Nachwuchs Warum bekommen wir weniger Kinder?

Kita oder Betreuungsgeld
Wie Politiker ihre Kinder versorgen
Hier besucht SPD-Chef Sigmar Gabriel eine Kita in Ludwigshafen. (Foto) Zur Fotostrecke

Eine neue Studie verdeutlicht, wie unattraktiv es in Deutschland immer noch ist, Kinder zu kriegen. Der Kinderschutzbund sieht das Problem vor allem in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das muss sich ändern, meinen auch Politiker.

Angesichts neuer alarmierender Daten zur Geburtenflaute in Deutschland kritisiert der Kinderschutzbund scharf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. «Wir haben große Defizite bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und es fehlt leider auch das Bewusstsein und die feste Überzeugung, dass Kinder wirkliches Glück ins Haus bringen», sagte Präsident Heinz Hilgers der Passauer Neuen Presse.

«Junge, intelligente Frauen entscheiden sich nicht wegen des Elterngeldes oder 150 Euro Betreuungsgeld für Kinder.» Eltern wollten keine «Massen-Kindertagesstätten, sondern qualitativ hochwertige Angebote», dies gelte gerade für die Höherqualifizierten.

Einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zufolge ist Kinderkriegen in Deutschland noch immer unattraktiv. Den Hauptgrund sieht die Studie im Konflikt von Beruf und Familie. Hinzu komme die fehlende gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter, gepaart mit gestiegenen Anforderungen und Erwartungen.

Nachholbedarf bei der Betreuungsinfrastruktur

Die CSU-Familienexpertin Dorothee Bär sagte, in Deutschland seien Kinder häufig ein lange geplantes Megaprojekt, während sie zum Beispiel in Frankreich ganz selbstverständlich zum Leben dazugehörten. «Sie werden nicht minutiös zu einer bestimmten Lebensphase geplant, sondern sind zu jeder Zeit willkommen», sagte die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Dass Paare sich gegen Kinder entscheiden, weil sie den Erwartungsdruck der Gesellschaft fürchten, nannte Bär «eine ungute Entwicklung». «Was jungen Paaren und Eltern Mut macht, sind Vorbilder aus allen Bereichen, die ihnen die Lust aufs Kind vorleben», sagte sie.

Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt nannte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie «eines der zentralen Anliegen der deutschen Arbeitgeber». Nachholbedarf habe vor allem die Politik, sagte Hundt den Dortmunder Ruhr Nachrichten. «Um Erziehenden dabei zu helfen, Familie und Beruf erfolgreich miteinander zu vereinbaren, muss der bedarfsgerechte Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur höchste Priorität erhalten.» Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, könne allerdings nur gelingen, wenn alle gesellschaftlichen Akteure zusammenwirkten.

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zij/news.de/dpa

Leserkommentare (10) Jetzt Artikel kommentieren
  • hector
  • Kommentar 10
  • 27.12.2012 13:34

Der Gewinner aus dieser Entwicklung wird der Islam sein. Der Islam findet weltweit immer mehr Anhänger, weil nur dieser der westlichen Globalisierung, dem Lug und Betrug, die Stirn bietet. Am schlechtesten ist der Hinduismus. Er bietet seinen Leuten keinen Schutz vor Ausbeutung und Sklaverei. In Indien findet der Islam Zulauf, weil die Menschen merken, dass dieser ihnen mehr Schutz bietet. Und das Christentum hat seine ursprüngliche Kraft der frühen Christenheit längst verloren. Die Christen sollten sich mehr auf die grundlegenden Gemeinsamkeiten mit dem Islam besinnen.

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  • hector
  • Kommentar 9
  • 27.12.2012 13:04

Die Gründe sind vielfältig: Frauen drängten zunehmend in Erwerbsberufe. Die frühere klassische Rollenverteilung gibt es nicht mehr, deshalb zunehmende Konkurrenz im Beruf zwischen Frau und Mann. Konzerne verlagerten Produktion immer mehr in Billiglohnländer, dadurch entsteht immer mehr Angst. Dem Globalisierungswahn wird durch unsere Politik kein Einhalt geboten. Darunter leiden auch verantwortungsbewusste Unternehmer. Die Geburtenraten in den 50er und 60er Jahren waren viel zu hoch, insofern ist ein Rückgang auch natürlich. Letztlich muss man es nehmen, wie es kommt. Übrigens: Schon bald werden auch die Chinesen mit demografischen Entwicklung zu kämpfen haben.

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  • hector
  • Kommentar 8
  • 27.12.2012 13:02

Es hängt mit der zunehmenden Angst der Menschen zusammen. Ich selbst bin aus der Babyboomgeneration. Von dieser Zeit an waren die Geburten kontinuierlich rückläufig. Das hat Gründe. Im Laufe der Jahrzehnte ist den Menschen die wirtschaftliche Sicherheit weggebrochen. Ich habe es früh miterlebt. Wenn die Menschen Sicherheit im Beruf und Leben verspüren, dann sind sie auch für Familie und Kinder bereit. Die demographische Entwicklung hat nichts mit Unfruchtbarkeit zu tun. Wenn die Menschen merken, dass wesentliche Teile der Wirtschaft und damit ihrer Existenzgrundlage bedroht sind, dann gibt es auch weniger Nachwuchs, eine natürliche Reaktion.

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