Nach Amoklauf Bürger von Newtown nehmen Abschied

Die ersten zwei Opfer des Amoklaufes von Newtown, bei dem 20 Grundschulkinder ums Leben kamen, sind beigesetzt worden. Während die Polizei weiter nach dem Motiv des Täters sucht, bleibt die Waffenfrage umstritten.

Massaker an US-Schule: «Unsere Herzen sind gebrochen»

Nach dem Massaker an einer US-Grundschule in Newtown in Connecticut sind die ersten Opfer zu Grabe getragen worden. Zwei sechsjährige Jungen, Jack Pinto und Noah Pozner, wurden am Montag nach US- Medienberichten beerdigt. Trauernde legten vor dem Bestattungsinstitut, in dem die Verwandten von Pozner um den Jungen trauerten, zwei Teddybären, einen Strauß weißer Blumen und eine rote Rose ab.

«Wenn Noah nicht von uns genommen worden wäre, wäre er ein großer Mann geworden», sagte sein Onkel Alexis Haller in seiner Trauerrede, die er der Nachrichtenagentur AP zukommen ließ. In bewegenden Worten beschrieb er einen Jungen, der klug, lustig und mitunter ein bisschen spitzbübisch gewesen sei. «Es ist so unfassbar tragisch, dass keiner von uns Noah zurückbringen kann», sagte Haller. «Aber wir können Noah immer in uns tragen. Wir können uns an die Freuden erinnern, die er uns beschert hat.»

Hunderte Trauergäste folgten den Toten. Kameras waren nicht zugelassen. «Wenn man diese kleinen Särge sieht, bricht es einem das Herz», sagte der Gouverneur von Connecticut, Dan Malloy. Weitere Opfer sollen diese Woche beigesetzt werden. Am Tag zuvor hatten zahlreiche Menschen aus Newtown gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama der Toten gedacht.

Tatmotiv bleibt vorerst unklar

Insgesamt hatte der Amokläufer Adam Lanza 20 Kinder erschossen. Sie sind alle sechs und sieben Jahre alt. Auch sechs Erwachsene starben sowie die Mutter des Täters, der sich nach Angaben der Polizei selbst erschoss. Der Unterricht in Newtown wurde für Montag abgesagt. Am heutigen Dienstag sollten die anderen Schulen im Ort wieder öffnen.

Die Ermittlungen der Behörden gehen nur langsam voran. Nach wie vor liegt das Motiv des 20 Jahre alten Täters zumindest für die Öffentlichkeit völlig im Dunkeln. Polizeioffizier Paul Vance versprach aber am Montag erneut lücklenlose Aufklärung des Verbrechens, das sich bereits am Freitag ereignete.

Das Wall Street Journal berichtete, Lanza habe vor seiner Tat zu Hause einen Computer zerstört. Dies könne die Ermittlungen der Polizei erschweren, hieß es. Experten versuchten, die Dateien auf dem Computer zu retten. Fals dies gelinge, könne man etwa verfolgen, welche Internetseiten Lanza besucht habe. Dies könnte zu wichtigen Erkenntnissen auch über das Verbrechen führen, hieß es.

Öffentliche Blutbäder: Die grauenvollsten Amokläufe

Waffenfrage ist höchst umstritten

Mit einer zügigen Verschärfung des Waffenrechts ist nach dem Amoklauf wohl nicht zu rechnen. Gewalttaten mit Schusswaffen seien ein komplexes Problem, das eine «umfassende Lösung» verlange, hieß es am Montag aus dem Weißen Haus. Eine schärfere Kontrolle der Waffenverkaufs sei nicht die einzige Lösung, um Bluttaten wie diese zu verhindern, sagte Regierungssprecher Jay Carney. Kein einzelnes Gesetz könne das Problem lösen. US-Präsident Barack Obama kündigte an, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Gewalttaten mit Feuerwaffen künftig zu verhindern.

Der demokratische Senator Mark Warner aus Virginia erklärte am Montag, der Amoklauf habe ihn dazu gebracht, seinen Widerstand gegen eine Verschärfung des Waffenrechts zu überdenken. Sein Parteikollege, der Senator von West Virginia, Joe Manchin, sprach sich für eine ehrliche Diskussion über vernünftige Einschränkungen im Waffenrecht aus. Manchin ist ein begeisterter Jäger und Mitglied der Waffenlobby NRA.

Warnsignale früh erkennen

Nach Ansicht des Bielefelder Konfliktforschers Peter Sitzer könnte mancher Amoklauf an Schulen verhindert werden, wenn die Signale rechtzeitig erkannt würden. Die jungen Leute fühlten sich oft gemobbt und machtlos. Irgendwann habe sich so viel Wut aufgestaut, dass die Rache in der Fantasie nicht mehr ausreiche.

Vor einer Tat würden diese Menschen oft Signale aussenden: Sie schreiben Todeslisten oder zeichnen die geplante Tat. In dieser Phase sei die Chance am größten, die Tat zu verhindern, sagte Sitzer der Nachrichtenagentur dpa.

Mehr als zehn Jahre nach dem Massaker an der Columbine High School 1999 in Littleton (US-Bundesstaat Colorado) beziehen sich immer noch Amokläufer auf die Tat. Die jungen Schützen hätten damals zum Aufstand der Ausgestoßenen aufgerufen, sagte Sitzer. Rund 20 Täter hätten sich seitdem mit diesem Aufruf identifiziert.

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zij/news.de/dpa/dapd

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