumt und widersprüchliche Angaben gemacht, sagte Richter Amser Simanjuntak. Viele Anwesende im Gerichtssaal waren schockiert. Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre Haft gefordert.

Die Frau war im vergangenen Mai am Flughafen festgenommen worden. Im Futter ihres Koffers war das Kokain versteckt. Der Schwarzmarktwert lag nach Berichten von Lokalmedien bei umgerechnet knapp zwei Millionen Euro.

Mildernde Umstände «nicht berücksichtigt»

Sandifords Anwalt kündigte Berufung an. «Wir akzeptieren das Urteil nicht, weil mildernde Umstände nicht berücksichtigt worden sind, ihr Alter und ihre Gesundheit etwa», sagte Esra Karo-Karo. Er hatte seine Mandantin als seelisch labil bezeichnet. Sandiford musste das Kokain nach der Festnahme auf Drängen der Polizei an ihre Kontakte ausliefern. So wurden drei weitere Briten festgenommen.

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Harte Strafen für Drogenschmuggel

Ab fünf Gramm Rauschgiftschmuggel gilt in Indonesien die Todesstrafe. Sie wird von Erschießungskommandos vollstreckt. Zwischen 1998 und 2008 sind nach Angaben des Menschenrechtsinstituts Kontras fünf Ausländer wegen Drogendelikten hingerichtet worden: zwei Nigerianer, zwei Inder und ein Thailänder. Seitdem wurde die Todesstrafe nicht mehr vollstreckt.

113 Menschen sitzen in Todeszellen, viele wegen Rauschgiftschmuggels. «Großbritannien ist klar gegen die Todesstrafe, unabhängig von den Umständen», teilte das britische Außenministerium mit. Man stehe der Frau und ihrer Familie mit konsularischer Hilfe zur Seite und mit den indonesischen Behörden in Kontakt. Laut Amnesty International ist Sandiford die zweite Britin, die in den vergangenen sechs Monaten für Drogendelikte zum Tode verurteilt wurde. Dies sei ein «sehr besorgniserregender Trend».

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les/news.de/dpa

Leserkommentare (25) Jetzt Artikel kommentieren
  • Bombadil
  • Kommentar 25
  • 06.05.2013 11:49

Für Drogenhandel Todesstrafe? Wer sowas fordert ist Faschist. Warum Töten, wenn derjenige nicht einmal anderen Leuten schadet. Die Drogen kommen nicht zu den Leuten, die Leute kommen zu den Drogen. Aber am Stammtisch in Oberbayern hat mans halt nicht anders gelernt... seufz

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  • Juergen puppe
  • Kommentar 24
  • 25.01.2013 11:04

Sie werden es nicht glauben,aber ich lebe tatsächlich danach.Ich zweifle auch nicht an meiner Lebensführung die für mich persönlich sehr wichtig ist.Diese Einstellung ist sicherlich nicht auf sehr viele Menschen übertragbar,denn sie setzt eine gewisse Qualität voraus,die nicht-zugegebenermaßen-von jedem Menschen erfüllt werden kann.Auch nicht von Ihnen,denn dieses ersehe ich aus Ihrem Kommentar.Da der heutige Zeitgeist auf Zerstörung der menschlichen Werte ausgerichtet ist,sollte wir nicht aus Furcht vor dem Aufbegehren gegen diese Mißstände mundtod machen lassen und jede Diffamierung ertragen

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  • P. Baum
  • Kommentar 23
  • 25.01.2013 11:01

In einer deutschen Ilustrierten wurde vor längerer Zeit mal das Bild eines 16 jährigen Mädchens gebracht, und wiederum ein Bild des selben Mädchens nach 2 jähriger Drogenabhängigkeit. Das Bild, es ist ewig lange her, habe ich nie vergessen. Denken wir aber nicht nur an dem Mädchen, welches möglicherweise Opfer verbrecherischer Kreise wurde, nein , denken wir auch mal an die geschundenen Eltern, die ihre Tochter über lange, lange Zeit gehegt und behütet, in Liebe aufgezogen haben! Nein, für diese Menschen, die auf so skrupellose Art und Weise Leben zerstören gibt es nur das Eine: Rübe ab!!

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