Bier-Geschichte Wie ein Bayer das Pilsner erfand

Biere nach Pilsner Brauart sind weltweit beliebt. Dass die untergärige Brauweise mit der besonderen Hopfennote aus Tschechien stammt, ist bekannt. Den ersten Brautopf in Pilsen setzte allerdings der Niederbayer Josef Groll an - heute vor 170 Jahren.

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Josef Groll erlebt seine Sternstunde am 5. Oktober 1842. An diesem Tag heizt der Braumeister aus Vilshofen in Niederbayern zum ersten Mal die Sudpfanne im neu errichteten Bürgerbrauhaus im böhmischen Pilsen an. Dass der damals 31 Jahre alte Groll just in diesem Moment die Erfindung seines Lebens macht, ahnt noch niemand.

Gut einen Monat später wird Grolls Kreation erstmals in einigen Pilsner Gaststätten ausgeschenkt. Das untergärige Bier besticht durch seine Frische und die schöne Schaumkrone. Hell geröstete Maische verleiht dem Getränk eine goldgelbe Farbe, edler Saazer-Hopfen eine charakteristische bittere Note. Den Bürgern schmeckts.

Das Vermächtnis des innovativen Braumeisters aus Vilshofen wirkt in der Braukultur bis heute nach. «Groll hat bei seiner Brauweise den Hopfen als Aromastoff in den Vordergrund gerückt», erläutert der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, Lothar Ebbertz. Dies sei seine «historische Leistung» gewesen.

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Im Brauereimuseum steht noch die erste Sudpfanne

170 Jahre sind seit der Erfindung des Pilsners vergangen. Im Museum auf dem riesigen Brauerei-Gelände von «Pilsner Urquell» steht der Sudkessel, in dem Groll sein erstes Bier ansetzte. Der kupferne Bottich wird verehrt wie eine Reliquie. Hier hängt auch ein Porträt des legendären Braumeisters. Dem Vater des Pilsner Bieres wurde diese Anerkennung allerdings erst spät zu Teil. Lange blieb unbekannt, dass der Schöpfer der «Pilsner Brauart» ausgerechnet aus dem benachbarten Bayern stammt.

Aber schon zu Lebzeiten Grolls werden der Braumeister und die Pilsner Bürger wohl nicht recht warm miteinander. Grolls Zeit in Böhmen geht nämlich bereits nach drei Jahren zu Ende. Der Braumeister gilt als schwieriger Charakter. Vielleicht auch deswegen wird sein Vertrag nicht verlängert. Als das Pilsner Bier seinen weltweiten Siegeszug antritt, ist Groll längst wieder zuhause in Niederbayern.

Groll wird 1813 als Sohn eines Brauerei-Besitzers in Vilshofen geboren. «Mit seinem Vater hat er sich wohl nicht sehr gut verstanden», sagt Kreisheimatpfleger Ludwig Maier aus Vilshofen, der sich intensiv mit Groll beschäftigt hat. Jedenfalls sei es der jüngere Bruder gewesen, der den elterlichen Braubetrieb übernehmen durfte - und später in die Insolvenz führte.

Josef Groll dagegen entschließt sich, seine im heimischen Betrieb gesammelten Erfahrungen mit dem Brauen von untergärigem Bier in der Fremde zu erproben. Also nimmt er ein Angebot aus Pilsen an.

Am Anfang stand eine Bier-Revolte

In der westböhmischen Metropole war es wenige Jahre zuvor zu einem regelrechten Bier-Aufstand gekommen. Das in den örtlichen Hausbrauereien fabrizierte, durchweg obergärig gebraute Bier muss von einer derart schlechten Qualität gewesen sein, dass den Pilsner Bürgern 1838 der Kragen platzt: Sie stürmen die Braustätten und kippen das Gesöff fässerweise in den Fluss.

Der Pilsner Magistrat reagiert. Ein neu errichtetes Bürgerbrauhaus soll künftig für eine bessere Qualität des heimischen Bieres garantieren. Damit nichts schief geht, engagieren die Pilsner einen externen Experten: Josef Groll.

Das Bier Pilsner Brauart wird sehr schnell zum Erfolgsprodukt. Die Braustätte, die auch nach Grolls Abschied noch jahrzehntelang ausschließlich von Fachleuten aus Bayern geleitet wird, muss immer wieder erweitert werden.

Es gibt viele Nachahmer. Deshalb lässt man sich 1859 die Marke «Pilsner Bier» als Warenzeichen schützen. Das Bier wird zum Exportschlager, ab 1863 in Deutschland, wenig später auch in Großbritannien und Nordamerika.

Seit 1999 gehört die Brauerei zum südafrikanischen Multi SAB Miller. In Pilsen produzieren nach Unternehmensangaben heute rund zweieinhalbtausend Mitarbeiter jedes Jahr etwa zehn Millionen Hektoliter Bier. Das «Urquell» wird demnach in 60 Länder der Welt exportiert, in Deutschland war es 2006 das meistverkaufte ausländische Bier.

Josef Groll konnte den rasanten Erfolg seiner Kreation noch einige Jahrzehnte aus dem fernen Niederbayern verfolgen. Wie das Leben des begabten Braumeisters nach seinem Pilsner Intermezzo verlief, liegt weitgehend im Dunkeln. «Wir finden einfach nichts über ihn», sagt Kreisheimatpfleger Maier über die vergebliche Suche in den Archiven.

Bekannt ist lediglich, dass Groll am 22. Oktober 1887 in Vilshofen im Haus seiner Tochter gestorben ist. Heute erinnert eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus an den Braumeister. Die einzige verbliebene Brauerei in der niederbayerischen Kleinstadt hat zu Ehren des Vorfahren ein «Josef Groll Pils» im Sortiment.

jag/kru/news.de/dapd

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Lothar Liedtke
  • Kommentar 1
  • 05.10.2012 18:34

der Richtigkeit wegen, muss gesagt werden das Pilsen damals nicht "Tschechien" war, sondern zum Kaiserreich Oeserreich-Ungarn gehoerte und in Pilsen vornehmlich deutsch gesprochen wurde. Das daraus einmal "Tschechien" werden sollte, hat erst der Verlauf der Geschichte gebracht. Es ist also im Bericht irrefuehrend, da dieser suggeriert die Leistung ist "Tschechien" zuzuschreiben.

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