Schwule und Lesben «Kreuz.net» wegen Volksverhetzung angezeigt

Homophobie
Schwulenhass auf der ganzen Welt
Toleranz für Homosexuelle? Auch in Deutschland ist sie nach Ansicht des Lesben- und Schwulenverbands Deutschlands nicht so ausgeprägt, wie viele meinen. (Foto) Zur Fotostrecke

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Seit Jahren ertragen Schwule und Lesben die widerlichen Diffamierungen des Webportals kreuz.net. Doch die Attacke gegen den verstorbenen Dirk Bach brachte das Fass zum Überlaufen. Der Homosexuellenverband erstattet Anzeige wegen Volksverhetzung gegen die feigen anonymen Betreiber.

Homosexuelle sind für sie «Kotstecher», «Homo-Gestörte» und «Gomorrhisten». Man leugnet den Holocaust, Der Spiegel wird als «antikirchliches Schmiermagazin» tituliert, eine Süddeutsche-Journalistin ein «braunes Fräulein» genannt und männliche Erzieher als «Satanismus» dargestellt. Die Internetseite kreuz.net zeichnet sich seit Jahren durch eine perfide, menschenverachtende Pseudo-Berichterstattung aus, die jedem normal empfindenen Menschen die Zornes- und Schamesröte ins Gesicht treibt.

Glücklicherweise nimmt kaum jemand Notiz von dem Online-Schmuddelblatt, dass sich als «katholische Nachrichten» bezeichnet, und das ist auch der Grund, warum die Lesben- und Schwulen-Vereinigung (LSVD) normalerweise davon absieht, Anzeige gegen die oft auch namentliche Dauer-Diffamierung zu erstatten. «Es ist nicht in unserem Interesse, ihnen zusätzliche Aufmerksamkeit zu bescheren», sagt LSVD-Sprecherin Renate Rampf.

Doch seit dem 2. Oktober ist die Aufmerksamkeit, die kreuz.net erfährt, plötzlich riesengroß. In drei Tagen, rühmen sich die Verfasser der Seite, habe ein Artikel eine Million Klicks erreicht. Dieser Artikel trägt den Titel «Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle» und es geht um den verstorbenen Entertainer Dirk Bach. Landesweite Abscheu war die Reaktion, «man sieht, dass sie vor nichts zurückscheuen, und nicht einmal im christlichen Sinne die Toten ruhen lassen», sagt Rampf.

Katholische Kirche distanziert sich

Der LSVD hat deshalb heute Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen Unbekannt bei der Berliner Staatsanwaltschaft eingereicht. Unbekannt deshalb, weil die Macher von kreuz.net sich in der Anonymität verstecken. Es gibt Vermutungen, dass die Pius-Brüderschaft dahinter stecken könnte, doch nichts Genaues ist bekannt. Laut Impressum wird die Seite von einer «privaten Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee» mit einer Anschrift in den USA betrieben. Doch die Themen beweisen laut Renate Rampf, dass da Leute schreiben, die verdächtig genau mit den Ereignissen in Deutschland vertraut sind.

Die katholische Kirche distanziert sich deutlich von kreuz.net: «Diese Seite hat nichts mit der katholischen Kirche zu tun, der Begriff des Katholischen wird hier aufs Gröbste missbraucht», sagt Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Bereits vor längerer Zeit habe die Bischofskonferenz juristische Schritte gegen kreuz.net unternommen, auch er wünscht sich, dass den Machern das Handwerk gelegt wird.

Verfassungsschutz zieht sich bisher aus der Affäre

Der LSVD hofft jetzt, dass die Staatsanwaltschaft durch den Druck der öffentlichen Aufmerksamkeit ihre Ermittlungen mit größerer Intensität führt als bisher. Denn dass kreuz.net sich nicht auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt, ist auch dem Verfassungsschutz aufgefallen. Im März antwortete der damalige Präsident Heinz Fromm auf eine Anfrage der Grünen, es gebe «Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung». Doch da die Seite auf den Bahamas registriert sei und die Server vermutlich in Kanada stünden, habe man keine Handhabe.

Der LSVD sieht das anders. «Man merkt, dass da Menschen schreiben, die in Deutschland leben», sagt Renate Rampf. In der Strafanzeige formuliert der Verbandsjurist Manfred Bruns es so: «In der Bevölkerung besteht der Eindruck, dass die staatlichen Behörden die demokratiefeindlichen Umtriebe rechtsradikaler Verfassungsfeinde bisher nicht mit dem erforderlichen Nachdruck verfolgt haben. Dieser Eindruck würde sich bei uns verfestigen, wenn unsere Strafanzeige einfach damit abgetan würde, dass die Webseite vom Ausland her betrieben wird.»

Vielleicht ist der miese Artikel gegen Dirk Bach ja letztlich dafür gut, der kreuz.net-Bande das Handwerk zu legen.

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zij/news.de

Leserkommentare (9) Jetzt Artikel kommentieren
  • SarahoA
  • Kommentar 9
  • 21.10.2012 09:32

Ist in Ordnung Julia, mir ekelt auch davor, Dich in meinem Land zu wissen Dir steht sicher auch etwas Mitleid neben dem Ekel zu, aber diese Toleranz gegenüber Pathologischen endet dort, wo diese gegen gesunde Abstossungsreaktionen zu Felde ziehen. Abflug. Und heuchel hier nix von Toleranz, es sind die Homo-Stalinisten, die hier Kritiker zu Ketzern und Parias erklären, Bürgerrechte beschneiden wollen, Kopfgelder aussetzen.. Als nächstes kommt wohl der Baukran?

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  • eso-policier
  • Kommentar 8
  • 10.10.2012 21:57
Antwort auf Kommentar 4

Meiner Meinung nach ist Homosexualität eine Krankheit. Diese Äußerung ist aber nicht diskriminierend. In unserem Land werden Kranke glücklicherweise nicht wie Böse behandelt (wie es im Nazismus oft der Fall war). Man muss ohne Gewalt versuchen, diese Krankheit zurückzudrängen. Das heißt, es darf z. B. kein Adoptionsrecht für Homosexuelle geben. Und keine Werbung für Homosexualität (siehe CSD).

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  • Karlheinz Voigt
  • Kommentar 7
  • 10.10.2012 16:10
Antwort auf Kommentar 4

Hallo Julia,um mit Deinen Worten zu antworten..jeder,der eine andere Meinung (und mag sie noch so blöd sein) nicht zulässt,gehört aus diesem Land getreten.Denk mal nach

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