Niederlande Teenager erhält Höchststrafe für Facebook-Mord

Kriminelle im Netz
Mörder bei Facebook & Co.
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Weil sie auf Facebook Gerüchte verbreitet haben soll, musste eine 15-jährige Niederländerin im Januar sterben. Heute wurde ihr Mörder verurteilt: ein Jahr Jugendknast und drei Jahre Zwangstherapie. Es ist die Höchststrafe, denn der Verurteilte war zum Zeitpunkt der Tat erst 14.

Im sogenannten Facebook-Mord in den Niederlanden hat das Gericht in Arnheim am Montag die Höchststrafe verhängt. Der 15 Jahre alte Angeklagte wurde wegen Mordes und versuchten Totschlags zu einem Jahr Jugendgefängnis und drei Jahren Zwangstherapie in einer Anstalt für Straftäter verurteilt. Der Junge hatte im Januar die 15-jährige Winsie getötet, weil diese im Internet bei Facebook Gerüchte verbreitet haben soll. Es ist die Höchststrafe für jugendliche Straftäter. Der Angeklagte hatte die Tat gestanden.

Angeheuert wurde der Täter vermutlich von zwei anderen Jugendlichen. Für den Auftragsmord bekam der mutmaßliche Täter laut Staatsanwaltschaft zwischen 20 und 100 Euro. Das Verfahren gegen die möglichen Anstifter wird im Oktober fortgesetzt. Bei dem Mord war der Vater des Mädchens verletzt worden. Der spektakuläre Fall - in den Niederlanden Facebook-Mord genannt - hatte das Land schwer erschüttert. Im Internet zeigten viele Niederländer ihre Empörung und forderten eine höhere Strafe. Da der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat erst 14 Jahre alt war, ist das nach Aussagen der Staatsanwältin aber nicht möglich.

Vater macht Internet für Tat verantwortlich

Alles hatte mit bösem Klatsch auf dem Online-Netzwerk Facebook begonnen, schilderte die Staatsanwältin Josan Schram. Winsie hatte demnach verbreitet, dass ihre beste Freundin Polly Sex mit mehreren Jungen hatte. Dafür wollte Polly sich angeblich rächen. Wochenlang habe sie mit ihrem Freund ein Mordkomplott geschmiedet, sagte die Anklägerin. «Winsie musste getötet werden.» Dann hätten die beiden Anstifter den Angeklagten bezahlt.

Am 14. Januar soll der Täter auf Winsie im Eingang ihres Elternhauses in Arnheim eingestochen haben. Ihr Vater wurde beim Versuch, ihr zu helfen, verletzt. Das Mädchen starb fünf Tage später im Krankenhaus.

Der bereits vorbestrafte Angeklagte ist Gutachten zufolge nur vermindert zurechnungsfähig und psychisch gestört. Er habe unter Druck der beiden Anstifter gehandelt, führte die Verteidigung an. Das aber wies die Anklage zurück. Er habe die beiden Älteren bewundert. «Er wollte dazugehören», sagte Staatsanwältin Schram. Da die Gefahr einer Wiederholungstat groß sei, hatte die Anklägerin auch Zwangstherapie gefordert.

Der Vater des ermordeten Mädchens machte vor allem das Internet verantwortlich. «Die Gefahren durch chatten und Soziale Medien werden unterschätzt», sagte er unter Tränen in seinem Schlusswort vor Gericht.

zij/news.de/dpa

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