Fragwürdige Auktion Goebbels' Liebesbriefe unterm Hammer

Joseph Goebbels in den 1930er Jahren. (Foto)
Joseph Goebbels in den 1930er Jahren. Bild: dapd

Von John Christoffersen
Wie aus dem liebestrunkenen Studenten der gefürchtete Nazi-Propagandaminister wurde: Joseph Goebbels' Liebesbriefe dokumentieren die Entwicklung. Sie sollen nun in den USA versteigert werden, doch jüdische Überlebende des Holocausts kritisieren: Mit Nazi-Erinnerungen macht man keinen Profit.

Holocaust-Überlebende haben die geplante Versteigerung von Liebesbriefen und Jugendschriften des national-sozialistischen Propagandaministers Joseph Goebbels in den USA scharf kritisiert. Das Auktionshaus mache Profit mit Nazi-Memorabilia, sagte der Präsident der Amerikanischen Vereinigung Jüdischer Holocaust-Überlebender und ihrer Nachkommen, Menachem Rosensaft. Die Unterlagen gehörten zur historischen Forschung in ein Archiv, forderte er. Rosensaft befürchtet, dass die Schriften bei der Auktion in die falschen Hände geraten könnten.

Die Briefe und zahlreiche weitere Dokumente aus Goebbels' Nachlass, darunter seine Doktorarbeit und mehrere Gedichte, sollen am Donnerstag in Stamford im US-Staat Connecticut verkauft werden, wie das Auktionshaus Alexander Historical Auctions am Sonntag mitteilte. Der Leiter des Auktionshauses, Bill Panagopulos, wies Rosensafts Kritik zurück. Neonazis würden solches Material nicht sammeln, zudem seien Museen oft auf Spenden von Ausstellungsstücken angewiesen, die aus solchen Versteigerungen stammten, meinte Panagopulos.

Im verlassenen Jüngling zeigt sich Goebbels' Kontrollwahn

Die Schriftstücke seien von unschätzbarem historischem Wert, denn sie zeigten, wie sich der eher schlichte, schüchterne und liebestrunkene Student Goebbels radikalisiert habe, sagte Panagopulos. «Darin sind die prägenden Jahre der Nummer Zwei im Dritten Reich komprimiert. Des Mannes, der dafür verantwortlich war, die Massen zur bedingungslosen Unterstützung Hitlers zu verleiten.»

Die Sammlung umfasst Schriften aus der Jugend des 1897 geborenen Goebbels' bis kurz vor seinem Eintritt in die NSDAP im Jahr 1924. Darunter finden sich über 100 Briefe aus der Korrespondenz mit Anka Stalherm, seiner ersten großen Liebe. Der Psychiater Peter Gathmann hat in seinem Buch über den «Narziss Goebbels» aus diesen Liebesbriefen zitiert. Nachdem ihn Anka 1920 verlassen hatte, offenbarte sich der schwülstige und extreme Zug des späteren Propagandaprofis. In seinem letzten Brief an Anka schreibt er: «Wenn ich Dich jetzt bei mir hätte, ich würde Dich packen und zwingen mich zu lieben, und wenn nur für einen Augenblick, und dann machte ich Dich tot.»

Goebbels und seine Frau Magda töteten 1945 am Tag nach Hitlers Selbstmord im Führerbunker ihre sechs Kinder und dann sich selbst. «Man bekommt ein Gefühl dafür, was in seinem Kopf vorging», sagt Auktionator Panagopulos. «Man findet eine ganze Menge Informationen, wenn man versucht zu verstehen, wie dieser Mann getickt hat, der später zu einem Wahnsinnigen wurde.» Den Angaben zufolge vermitteln die Briefe insgesamt den Eindruck eines romantisch veranlagten jungen Mannes, zeigen aber auch erste Anzeichen seines Antisemitismus und eines egozentrischen Verhaltens.

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Über 200.000 Dollar Auktionserlös erwartet

Das Auktionshaus verkauft die Schriftstücke im Auftrag eines ungenannten Schweizer Unternehmens und erwartet einen Erlös von mehr als 200.000 Dollar. Er selbst rechne mit einem persönlichen Gewinn von bis zu 20.000 Dollar und plane eine Spende an eine Gedenkstätte, sagte Panagopulos. Bereits im vergangenen Jahr hatte Alexander Historical Auctions mit der Versteigerung von Nazi-Dokumenten Aufsehen erregt. Damals standen Briefe von Josef Mengele, dem Lagerarzt im Konzentrationslager Auschwitz, zum Verkauf. Der jüdische Käufer wollte anonym bleiben.

«Natürlich haben sie das formale Recht, von solchen Verkäufen zu profitieren», sagte der Vertreter der Holocaustüberlebenden, Rosensaft. «Ich überlasse es anderen zu entscheiden, ob das moralisch ist.»

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iwi/news.de/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • kelevra
  • Kommentar 1
  • 27.01.2014 14:42

Darf man mit Nazi-Erinnerungen Geld verdienen?Seltsame Frage,denn wenn ein Israeli mit derlei Geld macht dann hört man vom guten Menachem Rosensaft keinen derartigen Rülpser!

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