Organspendeskandal Kriminell dank moderner Medizin

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Organspende soll Leben retten. Die Vorfälle in den Unikliniken Göttingen und Regensburg werfen jedoch die Frage auf: Wie viel ist ein Leben wert? Und wann wird aus der medizinisch-moralischen Bewertung, das beste für den Patienten zu tun, die Entscheidung zu tun, was der Patient bezahlen kann?

Patienten gegen Geld bei der Organtransplantation bevorzugen - unumstritten ist das, was die Mediziner an den Unikliniken Göttingen und Regensburg - und vielleicht sogar weiteren Kliniken - getan haben sollen, persönliche Bereicherung und obendrein moralisch verwerflich. Sind aber tatsächlich ausschließlich die Mediziner schuld?

Wenn es um die Entscheidung geht, den Krankheitsstatus des Patienten zu bestimmen, dann mag das stimmen. Wenn es hart auf hart kommen, sind es auch die Mediziner, die entscheiden müssen, welchen Patienten sie zuerst und welchen sie nachrangig behandeln.

Um in solchen Fällen Entscheidungen treffen zu können, dafür gibt es festgelegte Kriterien. Doch die orientieren sich längst nicht ausschließlich an gesundheitlichen Aspekten. Zwar mag die medizinische Einschätzung immer noch eine wichtige Rolle spielen, dank der Kürzungen im Gesundheits- und Sozialwesen aber rücken finanzielle Aspekte immer mehr in den Vordergrund.

Um zu vermeiden, dass sich nur finanzstarke Patienten eine Transplantation leisten können, gibt es Eurotransplant. Eine Organisation, die nach festen medizinischen Kriterien festlegt, welcher Patient das nächste verfügbare Organ oder Gewebe bekommt. Genau hier aber manifestiert sich der Teufelskreis, in dem sich vor allem Transplantationsmediziner bewegen. Denn die vermeintliche Stärke, das Leben von Menschen retten zu können, deren Leiden in der Generation unserer Großeltern allenfalls hätten gelindert werden können, ist zugleich die Schwäche dieses Gebietes der Heilkunst.

Medikamente, moderne Geräte und fortschrittliche Operationsmethoden allein können dem Tod kein Schnippchen schlagen. Das geht nur mit den nötigen Transplantaten. Die aber sind Mangelware, weshalb längst ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin besteht.

Dass dann Geld ins Spiel kommt, war auch in Deutschland nur eine Frage der Zeit. Obwohl Eurotransplant ein funktionsfähiges System darstellt. Es nimmt den behandelnden Ärzten die schwere Entscheidung ab, welcher ihrer Patienten das nächste verfügbare Organ bekommt. Was aber ist mit den Patienten? Mancher kann sich nur schwer damit abfinden zu wissen, dass die Medizin ihm oder ihr helfen könnte. Doch leider stehen sie auf der Transplantationsliste nicht weit genug oben. Die Verzweiflung kann wohl nur erahnen, wer nicht selbst betroffen ist.

Das rechtfertigt nicht das Handeln der Ärzte an den aktuell aufgefallenen Unikliniken. Aber ein Stück weit das nicht minder verwerfliche Handeln der zahlenden Patienten. Nur die politische getriebene Debatte verfehlt mal wieder des Pudels Kern. Schärfere Kontrollen der Kliniken werden an dieser Verwerfung auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin nichts ändern. Nicht, solange es mehr Betroffene als Organe gibt.

wam/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Dewall
  • Kommentar 4
  • 08.08.2012 12:55

Es ist nicht die Medizin, die kriminell macht, sondern die uralte menschliche Schwäche der Gier und die fatale Falscheinschätzung unseres Selbst.

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  • Mike
  • Kommentar 3
  • 06.08.2012 20:45

Erst mal auf der Warteliste stehen und dann duerfen Sie sich beschweren. Die meisten schreiben über Sachen, die sie eigentlich nicht betreffen. Oder sind Sie nach Ihrem Dahinscheiden Spender. Oder stehen Sie auf der Liste, ein Spenderorgan zu erhalten? Ja, ich warte schon im 2. Jahr auf ein Spenderorgan und ich kann auch noch 8Jahre warten und ich rege mich nicht über diesen Vorfall auf, obwohl ich davon betroffen bin. Schuster bleib bei Deinen Leisten, jede Transplantation Bedarf eines Spenders und wenn es keine Spender gibt, gibt es auch keine Empfänger mehr. Ich bin trotzdem dankbar.

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  • hagal
  • Kommentar 2
  • 05.08.2012 16:10

Man liest zwar in "deutschen" Medien kaum etwas davon, aber Organhandel ist ein großes Geschäft. In den USA wurden in New Jersey und New York etliche Organhändler erwischt, die Ukraine, China, Südafrika sind immer wieder im internationalen Blickpunkt, sogar in Israel will das Gerücht nicht verstummen, daß die Armee seit 1992 in den Handel mit palästinensischen Organen verwickelt ist. In einer Zeit in der alles und jeder käuflich scheint wäre es anachronistisch die Transplantationsmedizin hierzulande als integer zu vermuten!

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