Hellseher und Polizei Die Verbrecher, die ich rief

Kriminelle Polizisten
Verbrecher in Uniform
Straffreiheit gegen Sex: Im nordrhein-westfälischen Bocholt wollte ein Oberkommissar gegen Sex Strafakten verschwinden lassen. (Foto) Zur Fotostrecke

Jan GrundmannVon news.de-Redakteur
Die Morde der rechten Terrorgruppe NSU blieben lange unaufgeklärt. Bei den Ermittlungen holten sich Kölner und Hamburger Polizisten esoterische Hilfe: Hellseher sollten den Kölner Bombenanschlag und den Tod eines türkischen Geschäftsmanns aufklären. Diese Fälle von Kriminaltelepathie sind kein Einzelfall.

Die Rechtsterroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zogen über Jahre hinweg eine Blutspur durch ganz Deutschland. Doch ein rassistisches Motiv oder einen Zusammenhang zwischen den Morden an neun Kleinunternehmern mit türkischem oder griechischem Hintergrund haben die Ermittler nicht gesehen. Diverse Ermittlungspannen sind in den vergangenen Monaten öffentlich geworden, vier Verfassungsschutz-Chefs traten inzwischen zurück.

Die Pannenserie geht noch weiter: Polizisten aus Köln und Hamburg nahmen die vermeintliche Hilfe von Hellsehern an, die Aufklärung über NSU-Verbrechen versprachen.

Hauptkommissar Markus Weber war Leiter der Ermittlungskommission zum Nagelbombenanschlag im Jahr 2004 in der Kölner Keupstraße, der ebenfalls auf das Konto der NSU gehen soll. In der überwiegend von Migranten bewohnten Straße waren 22 Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Die Nachforschungen von Hauptkommissar Weber endeten in Sackgassen, verhaftete Deutschtürken mussten wieder freigelassen werden.

NSU-Hellseher: Südländer als Täter, Drogen als Motiv

Herr Kommissar nahm deshalb die esoterische Hilfe an, die sich bei der Mordkommission gemeldet hatte. Laut Bericht des linken Magazins apabiz fuhren zwei Ermittler zu einer Hellseherin nach München, die eine Tonbandstimmenforschung empfahl. Dabei wird eine Frage auf ein Tonband aufgesprochen, das Band läuft anschließend noch einige Sekunden weiter. Dann spult man zurück und hört sich das Rauschen nach der Frage an. Dieses Rauschen wird so oft abgespult, bis – vielleicht auch nur entnervt – der Hörer eine Antwort aus der rauschenden Stille destillieren kann. Bei der NSU-Aufklärung brachte die Methode allerdings nichts. Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages musste Kommissar Weber eingestehen, dass die mitgereisten Ermittler keine Stimmen hören konnten.

NSU
Die Geschichte einer beispiellosen Terrorserie
Terror von rechts (Foto) Zur Fotostrecke

Seine Kollegen aus Hamburg gingen beim Mordfall von Süleyman T., der nun der NSU zur Last gelegt wird, noch ein Stück weiter. Sie ließen laut Spiegel Online im Jahr 2008 eigens einen Geisterbeschwörer aus dem Iran einfliegen, der den Beamten seine Hilfe angeboten hatte. In Hamburg angekommen, nahm der Beschwörer direkten Kontakt zu dem Toten auf und teilte den Beamten anschließend das Täterprofil mit: Südländer mit braunen Augen und schwarzen Haaren. Zudem habe der Mord irgendwas mit Drogen, Rockern und Motorrädern zu tun. So eine Vermutung hatten die Beamten seinerzeit auch schon gehabt, auch wenn sich die Motivlage nach dem Auffliegen der Zwickauer Terrorzelle doch erheblich änderte.

Polizei engagiert Hellseher bei RAF-Entführung

Dokumentiert ist ebenfalls, dass die Polizei 1972 bei der Suche nach dem von der RAF entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer einen niederländischen Hellseher aufsuchte. Das Bundeskriminalamt nahm die Hilfe von Gerard Croiset an, einem sogenannten «Paragnosten». Keine zwei Minuten, so Croiset später im Interview, habe er benötigt, um eine Vision zu bekommen: Angeblich sah er den damaligen Aufenthaltsort Schleyers in einer Hochhaus-Wohnung.

