München-Schwabing Riesiger Feuerball bei Bombensprengung

Zerborstene Scheiben, ausgebrannte Dachstühle, aber keine Verletzten - das ist die Bilanz einer Bombensprengung mitten in München. Am Dienstagabend wurde im Modeviertel Schwabing die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt. 3000 evakuierte Menschen können in ihre Wohnungen zurück.
 

München-Schwabing: Bombenalarm in Bayern

Wenige Stunden nach der Sprengung einer Fliegerbombe in München am Dienstagabend sind die ersten Anwohner wieder nach Hause zurückgekehrt. Der Evakuierungsbereich sei am frühen Mittwochmorgen verkleinert worden, teilte die Feuerwehr München mit. Wegen einer hoch explosiven Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hatten in der Nacht zum Dienstag 2500 Anwohner ihre Häuser verlassen müssen.

In den Straßen um die Explosionsstelle lagen laut Feuerwehr nach der Sprengung viele Glassplitter zerborstener Fensterscheiben. Außerdem habe es stellenweise Folgebrände gegeben. Daher durften Bewohner aus dieser Gegend zunächst nicht zurück nach Hause. Experten sollten vorher die direkt an der Fundstelle gelegenen Häuser auf eventuelle Schäden untersuchen.

Nachdem der am Montag entdeckte Blindgänger nicht wie geplant entschärft werden konnte, wurde er am Dienstagabend wenige Minuten vor 22.00 Uhr von Spezialisten kontrolliert gesprengt. Die Detonation war in der 1,4 Millionen Einwohner großen Stadt kilometerweit zu hören, verletzt wurde laut Feuerwehr bei der ganzen Aktion niemand.

München-Schwabing: Hier detoniert die Bombe

Sprengung der Fliegerbombe / Schwabing, München / 28.8.2012 from Simon Aschenbrenner on Vimeo.

Video: Vimeo/Simon Aschenbrenner

Dachstuhlbrände durch entflammte Strohballen

«In der näheren Umgebung sind fast alle Scheiben kaputt gegangen», sagte Diethard Posorski vom Sprengkommando München. Dennoch war der Kampfmittelräumer zufrieden. Größere Schäden an den benachbarten Häusern seien nicht zu erkennen.

Die Feuerwehr musste nach der Explosion allerdings mehrere kleine Brände löschen. Ein Feuerwehrsprecher sagte, dass das Stroh, das in der Umgebung aufgebaut wurde, um den Druck bei der Detonation zu verringern, in Flammen aufging und durch die Gegend geschleudert wurde. Die brennenden Strohballen landeten teilweise auf den Dächern der Nachbarhäuser. «Das sieht dann spektakulär aus», meinte der Feuerwehrsprecher. Die Brände seien aber schnell gelöscht worden, auf die Häuser hätten die Flammen nicht übergegriffen. Insgesamt sei die Sprengung gut verlaufen.

Ministerien, Firmen, Vereine: Nazi-Vergangenheit überall

Ursprünglich sollte die 250 Kilogramm schwere Bombe bereits am Montagabend entschärft werden, dies war aber nicht möglich. Als die Experten erkannten, dass die Bombe extrem gefährlich ist und jederzeit hochgehen könnte, lief noch in der Nacht zum Dienstag eine große Evakuierungsaktion in einem Radius von 300 Metern an. Rund 2500 Menschen mussten bei Bekannten oder in Notunterkünften übernachten.

Keine Münchner Freiheit mehr

Am Mittwochnachmittag weiteten die Behörden die Sperrzone rund um den Fundort auf dem ehemaligen Gelände der Kultkneipe «Schwabinger 7» aus. In einem Radius von einem Kilometer um den Fundort der Fünf-Zentner-Bombe durften sich die Münchner nicht mehr draußen aufhalten. Anwohner in dem Bereich durften zwar in ihren Wohnungen bleiben, mussten sich aber von ihren Fenstern fernhalten.

Zahlreiche Straßen wurden zudem gesperrt, ebenso wie die U-Bahn-Station Münchner Freiheit und drei weitere Bahnhöfe, zwei U-Bahn-Linien wurden unterbrochen. Selbst der stark befahrene Mittlere Ring, so etwas wie die Münchner Stadtautobahn, war nicht mehr uneingeschränkt befahrbar.

Die Entschärfung hatte sich immer weiter verzögert, weil 70 Autos abgeschleppt und der Fundort so gut wie möglich abgesichert werden musste. Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes verteilten 10 000 Sandsäcke um die Bombe, um die Splitterfolgen bei der Explosion so gering wie möglich zu halten.

Fliegerbombe mit Langzeitzünder

Bei der Bombe, die sich etwa einen Meter tief im Erdboden befunden habe, handelte es sich nach Angaben Posorkis um eine amerikanische Fliegerbombe mit Langzeitzünder, der durch eine Glasampulle mit Aceton ausgelöst werden sollte. Eine Entschärfung sei deutlich schwieriger als bei einer rein mechanisch funktionierenden Bombe mit Aufschlagzünder. Nur rund zehn Prozent der Sprengbomben waren nach Expertenangaben mit derartigen Langzeitzündern ausgerüstet. Weil sie aber häufig versagten, ist ihr Anteil an den Blindgängern hoch.

Die 250-Kilo-Bombe war am Montag bei Bauarbeiten im Stadtteil Schwabing gefunden worden. Zunächst sollten nur rund 800 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Am späten Montagabend entschied die Einsatzleitung, die Evakuierungszone zu erweitern. Weitere 1700 Anwohner mussten in Schulen und andere Sammelunterkünfte.

jag/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig

München-Schwabing: Riesiger Feuerball bei Bombensprengung » Panorama » Aktuelles

URL : http://www.news.de/panorama/855343094/muenchen-schwabing-riesiger-feuerball-bei-bombensprengung/1/

Schlagworte: