Bombe in München Der tödliche Job der Bombenentschärfer

Es war eine heikle Aufgabe für die Bombenentschärfer: Sie sprengten mitten im Münchner Szeneviertel Schwabing eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Welcher Moment ist der gefährlichste? Wie oft stirbt ein Entschärfer?  News.de klärt alle Fragen zum lebensgefährlichen Job.

München-Schwabing: Bombenalarm in Bayern

Mitten im Münchner Kneipenviertel Schwabing ist am Dienstagabend eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt worden. Die Funken richteten Schäden an benachbarten Gebäuden an. Im Folgenden einige Fragen und Antworten zu Blindgängern und ihrer Entfernung:

Geht von jeder Fliegerbombe eine Gefahr aus, auch wenn sie seit Jahrzehnten unberührt unter der Erde liegt?

Ja, sagt Horst Lenz, Leiter des Kampfmittelräumdienstes in Rheinland-Pfalz. Ein Sprengsatz könne jederzeit explodieren. Dabei sei es auch egal, ob er im Erdbereich oder zum Beispiel im Wasser liege. Lenz verweist auf die Detonation eines Blindgängers in der Donau mitten in Wien vor wenigen Tagen, ohne dass es äußere Einwirkungen gegeben hätte.

Werden Fliegerbomben eigentlich nur per Zufall entdeckt?

Nicht immer. Vor Bauarbeiten wird manchmal auch gezielt auf eine entsprechende Belastung hin untersucht. In Brandenburg beispielsweise, wo besonders viele Kampfmittel militärischer Herkunft vermutet werden, wird in bestimmten Gebieten eine Baugenehmigung nur dann erteilt, wenn eine Kampfmittelfreiheitsbescheinigung vorgelegt wird. In vielen Bundesländern wird auch vor Tiefbauarbeiten eine entsprechende Prüfung vorgenommen.

Sind alle Blindgänger gleich gefährlich?

Das hängt unter anderem von der Größe ab. Die 250-Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe, die in München gefunden wurde, zählt zu den am häufigsten in Deutschland gefundenen Blindgängern, wie Lenz sagt. Bei einer Entschärfung oder Sprengung ist ein Sicherheitsradius von 1.000 Metern vorgeschrieben, bei kleineren Sprengsätzen kann dieser geringer sein.

München-Schwabing: Hier detoniert die Bombe

Wichtig ist auch der Zünder. Der sogenannte Aufschlagzünder funktioniert in der Regel rein mechanisch, ein Langzeitzünder, wie ihn auch der Münchner Blindgänger hatte, ist im Grunde unberechenbar und stellt die Kampfmittelräumdienste immer vor große Probleme. So gut wie alle tödlichen Unfälle im Zusammenhang mit der Entschärfung oder Sprengung von Fliegerbomben ereigneten sich im Zusammenhang mit Langzeitzündern.

Wonach wird entschieden, ob ein Sprengkörper entschärft oder zur Detonation gebracht wird?

Dies hänge immer von der jeweiligen Situation ab, sagt Lenz: Wo liegt die Bombe und wie tief? Ist sie bewegt worden? Wie groß ist sie, welchen Zünder hat sie? Welches Übel ist das Geringere? «Es gibt kein Schema F», betont der Experte. Es müsse immer abgewägt werden, welche Lösung die sicherere sei.

Welcher Moment ist für den Sprengmeister besonders gefährlich?

Der, in dem er sich nahe am Munitionskörper befindet - während der Entschärfung zum Beispiel, beim Anbringen der Ladung zur Sprengung, beim Aufbringen des Splitterschutzes. Eine Kampfmittelbeseitigung benötige Zeit, betont Lenz und berichtet über einen Vorfall in der Region um Kastellaun im Rhein-Hunsrück-Kreis Anfang August: Acht Stunden lang hätten Experten mit einem Bagger rund 400 Tonnen Sand auf zwei Blindgänger geschaufelt, bevor sie gesprengt worden seien.

Wie oft stirbt ein Bombenentschärfer?

Die Entschärfung oder kontrollierte Sprengung von Fliegerbomben ist auch mehr als 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland an der Tagesordnung. Meist verläuft sie glimpflich, mehrmals sind aber in den vergangenen Jahren dabei Menschen ums Leben gekommen:

9. August 1990: In Wetzlar detoniert eine Fliegerbombe bei der Entschärfung, zwei Menschen kommen ums Leben.

17. Juli 2003: Zwei Sprengstoffexperten sterben in Salzburg bei der Entschärfung einer Fliegerbombe, ein Mann wird schwer verletzt.

1. Juni 2010: Bei Vorbereitungsarbeiten zur Entschärfung explodiert in Göttingen eine 500-Kilogramm schwere Fliegerbombe. Drei Sprengstoffexperten sterben, mehrere Menschen werden zum Teil schwer verletzt.

kls/jag/news.de/dapd

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