Mordprozess Der Stückelmörder ist ein «kleiner Junge»

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Der Mann, der als Todesschütze von Dachau bekannt geworden ist, erschoss am 11. Januar einen jungen Staatsanwalt im Gerichtssaal. (Foto) Zur Fotostrecke

Isabelle WiedemeierVon news.de-Redakteurin , Leipzig
Grausamer ist unvorstellbar: Benjamin H. soll sein Opfer vergewaltigt, entmannt, erstochen und zerstückelt haben. Der Angeklagte steht im Mordprozess vor dem Leipziger Landgericht. Ein schmaler Junge im weißen Hemd - der menschliche Abgrund bleibt verborgen.

Wie sieht er aus, dieser menschliche Abgrund? 25 Minuten lang richten sich die Kameras vergeblich auf die Tür in der Seitenwand von Saal 14 im Leipziger Landgericht. Benjamin H. soll da rauskommen, der fast 24-Jährige, der angeklagt ist, seinen Bekannten Jonathan H. vergewaltigt, getötet und zerstückelt zu haben. Stückel-Killer nennt ihn die Bild-Zeitung deshalb.

Den Grund für die Verspätung erfahren die Zuschauer nicht. Ein zusammengezogener Junge im feinen weißen Hemd wird schließlich hereingeschoben, schmächtig wirkt er zwischen den Gerichtsdienern, dann prasselt das Blitzlichtgewitter auf seinen Rücken, während ihm die Handschellen abgenommen werden.

«Die Grausamkeit der Tat - es ist nicht zu fassen, dass ein Mensch das gemacht hat, dass ein Mensch zu so etwas fähig ist», sagte Anne Prestrich, die Anwältin der Nebenklage, vor Prozessbeginn. Sie vertritt Jonathan H.s Mutter, die selbst nicht anwesend ist und auch an den weiteren 13 Prozesstagen nicht kommen wird, wie Prestrich sagt.

«Es kam ihm darauf an, einen Menschen sterben zu sehen»

Als die Kameras den Saal verlassen, nimmt Benjamin H. die Baseballkappe und die schwarze Sonnenbrille ab. Jetzt ist die fliehende Stirn zu sehen, die große Nase, das kurze rote Haar. Er sieht gepflegt aus. Geburtsdatum, Geburtsort, Beruf und die letzte Anschrift fordert der Richter ein. Das wird das einzige sein, was der Angeklagte heute sagt, der seit April auf eigenen Wunsch in einer Einzelzelle sitzt. Wir erwartet verweigert er die Aussage.

Eigentlich habe Benjamin H. einen fremden Homosexuellen für seine Tat finden wollen, verliest Oberstaatsanwältin Claudia Laube aus der Anklageschrift. Doch weil er wohl nicht in der Lage gewesen sei, jemanden für sich zu gewinnen, habe er auf einen Bekannten zurückgreifen müssen. Jonathan H. teilte mit ihm die Leidenschaft für Mangas, man kannte sich aus der Leipziger Szene. Ein Paar aber waren sie aber nicht, wie Anwältin Anne Prestrich betont.

Dann kommen die grausigen Details. Zuerst Schläge gegen Rumpf und Arme, dann soll Benjamin Jonathan die Handgelenke gefesselt haben, um ihn zu vergewaltigen. Anschließend habe er seinem Opfer die Genitalien abgeschnitten und es dann mit 20 Messerstichen in den Rücken ermordet. «Es kam ihm darauf an, einen Menschen sterben zu sehen», sagt Claudia Laube.

In der Badewanne soll der Angeklagte dann die blutige Leiche entkleidet und zersägt haben, bevor er die Teile in Müllsäcke verpackte und im Leipziger Elsterflutbecken versenkte. Wo am 6. November ein Pilzesammler das erste Teil fand: einen Arm. Der Kopf ist das einzige Körperteil, das bisher nicht gefunden wurde.

«Ein schüchterner kleiner Junge»

Wichtigstes Indiz im Mordprozess gegen Benjamin H. ist vermutlich eine Tonbandaufnahme, denn ein vollständiges Gestängnis hat der Angeklagte nicht abgelegt. In der Aufnahme ist jedoch seine Stimme zu identifizieren, laut Informationen der Bild-Zeitung sprach H. den Plan seiner Tat minutiös auf Band.

Nicht nur Benjamin H., auch sein Anwalt Jens Mader hält sich bedeckt und steht nicht für Fragen bereit. Die Anwältin der Nebenklage, Anne Prestrich, hat den Angeklagten heute zum ersten Mal gesehen . «Kleiner, schüchterner Junge», lautet ihr Eindruck. «Der erste Eindruck ist, er kann nicht schuldfähig sein. Aber ob das so ist, müssen die Sachverständigen beurteilen», sagt sie.

Am 12. Oktober wird der Angeklagte 24 Jahre alt. Laut Bild-Zeitung sollte der Mord vor genau einem Jahr ein Geschenk sein, dass er sich selbst zu seinem 23. Geburtstag machen wollte. Prestrich rechnet nicht damit, dass H. reden wird im Prozess. Der menschliche Abgrund bleibt verschlossen.

Insgesamt sind 50 Zeugen und 6 Sachverständige geladen, um Licht in den grausamen Mord zu bringen. Am 15. Oktober wird der Prozess fortgesetzt, das Urteil wird am 14. Dezember erwartet.

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jag/news.de

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