Transidente Moderatorin Schriller Kampf für ein Normalo-Leben

Farah Zeiner ist Facebook-Superstar 2012 und Deutschlands erste transidente Moderatorin. Weil sie im falschen Körper geboren wurde, muss die studierte Sozialpädagogin kräftig Schaum schlagen. Denn eigentlich ist die Lage sehr ernst.

Transfrauen im Gespräch: Farah Zeiner, transidente Moderatorin
Video: Youtube

Wie viele sie sind, weiß man nicht. Auch nicht, wie viel Prozent von ihnen sich irgendwann das Leben nehmen. Doch eins steht fest: Die Dunkelziffer derer, die im falschen Körper zur Welt kommen und es nie zugeben, ist groß. Und der Anteil, die deshalb zum allerletzten Mittel greifen, schrecklich hoch.

Auch Farah Zeiner war mal ein Junge, der die Kleider seiner Mutter trug. Sie ist transident. Früher nannte man das transsexuell, doch die sexuelle Konnotation hat bei dem Thema nichts zu suchen. Transident also, und nicht nur das: Farah Zeiner ist die erste transidente Moderatorin Deutschlands. Für ihren Youtube-Kanal Menschen dieser Erde interviewt «Lieblingsmoderatorin Farah», wie sie sich selbst nennt, andere Transidente über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihre Sorgen. Ganz normale Menschen, die jedoch als Jungs geboren wurden, obwohl sie sich als Mädchen fühlten.

Was so leicht gesagt ist, macht den Menschen, die es betrifft, das Leben unendlich schwer. Weil sie das Glück hatte, dass ihre Mutter sie ihre Kleider tragen ließ, fiel es Farah Zeiner vielleicht etwas leichter als anderen, sich durchzuboxen. Und weil sie in ihrem Sozialpädagogikstudium drangeblieben ist, versteht sie besser als andere, was so gewaltig schiefläuft zwischen Normalos und Transidenten.

Statt sich zu verstecken geht Farah in die Vollen

Farah Zeiner sagt viel und redet schnell. Sie muss einiges unterbringen, denn sie hat nur ein Leben und das ist nun mal jetzt. Da kann sie keine Rücksicht darauf nehmen, dass die Zeit noch nicht reif ist, wie manche ihr sagen, dass transidente Menschen von vielen als Freaks betrachtet werden, von manchen mit Abscheu und von anderen mit Scheu. Lieblingsmoderatorin Farah braucht hier und heute ihre Bühne, mit den Reaktionen muss sie klarkommen.

Die Stimme ist noch tief, doch Farah sieht allmählich auch aus wie die Frau, als die sie sich fühlt. Der Bartschatten ist weggelasert, sie muss das Kinn nicht mehr in den Mantelkragen schieben in der U-Bahn wie früher. Im Gegenteil. Zeiner präsentiert sich, sie stilisiert sich zum Facebook-Superstar, sie gibt Autogramme und auch sonst ganz viel preis, denn sie möchte der Beweis dafür sein, dass Transidente nicht schlechter und nicht besser sind als andere.

Sondern einfach Menschen.

Als Kind kam Farah Zeiner jeden Donnerstag im Jogginganzug zur Schule, um sich zum Sport nicht in der Jungs-Kabine umziehen zu müssen. «Ich habe mich da wie eine Spionin gefühlt», sagt sie. Statt «was mit Bändern» machen zu dürfen wie die Mädchen, musste sie Fußball spielen. Besonders schlimm wurde es in der Pubertät, als es plötzlich relevant wurde, weiblich oder männlich zu sein. Farah Zeiner war nichts richtig und damit war sie raus. In der Pause schloss sie sich in der Toilette ein oder stand mit den anderen Verlierern rum. Irgendwann war dann den meisten klar, der androgyne Junge ist wohl schwul, aber offen konfroniert wurde sie auch damit nicht.

Facebook-Star 2012 Farah Zeiner

So eine einsame Zeit zwischen den Geschlechtern durchlaufen alle Transfrauen und Transmänner. Geradebiegen lässt sich das nicht mehr. Auch Farah Zeiner lebt trotz Operationen und Hormonen weiter im Niemandsland. Doch mit diesem geschlechtliches Niemandsland können die meisten Menschen nicht umgehen. «Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch die Stadt. Die Leute lächeln sie erst an und dann fällt die Kinnlade runter, mit einem Blick, der sagt: ‹Ich würde dich am liebsten töten›.» Da ist ihr als Studentin immer wieder passiert, insbesondere mit Männern, einmal spuckte sie einer an, der eben noch mit ihr geflirtet hatte. «Das müssen Sie erstmal aushalten und vor allem nicht persönlich nehmen. Deshalb ist die Selbstmordrate bei Transidenten so hoch.»

