Oktoberfest «Ein Prosit der Gemütlichkeit»

Was soll am Oktoberfest nur so toll sein? News.de-Redakteurin Ulrike Bertus, Norddeutsche, und Kollege Andreas Schloder, waschechter Bayer, im Gespräch über Bier, Dirndl und peinliche Promis auf der Wiesn.

Warum feiern die Bayern eigentlich das Oktoberfest?

Andreas Schloder: Das erste Mal wurde anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese im Jahr 1810 gefeiert - das kam so gut an, dass sich niemand mehr ein Jahr ohne die Wiesn vorstellen kann - und will.

Aber warum sollte man als Nicht-Bayer das Fest überhaupt feiern? In Ostfriesland hatten wir keine Kronprinzen, nur Häuptlinge...

Schloder: Die Atmosphäre ist einzigartig. Man kann es ganz schlecht beschreiben, man muss es erleben. Jeder sollte sich einmal selber ein Bild davon machen. Auch Du...

Mmh...

Schloder: Dass es auf dem weltgrößten Volksfest wuselt, versteht sich von selbst. Die Bilder von den Abenden in den Zelten oder den Nachwirkungen ungemäßen Bierkonsums sind die eine Seite. Es gibt aber auch das traditionelle Oktoberfest, bei dem Du richtige Bayern triffst und vielleicht dann verstehst, wieso sie stolz auf ihre Heimat sind und das auch zeigen.

Dirndl-Trends 2012: Das perfekte Wiesn-Outfit

Und wo finde ich die?

Schloder: Gehe am Vormittag oder mittags hin. Die Partymeute liegt da noch im Schlafsack und die richtigen Münchener treffen sich in den Biergärten und den Zelten. Wenn noch eine gescheite Brotzeit auf dem Tisch liegt und die Blasmusik spielt, ist das bayerische Gemütlichkeit, wie man sie sich vorstellt.

Was isst der Bayer auf dem Oktoberfest?

Schloder: Es muss einfach nur deftig sein, um die enthemmende Wirkung des Alkohols lange genug zu unterdrücken: Brezen, Wurstsalat, Obatzda oder was Warmes wie Brathendl, Steckerlfisch oder Braten. Kalorien zählen sollte man auf der Wiesn lieber nicht.

Klingt ganz lecker.

Schloder: So ist es.

Werde ich denn eigentlich nur bedient, wenn ich Dirndl trage?

Schloder: Natürlich nicht. Aber gar keine schlechte Frage, denn es hat wirklich den Anschein, dass man nur noch mit Tracht ins Zelt kommt. Mehr als bedenklich, denn so gerne ich auch schöne Frauen in feschen Dirndl anschaue: Das Oktoberfest ist doch kein Karneval! Die Tracht steht für eine lange Tradition und ist für die Einheimischen mehr, als mit ihr nur auf der Bierbank zu sitzen und zu schunkeln. Man muss hinter der Kultur stehen, sonst wirkt das alles nicht. Ich würde ja auch nicht auf der Reeperbahn ein Matrosenhemd tragen.

Damit fällt man auch eher als Tourist auf in Hamburg!

Schloder: So ist es auch auf dem Oktoberfest. Spätestens wer den Mund aufmacht, ist entlarvt. Wir Bayern reden auch mit Preußen, die nicht in Tracht kommen. Wir haben zwar den Ruf als grantelndes Volk, aber wir beißen nicht.

Wenn ich mir die Sachen im Fernsehen ansehe, dann sieht das aber weniger nach Tradition als nach Sauferei aus.

Schloder: Bei knapp sieben Millionen Gästen kann es schon zu Vorfällen kommen. Noch dazu, wenn die Besucher die Wirkung des Festbieres falsch einschätzen und ihre Grenze überschreiten. Wir nennen das scherzhaft bayrische Verfassung. Nicht zu «gach» - also schnell - angehen und das Bier bewusst genießen. Bei einem Preis von mindestens 9,30 Euro sollte das selbstverständlich sein. Welch eine Verschwendung, wenn das alles wieder raus muss. Und ganz wichtig: Gelassen reagieren, vor allem am zweiten Wiesn-Wochenende.

Warum?

Schloder: Blonde Schönheiten sollten gewappnet sein, denn an dem Wochenende fallen traditionell die Italiener in die Stadt ein. Der Andrang ist so groß, dass im Radio die Verkehrsansagen auch auf Italienisch erfolgen.

Und wie ist es mit den Stars und Sternchen? Sieht man davon viele?

Schloder: Wenn man es drauf anlegt - natürlich. Aber Promis, die mit ausgefallenen Trachtkreationen es nur die Klatschspalten schaffen wollen, interessieren mich gar nicht. Ich finde es ehrlich gesagt nur peinlich. Die Wiesn sollte das sein, was es ist: Ein Fest für das Volk.

Wenn ich jetzt spontan zum Oktoberfest fahre, was sollte ich tun?

Schloder: Mich mitnehmen.


Andreas Schloder ist seit zwei Jahren Redakteur bei news.de und kommt aus Niederbayern. Ulrike Bertus ist seit eineinhalb Jahren dort und wuchs in Ostfriesland auf. Wenn die zwei miteinander sprechen, braucht es immer wieder einmal einen Dolmetscher. Das übernehmen dann die sächsischen Kollegen.

 

Zum ersten Mal auf der Wiesn? Dann sollten Sie folgende Tipps beherzigen.

sca/news.de

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