Statistik Die Armut steigt in Deutschland

Ein Einpersonen-Haushalt mit weniger als 848 Euro gilt als armutsgefährdet. (Foto)
Ein Einpersonen-Haushalt mit weniger als 848 Euro gilt als armutsgefährdet. Bild: dpa

Von Vera Fröhlich
Immer mehr Deutsche sind von Armut gefährdet. Nach wie vor ist die Armut im Norden und Osten am größten und in Süddeutschland am geringsten. In keinem Bundesland stieg die Quote so stark wie in Berlin. In der Hauptstadt leben fast 22 Prozent der Bürger unter der Armutsgrenze von 848 Euro.

Der Anteil der von Armut bedrohten Bürger ist im vergangenen Jahr in fast allen Bundesländern gestiegen, von 14,5 Prozent im Jahr 2010 auf 15,1 Prozent im Jahr 2011. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Die größte Gefahr, arm zu sein oder zu werden, besteht danach in Bremen (22,3 Prozent) und in Mecklenburg-Vorpommern (22,2 Prozent), also für jeden fünften Bürger. Dagegen ist in Baden-Württemberg (11,2 Prozent) und Bayern (11,3 Prozent) nur jeder Zehnte in Gefahr.

Der Anteil der Menschen, die tatsächlich als arm gelten, wird von der Statistik hingegen nicht erfasst. Dazu fehle es an einer allgemeingültigen Definition der Armut, hieß es. Einer Definition der Europäischen Union zufolge gelten Menschen als armutsgefährdet, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. 2011 galten in Deutschland beispielsweise Einpersonen-Haushalte mit einem Monatseinkommen von weniger als 848 Euro als armutsgefährdet.

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In MeckPomm und Thüringen nimmt Armut kontinuierlich ab

Einen deutlichen Unterschied gibt es dem Statistischen Bundesamt zufolge immer noch zwischen Ost und West. Im Westen Deutschlands ohne Berlin betrug die Quote 14,0 Prozent, in den ostdeutschen Bundesländern einschließlich der Hauptstadt 19,5 Prozent.

Allerdings führt erstmal ein westdeutsches Bundesland die prekäre Statistik an. Ulrich Schneider,  Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, sagt dazu: «Die alte schematische Unterteilung ‹armer Osten, reicher Westen› greift so nicht mehr. Deutschland ist zu einem Flickenteppich geworden, was die Armut anbelangt. Wir haben einen sehr wohlhabenden Süden mit relativ wenig Armut in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Wir haben einen sehr armen Osten. Und dann haben wir - und das ist entscheidend - deutlich über dem Durchschnitt liegende Quoten etwa Nordrhein-Westfalen oder auch Niedersachsen.»

Höchster Anstieg in Berlin

Der Ländervergleich sagt aber nichts über die Entwicklung in den Ländern aus. So ging den Statistikern zufolge die Gefährdungsquote in Mecklenburg-Vorpommern binnen Jahresfrist um 0,2 Punkte auf 22,2 Prozent leicht zurück. Daneben sank die Quote nur noch in Thüringen (minus 0,9 Punkte auf 16,7 Prozent). Beide Länder haben damit den kontinuierlichen Rückgang der vergangenen Jahre fortgesetzt. Sie erreichten 2011 jeweils den bisher niedrigsten Wert der sogenannten Armutsgefährdung. Die höchste Veränderungsrate von plus 1,9 Punkten auf 21,1 Prozent hatte Berlin.

Schneider schlägt eine stärker regional gesteuerte Förderung vor, um die strukturellen Unterschiede auszugleichen. «Und wir müssen wesentlich stärker als bisher mithelfen, den Konsum anzukurbeln, zum Beispiel durch eine bedarfsgerechte Erhöhung von Hartz-IV-Regelsätzen.»

iwi/news.de/dapd/dpa

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