Farah Zeiner hat Sozialpädagogik studiert, ihr Diplom gemacht und schult jetzt für einen Bildungsträger Arbeitslose in Kommunikation. Sie hat einen ganz normalen Job. Normalität ist es, die sie für alle Transidenten erkämpfen will mit ihrer anderen, ihrer schrillen Seite. Der Farah, deren Facebook-Profil voller kitschiger Starkollagen steckt und die immer wieder aufruft: «Abboniert mein Profil!» Es ist aber auch herrlich:

«Auf dieses Bild hat die Facebook-Welt gewartet. Chanel-Supermodel Farah steht auf einer Bank in den Höhen des Schwarzwalds und ihr Haar weht im Wind. Fashion de Luxe.»

«Ein Stück weit muss ich provozieren und mich in den Vordergrund drängen, um auf die Thematik aufmerksam zu machen. Aber die Leute checken ganz schnell , dass ich ein Anliegen habe», sagt sie. Schrill und seriös zugleich zu sein, das ist ihre Masche, hinter der eigentlich nur ein Ziel steckt: Dass eine Transfrau oder ein Transmann auch mal Bürgermeister wird. Dass eine Transidente im öffentlich-rechtlichen Fernsehen moderiert, und zwar eine ganz normale Sendung. Dass transidente Menschen Funktionen haben in unserer Gesellschaft, als Lehrer oder Arbeitsvermittler.

Das Problem haben die Normalen

Doch damit das möglich ist, muss sich die breite Masse derer, die nie ein Problem mit ihrem Geschlecht hatten, an die Transgender-Leute gewöhnen. Bei den Jugendlichen, die sie auf Facebook verehren, hat Farah Zeiner gemerkt, wie das läuft. Sie stellen Fragen, sie konfrontieren sie mit ihrem Bartschatten, der tiefen Stimme. Sie tasten sich langsam ran, sind fasziniert und empfinden Sympathie. «Sie wollen Autogrammkarten, haben dann aber Hemmungen, auch ihren Freunden davon zu erzählen», stellt Zeiner immer wieder fest.

«Letztlich ist es doch so: Wir stellen eure Identität in Frage. Ihr müsst überlegen, was mache ich, wenn ich so einem Menschen begegne: Ist das ein Mann, eine Frau, ein schwuler Mann? Aber dieser Tatsache sind sich die Leute nicht bewusst, und ihre Unsicherheit und ihre Ängste müssen sie dann mir zuschreiben. Ich bin dann die Böse, die man schrecklich findet.»

Weil sie das nicht mehr sein wollte, hat Farah irgendwann angefangen, mit einer Freundin kleine Videos zu drehen und darin Sehenswürdigkeiten zu präsentieren. Sie luden die Filmchen bei Youtube hoch, das ganze wurde zum Selbstläufer, und jetzt ist Farah Zeiner Deutschlands erste transidente Moderatorin. Und hofft auf den Schneeballeffekt.

kls/news.de

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Monika Weber
  • Kommentar 5
  • 08.05.2013 08:05

Ich schäme mich als transidenter Mensch und als Sozialpädagogin, dass so eine durchegknallte Selbstdarstellerin unserem Ansehen schadet, sowohl dem aller Transidenten als auch dem der Berufsgruppe. ICH ICH ICH ICH ist das Lebensmotto von Farah Seiner. Mehr hat sie nicht drauf. Mich ekelt dieser Zirkus.

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  • Matthias Schmidt
  • Kommentar 4
  • 16.11.2012 19:01

Farah ist in meinen Augen ein Spinner.Das soll keine Beleidigung sein,sondern ergibt sich,wenn man sich die Facebook-Seite ansieht.Ich kenne andere Transsexuelle,die sind aber normal.

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  • Maid vom Ammersee
  • Kommentar 3
  • 14.11.2012 18:32

Begreift die gutste eigentlich nicht, was bei ihr schiefläuft oder kommt sie nur einfach nicht mehr aus ihrer Nummer raus? Mit ihrer äußerst penetranten und peinlichen Art nervt sie die Leute wie nur was. Damit schadet sie den Anliegen der TS (bzw. Transidenten oder wie man das heute jetzt nennt) in hohem Maß. Sie sollte Ihren Nachnamen ändern lassen, Gesicht und Frisur auch (dieser fürchterliche Anschnitt zwischen blondgebleicht und naturbraun!) und dann woanders hinziehen. Wenn Sie dann noch ihren Mund hält, besteht Hoffnung, dass es mit ihrem Leben vielleicht doch nochmal was wird.

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