Totschlag Neun Jahre Haft für mörderischen Callboy

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Von André Klohn
Mit «wuchtigen Hammerschlägen» habe der Callboy seinen 73-jährigen Kunden erschlagen, sagte der Richter. Dieser hat den 24-Jährigen nun zu neun Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Der Täter hatte dem Gericht erzählt, sein Opfer habe ihn Jahre zuvor vergewaltigt.

Ein 24 Jahre alter Callboy aus dem schleswig-holsteinischen Glinde muss wegen der Tötung seines 73 Jahre alten Sexualpartners neun Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Lübeck verurteilte ihn wegen Totschlags. Der geständige Mann habe sein Opfer am zweiten Weihnachtstag 2011 in Oststeinbek «mit acht bis neun wuchtigen Hammerschlägen» getötet, sagte der Vorsitzende Richter Christian Singelmann in seiner Urteilsbegründung.

Mit der Entscheidung folgte die erste große Strafkammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese will keine Revision gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil einlegen. Die Verteidigung hatte sieben bis acht Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger wollte das Strafmaß zunächst noch mit seinem Mandanten besprechen. Dieser hatte die Entscheidung gefasst aufgenommen.

Vergewaltigung zwölf Jahre zuvor?

Das Motiv für die Tötung bleibt laut Landgericht aber weiter offen. Zwar spreche «Einiges für Habgier» und damit auch für Mord, sagte Richter Singelmann. Dies lasse sich jedoch nicht sicher nachweisen.

Die vom Angeklagten gelieferte Version, wonach der 73-Jährige ihn zwölf Jahre zuvor vergewaltigt habe, glaubte das Gericht nicht. «Jemand, der so etwas erlebt hat, sucht nicht die Nähe des Täters», sagte der Richter. «Das passt nicht zusammen.»

Singelmann sprach von einem Lügengebäude des 24-Jährigen. So habe der Mann zwei verschiedene Tatorte genannt. «Einen so vehement lügenden jungen Mann wie den Angeklagten sieht man selten.» Zwar könne der Missbrauch nicht ausgeschlossen werden. Sein späteres Opfer sei es jedoch nach Ansicht des Gerichts nicht gewesen. Auch die Darstellung der Tat selbst sei geschönt gewesen.

Callboy lockte Rentner mit 16-jährigem Sexualpartner

Laut Gericht hatte der Callboy sein Opfer am Tattag unter dem Vorwand auf einen Friedhofsparkplatz nach Oststeinbek gelockt, dort einen 16-Jährigen für gemeinsamen Geschlechtsverkehr treffen zu wollen. Ein weiterer Sexpartner erschien jedoch nicht. Stattdessen erschlug der Callboy sein Opfer und verstaute die Leiche im Kofferraum.

Was dann gefolgt sei, erinnere an einen schlechten Film, sagte der Richter. So habe der 24-Jährige nach der Tötung zunächst vergeblich versucht, die Leiche in einem Wald zu vergraben und sie zu verbrennen. Weil beides scheiterte, holte er von zu Hause eine Säge. Aber auch Versuche, den leblosen Körper zu zersägen, damit dieser sich im wurzelreichen Waldboden leichter verbuddeln lässt, brach er nach kurzer Zeit ab.

Stattdessen stellte der Callboy das Auto des Opfers samt Leichnam zunächst an einem Straßenrand ab und schaute täglich nach. Ende Februar mietete er einen Tiergaragen-Stellplatz. Dort führte schließlich ein Autoalarm zum Auffinden der Leiche. Polizisten fiel der Wagen auf, weil die Kennzeichen abgeschraubt waren. Im Kofferraum entdeckten sie schließlich die stark verweste Leiche des Hamburgers.

Täter und Opfer hatten sich 2011 über eine Internet-Kontaktbörse kennengelernt. Anschließend sollen sie gegen Geld drei bis vier Mal monatlich miteinander verkehrt haben.

iwi/news.de/dapd

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