Felix Baumgartner So gefährlich ist sein Rekord-Sprung

Der Österreicher Felix Baumgartner will am Dienstag aus 37 Kilometern Höhe zur Erde springen. Der freie Fall vom Rand des Weltalls birgt zahlreiche Gefahren, ob kochendes Blut oder platzende Arterien. News.de klärt über die Risiken des Rekord-Sprungs auf.

Weltrekorde: Die Besten der Welt

Sein Blut könnte kochen. Die Arterien in seinem Gehirn könnten platzen. Seine Augen könnten bluten. Es könnte ein schlimmes Ende nehmen, wenn er springt - aus der irrsinnigen Höhe von 37 Kilometern. Und doch will der Österreicher Felix Baumgartner am Dienstag unbedingt den Rekord aufstellen und als erster im freien Fall die Schallmauer durchbrechen. Die Aussicht auf einen grausigen Tod hat ihn noch nie geschreckt: «Fearless Felix», der furchtlose Felix, ist Fallschirmspringer aus Leidenschaft und Profi.

Dienstagfrüh wird er über der Wüste des US-Staates New Mexico bis in die Stratosphäre aufsteigen und den schnellsten freien Fall aus der größten Höhe wagen, den es je gab. Eigentlich war der Sprung für Montag geplant, doch wegen starken Windes und einer Kaltfront kann Baumgartner frühestens am Dienstag starten.

Sein Ziel ist es, als erster Fallschirmspringer schneller zu sein als der Schall. «Es gibt unheimlich viele Unbekannte, aber wir haben die Mittel, um zu überleben», sagt Baumgartner überzeugt.

Druckanzug ist einziger Schutz: 1110 Kilometer pro Stunde

65 Jahre, nachdem Jack Yeager als erster Mensch der Welt in einem experimentellen Raketenflugzeug die Schallmauer durchbrochen hat, sucht Baumgartner die Herausforderung. Der 43-jährige ehemalige Fallschirmjäger hofft, dass er Mach 1, also 1110 Kilometer pro Stunde, erreichen wird, wenn er aus der Spezialkapsel springt, die ein Ballon über der Wüste bis in die Stratosphäre tragen soll. Zu seinem Schutz hat der «furchtlose Felix» nicht mehr als einen Druckanzug und einen Helm zur Verfügung.

Felix Baumgartner: Aus 38 Kilometern in die Tiefe
Video: zoomin

Ärzte, Ingenieure und weitere Helfer aus Baumgartners Team, das vom Hersteller des Energy-Drinks Red Bull gesponsert wird, haben die Risiken fünf Jahre lang analysiert. Heute glauben sie, alles getan zu haben, um Baumgartner lebendig auf den Erdboden zurückzubringen. Er hat seinen Anzug und die Kapsel bereits bei Probesprüngen aus 24 und 29 Kilometern Höhe getestet.

Der Ballon wird Baumgartner am Dienstag mehr als drei Mal so hoch bringen wie ein Passagierjet in der Regel fliegt. Um ihn herum wird beinahe ein Vakuum herrschen, es gibt so gut wie keinen Sauerstoff, der Luftdruck beträgt weniger als ein Prozent im Vergleich zur Erdoberfläche. Wenn alles gut geht, erreicht er nach einer halben Minute in einer Höhe von 30.480 Metern Schallgeschwindigkeit. Er fällt dann in einer Sekunde 308 Meter, danach wird er in der zunehmend dichteren Erdatmosphäre langsamer werden. Nach fünf Minuten freiem Fall wird er die Reißleine seines Fallschirms ziehen, und zehn bis 15 Minuten später landen. So lautet der Plan.

Größte Gefahr ist ein Riss im Schutzanzug

Der gesamte Sprung wird mit zahlreichen Kameras live übertragen und ist im Internet zu sehen. Das bedeutet aber auch, das unzählige Zuschauer weltweit Zeugen eines grauenhaften Unfalls werden könnten. Doch Baumgartner besteht auf die Live-Übertragung. «Wir wollen das mit der ganzen Welt teilen», erklärt er. «Das ist wie bei der Mondlandung. Warum war die live?»