Kriminaltelepathie heißt dieses Grenzfeld zwischen Esoterik und Ermittlungsarbeit. Es ist übrigens kein neues Phänomen, dass Hellseher und Geisterbeschwörer in Polizeiarbeit einbezogen werden. Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte es einen regelrechten Boom. Ab 1921 existierte ein «Institut für kriminaltelepathische Forschung», ein Leipziger Polizeirat holte einen Hellseher in die Reihen, um so Verbrechern auf die Schliche zu kommen. Später hatten die Verantwortlichen offenbar Angst, die Polizeiarbeit könnte zum Hokpuspokus verkommen - und verboten die telepathische Kontaktaufnahme mit Kriminellen und ihren Opfern. Schließlich sollen sich die Ermittler auf Fakten konzentrieren und gerichtlich verwertbare Beweise suchen.

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Er ist lebendes Symbol der Eskalation zwischen Stuttgart 21-Gegnern und der Polizei: Dietrich Wagner wird lebenslang auf einem Auge blind bleiben – durch den scharfen Strahl eines Wasserwerfers. (Foto) Zur Fotostrecke

Hellseher melden sich bei der Polizei

Dass es trotzdem immer noch Kontakte zwischen Ermittlern und Hellsehern gibt, haben immerhin ein Viertel aller deutschen Landeskriminalämter eingeräumt. Dies ist das Ergebnis einer Studie zweier Mitarbeiter des umstrittenen Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg.

Die Hellseher treten dabei an die Polizei heran und bieten ihre Mithilfe an, um Vermisste zu finden oder Verbrecher aufzuspüren. Je bekannter der Fall, desto mehr Hellseher und Medien laufen in den Dienststellen auf. Eine holländische Untersuchung über vermisste Personen kam gar zum Ergebnis, dass in jedem siebten Fall ein Hellseher mit einbezogen wurde – oft genug, weil die Ermittlungen in einer Sackgasse geraten waren oder die Angehörigen darum gebeten hatten. Gebracht hat es allerdings wenig, wie wiederum US-Studien zum Phänomen der «Psychic Detectives» zeigen: Zwar gaben die Hellseher eine wahre Fülle von Hinweise, trugen allerdings nichts zur Lösung der Fälle bei.

Herr Hauptkommissar Weber vom Nagelbombenanschlag will trotzdem an seinen Ermittlungsmethoden festhalten. Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages sagte er, dass er in einem neuen Fall wieder einen Hellseher hinzuziehen würde. Man müsse schließlich «alle Möglichkeiten ausschöpfen».

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iwi/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • heinrichIV
  • Kommentar 2
  • 15.10.2012 16:51

Ohne die vielen kriminellen Imigranten im Land, die von unsren Politversagern jahrelang geradezu eingeladen wurden als immerwährende Kostgänger des Staate3s, bräuchte man weder Hellseher noch Verfassungsschutz. Denn rechte Gewalt gäbs dann nicht. Übrigens, bisher wurden ca. 7.400 Deutsche von Imigranten getötet ! Wer bitte fragt mal nach denen?!

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  • Andreas Schulze
  • Kommentar 1
  • 14.10.2012 14:06

Was ist aus Deutschland geworden ? Hellseher bei der Mordaufklaerung und in Hamburg sogar Geisterbeschwoerer aus dem Iran, um Verbrechen aufzuklaeren . Die zustaendigen Hamburger sind nicht ganz sauber, wie ich schon bei anderen misterioesen Faellen feststellen musste. Hamburg muss einfach aus Prinzip immer einen extra kranken Weg einschlagen, um moderne Probleme anzugehen. So wie vor einigen Jahren, als im Hamburger Strafvollzug ein weibliches Wachpersonal mehrfach von einem Strafgefangenen vergewaltigt wurde. Erst durch Einsatz der Medien wurde eingeschritten! Hamburg immer schraeger !

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