Urteil gegen Breivik Kommt der Psychopath in den Knast?

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Jan GrundmannVon news.de-Redakteur
Anders Behring Breivik brachte 77 Menschen um und lächelt im Gerichtssaal. Nun fällt das Urteil. Schuldig ist er, doch zurechnungsfähig? Ja, denn Breivik sei ein Psychopath, der genau wisse, was er tue. Das sagt ein Kriminalpsychologe und fordert Knast für den Killer.

Anders Behring Breivik ist für einen der schlimmsten Massenmorde der Nachkriegsgeschichte verantwortlich. Er tötete insgesamt 77 Menschen, die meisten davon waren Jugendliche. Nach einem der größten Prozesse Norwegens wird das Gericht unter Vorsitz von Wenche Elizabeth Arntzen nun sein Urteil fällen. Breivik ist schuldig, das ist keine Frage. Aber ist Breivik auch zurechnungsfähig oder nicht? Über eine Antwort streiten Psychiater - sie entscheidet, ob er in einen Knast oder eine Psychiatrie kommt.

Ein erstes Gutachten kam zu dem Schluss, dass die rechtsextremen Äußerungen Breiviks eine «bizarre Wahnvorstellung» seien und begründeten damit die Diagnose «paranoide Schizophrenie». Das Gericht forderte daraufhin ein zweites Gutachten an - es wurde mit 300 Seiten das umfangreichste der norwegischen Rechtsgeschichte. Drei Wochen observierten die Experten die Zelle von Breivik, führten elf Interviews mit ihm. Sie kamen zum umgekehrten Schluss: Breivik zeige keine Anzeichen für eine Psychose, seine Zurechnungsfähigkeit sei nicht beeinträchtigt gewesen.

Prozess in Oslo
Urteil gegen Breivik erwartet
Video: afp

Breivik ist wie Hannibal Lecter

Es gilt als unwahrscheinlich, dass Breivik seinen derzeitigen Aufenthaltsort in seinem Leben nochmal verlassen darf. Im Osloer Gefängnis Ila wird eine psychiatrische Abteilung eingerichtet, die speziell auf den Attentäter zugeschnitten sein soll. Der Kriminalpsychologe Christian Lüdke hält davon nichts. «Eine lebenslange Psychiatrie ist verharmlosend. Sie würde das Signal senden, dass Breivik einfach nur einen an der Bimmel hat. Aber er ist ein Täter, der voll schuldfähig ist», so Lüdke. «Ich würde ihn in ein normales Gefängnis sperren.»

Jemand, der eine Psychose habe - also etwa glaube, in fremdem Auftrag zu handeln - sei vielleicht vermindert schuldfähig. «Wenn aber Breivik eine wirkliche Psychose hätte, wäre er nicht zu solch einer Tat in der Lage gewesen», sagt Kriminalpsychologe Lüdke. «Breivik hat seine Tat so durchtrieben-minutiös durchgeplant.» Erst ließ er Sprengstoff im Zentrum Oslos detonieren, der alle Einsatzkräfte band. Dann fuhr er zur Küste, uniformierte sich als Polizist, ließ sich auf die Insel Utøya übersetzen, jagte und tötete gezielt Dutzende junge Menschen. «Das geht nur, wenn es einen Tatplan gab, der über Monate oder gar Jahre gereift ist. Im Moment der Tat handelte Breivik nach einem inneren Drehbuch.»

Das Vorgehen von Breivik erfülle Merkmale, die im deutschen Recht einen Mord klassifizieren, so der Kriminalpsychologe - etwa Heimtücke. Der Attentäter sei jemand, der in der Kriminalpsychologie als anti-sozialer Täter eingestuft werde. «Das sind die schlimmsten, früher nannte man sie Psychopathen», so Lüdke. Das Paradebeispiel sei Hannibal Lecter. Menschen, die keine Gefühle hätten, durchtrieben und eiskalt seien und alles nur einmal sagen würden. «Einen solchen Menschen kann man nur lebenslang von der Gesellschaft trennen.»

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zij/news.de

Leserkommentare (18) Jetzt Artikel kommentieren
  • werner.4321
  • Kommentar 18
  • 25.08.2012 16:13
Antwort auf Kommentar 14

Wer richtig zuhört ist besser dran.: 21 Jahre plus Sicherungsverwahrung von 10 Jahren mit möglicher Verlängerung. Er sollte nie wieder auf freien Fuss kommen. Über seine 3 Zimmer kann man natürlich geteilter Meinung sein. Aber gegen einen "Unfall" unter Mithäftlingen bin ich vehement. Ich meine, dass dieses Urteil das einzig passende ist. In einem Rechtsstaat wie auch Norwegen, kann die Todesstrafe nicht diskutabel sein.

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  • gesche
  • Kommentar 17
  • 25.08.2012 09:30

Ein Jammer, dass die Gefängnisse in Europa heutzutage so zivilisiert sind - sogar für "Menschen", wie ihn! Manchmal wünschte ich mir für solche Verbrecher noch Kerker, wie im Mittelalter!!! Soweit ich das mitbekommen habe ist er auch von seinen Mithäftlingen isoliert. DAMN! Leute, die sich an Kindern vergriffen haben, stehen auf der Hackordnung im Knast GANZ UNTEN und tendieren zu "Unfällen". Doch da er isoliert ist besteht diese Gefahr wohl nicht. :-(

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  • Daniela Seabrooks
  • Kommentar 16
  • 24.08.2012 20:31
Antwort auf Kommentar 12

Wieso Psyichatrie? -dann wird er nach einer Zeit als geheilt entlassen damit er seinen inzwischen noch größer gewordener Haßauf die Menschen wieder unschuldige bestialisch ermorden kann!Wenn dan die Psychologen sagen wir haben uns täuschen lassen ,haben auch die das Blut von den kommenden opfern an ihrem Titel und Händen kleben.Aber die zusätzliche Opfer und hinterbliebenen werden nicht berücksichtigt!

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