Muslime hinter Gittern Ein Imam für Frankfurter Knastis

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Von Caroline Schulke
Freitags wird in der JVA Frankfurt das Kreuz abgenommen und Gebetsteppiche ausgerollt. Ein Fünftel der Gefangenen sind Muslime, und das Gefängnis hat für sie einen Imam engagiert. Für manchen Häftling ist das die Rettung.

Entspannt lächelnd kommt Mustafa Cimsit heran geschlendert. Unter seinem weißen Umhang trägt er ganz leger kariertes Hemd, Jeans und Sneaker. Am Hosenbund steckt eine Art Funkgerät. Damit kann Cimsit jederzeit einen Alarm auslösen. Zu seiner eigenen Sicherheit. Der 39-jährige, in der Pfalz lebende Religionswissenschaftler ist Imam in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Frankfurt I. Seit einem halben Jahr hält er dort das Freitagsgebet für muslimische Gefangene.

Für den Leiter der erst im Sommer 2011 eröffneten Anstalt, Frank Lob, ist das wichtig. «Wir haben den gesetzlichen Auftrag, Inhaftierten anzubieten, dass sie religiös betreut werden», sagt er. Das sei ein Grundrecht. Zudem gebe es ganz klar einen Bedarf. «Fakt ist, wir haben einen relativ hohen Anteil muslimischer Inhaftierter», sagt Lob. Die Zahlen schwankten zwischen 140 bis 160 Muslimen unter den insgesamt 580 bis 600 Gefangenen.

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Unten Gebetsteppiche, oben Stacheldraht

Etwa 25 muslimische Inhaftierte sind an diesem Freitag in den Andachtsraum gekommen, der von allen Religionen und Konfessionen genutzt wird. Das bewegliche Kreuz wurde für das Freitagsgebet abgenommen, die Stühle wurden an einer Seite des Raumes aufeinandergestapelt. Stattdessen liegen Gebetsteppiche in verschiedenen Farben auf dem Boden. Wer den Blick durch das Oberlicht gen Himmel richtet, kann Rollen von Stacheldraht sehen.

In der ersten Reihe hockt Wissam, der wegen Geldwäsche einsitzt. Er kommt regelmäßig zum Freitagsgebet. «Das beruhigt und tut gut, dem Kopf und der Seele», sagt er. Besonders gelte dies im Fastenmonat Ramadan, den er derzeit ebenso einhält wie Osman. Der wegen eines Drogendelikts Verurteilte erinnert sich noch gut an seine Anfangszeit in der Untersuchungshaft vor rund sechseinhalb Monaten. Das sei hart gewesen, weil er so viel Zeit auf der Zelle verbracht habe.

Das Freitagsgebets hat das Knastleben für Osman leichter gemacht. Er habe gemerkt, dass er nicht ganz von der Außenwelt abgeschnitten sei und es auch «normale und schöne Sachen hier drinnen» gibt. Dazu zählt er außer dem Freitagsgebet auch Sport und Arbeit.

Der Imam hat nicht viel Zeit

Nach Angaben des hessischen Justizministerium saßen Ende September 2011 knapp 5300 Gefangene in den Haftanstalten des Landes ein, darunter gut 1000 Muslime. In 12 von 16 hessischen Justizvollzugsanstalten gibt es die Möglichkeit, am Freitagsgebet teilzunehmen und religiöse Feste zu begehen.

Cimsit hat jede Woche vier Stunden Zeit. Außer dem Freitagsgebet bietet er Gesprächskreise an. «Ich bin sehr dankbar, dass es so etwas gibt», sagt Wissam. Gleichwohl wünscht er sich mehr Zeit mit dem Imam. Mit seinen persönlichen Fragen, erzählt er, gehe er derzeit zu den katholischen und evangelischen Gefängnisseelsorgern.

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Cimsit nickt. Es sei «zeitlich alles sehr begrenzt», sagt der Religionswissenschaftler, der unter anderem stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Rheinland-Pfalz (AGARP) ist und zudem über muslimische Seelsorge promoviert. Die Seelsorgearbeit an sich müsse noch greifen. Er befinde sich derzeit in Gesprächen mit dem hessischen Justizministerium, um das Angebot in den Gefängnissen des Landes auszuweiten, sagt Cimsit. In Rheinland-Pfalz gebe es ähnliche Überlegungen. «Der Bedarf ist erkannt», sagt der Imam und verweist auf die Bedeutung seiner Arbeit für die Resozialisierung.

Imame sollen auf Deutsch predigen

Tatsächlich stößt er mit seinem Anliegen auf offene Ohren. Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) erinnert etwa daran, dass es seine Idee gewesen sei, die Betreuung muslimischer Häftlinge auszubauen. «Die Muslime sollen ihre Religion, ihren Glauben ausüben können», betont er. Das Problem sei aber, geeignete Imame zu finden, die möglichst in deutscher Sprache predigen sollten. «Wir wissen schon gern, was gepredigt wird», fügt der Minister hinzu.

Sicherheit ist entscheidend - auch in der JVA Frankfurt I. Deren drei große Häuser seien aus Sicherheitsgründen strikt getrennt, sagt Lob, weshalb jedes Haus jeweils nur alle drei Wochen mit dem Freitagsgebet dran sei. «Das ist ein kleiner Nachteil, das gebe ich zu. Aber wir sind ein Hochsicherheitsgefängnis, das religiöse Betreuung anbietet für alle Konfessionen. Wir sind keine Moschee mit Gittern.»

iwi/jag/news.de/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • manu
  • Kommentar 1
  • 12.08.2012 17:29

So lang es sich um "Religion" handelt,ja. Aber hier bei Islamisten weiß man ja worüber gesprochen wird, so wie es in den Moscheen draußen auch praktiziert wird. Aufruf zum heiligen Krieg gegen die "Ungläubigen", dafür bezahlt erstmal der Bürger mit Geld und anschließend mit seinem Leben! Schickt sie in Ihren heimatlichen Knast, dort können sie sich ja vom Islam bekehren lassen, falls sie es vor Dreck und Stress dann noch wollen und können!!

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