Skurrile Meldungen: So verrückt ist die Welt

Sein Expertenteam wird in den frühen Morgenstunden in einem Kontrollzentrum, das an das der Nasa erinnert, zum Start des Heliumballons zusammenkommen. «Alle Dinge, die passieren können, sind schlecht - nur in unterschiedlichem Maße», sagt der leitende medizinische Berater Jonathan Clark, ehemals Arzt bei der Nasa. Die größte Sorge bereitet dem Team ein möglicher Riss in Baumgartners Schutzanzug.

Wenn diese Hülle verletzt wird, etwa durch einen Stoß gegen die Kapsel beim Absprung oder durch Überschall-Schockwellen, können sich potenziell tödliche Blasen in Baumgartners Körperflüssigkeiten bilden - sogenanntes kochendes Blut. Ein sowjetischer Offizier starb daran 1962 nach einem Sprung aus rund 26 Kilometern Höhe. Das Visier seines Helmes hatte einen Riss bekommen, weil er beim Absprung gegen die Gondel gestoßen war.

Erblindung, Blutgerinnsel, Ohnmacht

Während des Falls sinkt die Temperatur auf bis zu minus 56 Grad Celsius, und nur der Anzug schützt Baumgartners Körper vor der extremen Kälte. Dann besteht die Gefahr des Trudelns, wobei Baumgartner die Kontrolle über seine Flugbewegungen während des freien Falls verlieren würde und zu rotieren begänne. Sollte die Rotation länger anhalten, drohen schwere Blutungen: Seine Augäpfel würden zu blutgetränkten, rötlich-lilafarbenen Kugeln werden und er könnte kurzzeitig erblinden. In seinem Gehirn könnte sich zudem ein großes Blutgerinnsel bilden.

Um ein etwaiges Trudeln zu stoppen, öffnet sich automatisch ein kleiner Stabilisierungsfallschirm, falls Baumgartner ohnmächtig wird oder die Kontrolle verliert. Außerdem hat er einen Notfallschirm, der sich öffnet, wenn er die Reißleine nicht selbst zieht. Auch das Genick könnte er sich brechen. «Nachdem wir alles analysiert haben, gehe ich fest davon aus, dass er die Sache erfolgreich durchsteht», meint Clark. «Aber eins ist klar: Es bleiben Unwägbarkeiten.»

Der «furchtlose Felix» ist sich sicher, dass er es schafft. Er würde es nicht wagen, wenn die Chancen nicht gut stünden. «Ich glaube, die Fähigkeiten eines Fallschirmspringers werden da unterschätzt», sagt er. Baumgartner hat 2500 erfolgreiche Sprünge absolviert, aus Flugzeugen und Hubschraubern, von Felsvorsprüngen und Hochhäusern - und dabei hat er sich nie ernstlich verletzt.

Nach dem Weltrekord will Baumgartner mit seiner Freundin sesshaft werden und in den USA oder Österreich Hubschrauber fliegen. Der Extremsportler verspricht: «Nach diesem Ding werde ich in den Ruhestand gehen, weil ich all diese Sachen in den vergangenen 25 Jahren erfolgreich geschafft habe und immer noch am Leben bin.»

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jag/zij/news.de/dapd

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Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • Hugo
  • Kommentar 7
  • 10.10.2012 22:37

Hier wird er in diesem Video wieder als Held dargestellt, dabei leidet er meiner Meinung nach an einer psychischen Erkrankung oder zumindest an einer massiven Persönlichkeitsstörung. Menschen mit solchen Vorhaben werden anderswo zwangseingewiesen, aber Felix Baumgartner wird als Märtyrer gefeiert, der sich vor der ganzen Welt selber umbringt. Mal ganz nebenbei frisst dieses Projekt so viel Geld - man darf sich gar nicht ausmalen was es als Spende alles hätte bewirken können. Echt traurig sowas.

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  • Alyeska
  • Kommentar 6
  • 09.10.2012 09:44
Antwort auf Kommentar 5

Populanten von Domizilen mit transparent fragiler Aussenstruktur sollten sich von der Umfunktionierung diverser gegen Verformung resitenter Gegenstände in Wurfprojektile distanzieren.

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  • koro21
  • Kommentar 5
  • 08.10.2012 11:23
Antwort auf Kommentar 4

kannste nicht mal deutsch schreiben???? sag nur PISA - entsetzlich , was man sich mit antun mauss..Kein Wunder ,wenn wir immer mehr verblöden ...

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