Rätsel um Sodexo-Essen Auslöser der Magen-Darm-Epidemie bleibt unklar

Lebensmittelvergiftung
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Von Jens Twiehaus
Noch immer herrscht Uneinigkeit darüber, was die massenhaften Magen-Darm-Beschwerden bei Schülern bundesweit ausgelöst haben könnte. Sachsen nennt das Norovirus als Quelle, doch das Robert-Koch-Institut hält sich bedeckt. Indes verzichten viele Küchen auf Essen der verdächtigten Firma Sodexo.

Die mit Abstand größte von Lebensmitteln ausgelöste Welle von Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland bleibt für Experten ein Rätsel. Möglicherweise gebe es verschiedene Ursachen, hieß es am Montag bei den Behörden. Während Sachsen die aggressiven Noroviren als «ein Auslöser des aktuellen Geschehens» bezeichnete, hielt sich das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin weiter zurück. Einzelne Erkrankungen seien nämlich in Sachsen bereits am 19. September aufgetreten, die meisten anderen vergangene Woche.

In den vergangenen Tagen hatten sich in Ostdeutschland die Fälle von Brechdurchfall epidemisch ausgeweitet. Bundesweit meldete das RKI inzwischen fast 9000 Fälle. Sachsen vermutet das Norovirus als eine Quelle, 69 Kranke wurden laut dem Gesundheitsministerium des Landes positiv getestet.

In Berliner Kitas und Horten gab es am Montag kein Essen der Catering-Firma Sodexo. Dies bestätigte Firmensprecher Stephan Dürholt auf dapd-Anfrage. In einer Thüringer Schulküche wurde das Essen unter behördlicher Aufsicht gekocht, in Brandenburg erhöhte sich die Zahl der Betroffenen.

Brandenburg meldet am Montag 481 weitere Fälle

Die Firma Sodexo steht unter Verdacht, möglicherweise verdorbenes Essen in Schul- und Kindertagesstätten geliefert zu haben. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung etwa hatte davon abgeraten, Essen von Sodexo auszugeben.

In Brandenburg wurden am Montag 481 weitere Krankheitsfälle bekannt, insgesamt sind dort 2896 Menschen betroffen, wie das Gesundheitsministerium des Landes auf Anfrage sagte. Dabei handele es sich aber nicht um neue Fälle, die Menschen hätten sich lediglich später bei den Behörden gemeldet.

Unterdessen stockte die Ursachenforschung. Es sei immer noch unklar, ob es sich um eine virale oder bakterielle Erkrankungen handele, sagte eine Sprecherin des Brandenburger Gesundheitsministeriums. Die Ursachenforschung sei «fast schon kriminalistisch». Ob eine Ansteckungsgefahr besteht, ist auch ungewiss.

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Im Hort wird wieder selbst gekocht

In Thüringen, wo bis Sonntag 887 Erkrankungen gemeldet wurden, hatte Montag das Lebensmittelüberwachungsamt ein Auge auf die Herstellung des Essens. Kontrolleure überwachten die Arbeit in Unterwellenborn (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt), wie ein Sprecher des Landratsamtes sagte. Manche Einrichtungen verzichten auch freiwillig vorerst auf Sodexo-Essen: Im brandenburgischen Teltow etwa war im Hort Mühlendorf Selbstversorgung angesagt - Kinder und Erzieher griffen selbst zu Kochlöffel und Küchenmesser.

Der Caterer Sodexo wehrte sich indes gegen Verdächtigungen, für die Infektionswelle verantwortlich zu sein. Sprecher Dürholt warf den Behörden in der Berliner Morgenpost ein Informationschaos vor. Es sei wenig hilfreich, dass «die Ämter in unterschiedlichen Richtungen unterwegs sind».

zij/news.de/dapd

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