Anti-Klischee Wunderschöne Moslem-Wut

Mohammed-Video
Ein schlechter Film wird zum Brandsatz

Isabelle WiedemeierVon news.de-Redakteurin
Warum rasten Muslime so schnell aus? Ein populistische Diskussion mehr rund ums Mohammed-Dilettanten-Video wollte die Zeitschrift Newsweek auf Twitter unter dem Stichwort #muslimrage anheizen. Schön, wie das nach hinten losging. Dank Newsweek sehen wir so viele friedliche Bilder aus Arabien wie selten.

Mehr als 5000 Mal wurde der Tweet von @LibyaLiberty weitergeleitet, in dem die lachende junge Frau mit dem roten Kopftuch schreibt: «I'm having such a good hair day. No one even knows.» (Ich hab heut so schöne Haare, aber keiner weiß es.) Dahinter hat sie natürlich den obligatorischen Hashtag #muslimrage getippt.

Die humorvolle junge Frau ist die Ikone einer kleinen Twittererbewegung geworden, die gleich doppelt aufräumt: mit dem Bild der ewig bärtigen, ewig wütenden Araber und mit dem Versuch vieler Nicht-Muslime, das Stereotyp zu manifestieren. Seit das britische Magazin Newsweek am Montag einen Artikel publizierte, in dem der Autor die Wut der Muslime als «Mainstream des zeitgenössischen Islam» bezeichnete und daraufhin auf Twitter unter #muslimrage eine Diskussion dazu entfachen wollte, ist das Netz voller Bilder von Muslimen, die man auf Anhieb gern hat.

Das New Yorker Blog gawker.com hat eine wunderschöne Fotostrecke gebastelt, in der «ärgerliche Ägypter» vor einem Minarett Seifenblasen in die Nacht pusten, «schneewütende» Iranerinnen einen Schneemann bauen und ein «zorniges» jordanisches Mädchen sich breit lachend auf einer Schaukel vor die Linse schwingt.

Moslem ist wütend, weil sein Kebab anbrennt

«Wütende Moslems» ist zum Schlagwort für humorvolle Menschen geworden, um auf die Dummheit religiöser Stereotype hinzuweisen. Der «sehr wütende» m.bazeed hat extra ein eigenes Blog erstellt, es heißt Rage against the Narrative (Wut gegen das Märchen) und zeigt stinknormale Menschen, die sich gerade über Kleinigkeiten des Alltags ärgern. Ein kleiner Junge findet doof, dass nur Christen Weihnachten haben; ein Typ guckt beleidigt, weil jemand den Fernsehsender gewechselt hat; ein anderer sieht ziemlich erschrocken aus, weil sein Kebab verbrannt ist. #muslimrage eben, wie man sie von Millionen ganz normaler Muslime kennt.

Deshalb fordert m.bazeed seine Glaubensbrüder auf: «Wenn du Moslem bist und in der letzten Zeit hat dich etwas verärgert, das NICHTS mit einer Beleidigung deines Propheten zu tun hat, schreib mir ein Mail. Du könntest weltberühmt in diesem Blog berühmt werden.»

Chronologie
Arabien im Umbruch

iwi/kru/news.de

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