Rechter Terror Ku-Klux-Klan in NSU-Morde verwickelt?

NSU
Die Geschichte einer beispiellosen Terrorserie

Isabelle WiedemeierVon news.de-Redakteurin
Hat der deutsche Ku-Klux-Klan eine Verbindung zur rechten Terrororganisation NSU? Bei der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter soll laut Bild-Zeitung ein Mitglied des rechtsextremen Klans der NSU Hinweise gegeben haben. Teutonische Ritter nennt sich der Klan in Deutschland. Albern oder gefährlich?

Beim Stichwort Ku-Klux-Klan denkt jeder an brennende Kreuze in den Südstaaten der USA des 19. Jahrhunderts, rassistische weiße Männer, die sich unter spitzen Hüten versteckten, um unter der schwarzen Bevölkerung Mord, Terror und Schrecken zu verbreiten. Doch auch heute noch existieren Splittergruppen des gruseligen Klans. In den USA werden ihnen Brandanschläge auf Kirchen afroamerikanischer Gemeinden zugeschrieben, und weltweit halten sich Gruppen ähnlich gesinnter Rechtsradikaler und Rassisten.

Auch in Deutschland existiert eine Gruppierung, die sich selbst auf einer Webseite als «Teutonische Ritter des Ku Klux Klan in Deutschland» bezeichnet. Die Mitglieder unterwerfen sich einem sogenannten «Germanischen Kodex», der unter anderem vorschreibt: «Der teutonische Ritter klebt nicht am Becher, er trinkt Bier mit Maß, und spricht gut oder gar nicht.» Albern oder gefährlich?

Lieferte Ku-Klux-Klan-Mitglied seine Kollegin an NSU-Terroristen aus?

Laut einem Bericht der Bild-Zeitung wird nun im Zusammenhang mit den Morden der NSU gegen die Organisation ermittelt. Demnach überprüft das baden-württembergische Landeskriminalamt, ob es eine Verbindung zwischen dem Mord an der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 und einer früheren Mitgliedschaft ihres Zugführers in der deutschen Sektion des Ku-Klux-Klan gibt.

Bei der Ermordung der 22-jährigen Beamtin ist noch immer die Frage ungeklärt, woher die mutmaßlichen Täter Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos wussten, dass Kiesewetter an dem betreffenden Tag im Einsatz war - sie hatte sich erst kurzfristig einteilen lassen - und ihre Mittagspause am Tatort, der Heilbronner Theresienwiese, machte. Es bestehe der Verdacht, dass ihr damaliger Zugführer mit den Rechtsradikalen in Verbindung stand, schreibt die Bild. Der Polizist wurde laut Bild als Rechtsextremist entlarvt und soll bis 2003 Mitglied im deutschen Ku-Klux-Klan gewesen sein.

Bundesregierung weiß nichts über Ku-Klux-Klan

Bei den Teutonischen Rittern also. Diese werden bislang in der Bundesrepublik Deutschland nicht als Bedrohung wahrgenommen. «Für Gott, Klan und Vaterland» ist laut Webseite ihr Leitspruch. Was die Teutonischen Ritter tatsächlich tun, ist jedoch kaum bekannt. Auf eine entsprechende Anfrage der Linken im Bundestag im April dieses Jahres antwortete die Bundesregierung, ihr liege über die Selbstdarstellung im Internet hinaus keine Erkenntnisse vor.

Diese besteht aus etlichen Blogeinträgen, die allesamt im Juli 2011 veröffentlicht wurden und unter anderem offenbaren: «Wir schließen uns in örtlichen Gruppen zusammen, um gemeinsam für unser Land und unsere Kultur aktiv zu sein.» Zu den aufgelisteten Aktivitäten gehört, Bräuche, Traditionen und Wurzeln zu pflegen, für sozial benachteiligte Landsleute zu kämpfen, durch Projekte eine «gesunde patriotische Persönlichkeitsentwicklung» zu fördern und «für eine bessere Heimat, und für den Erhalt unserer Kultur» zu kämpfen.

Verfassungsschutz beobachtete Ku-Klux-Klan bisher nicht

Dazu bietet der Klan auch Kurse an für «200 % Selbstverteidigung», damit «Deutsche Christen mit germanischer Abstammung» sich, ihre Familie, Freunde und Landsleute verteidigen könnten. Terror lehne man jedoch ab, betonen die Teutonischen Ritter ganz oben in ihrem Blog, wohl um Interpretationen vorzubeugen. Neben einem Bild des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik steht dort: «Wir gedenken der Opfer der Anschläge in Norwegen. Terroristen sind keine Helden!»

Etwas expliziter positionieren sich die Teutonischen Ritter in einem weiteren Blog vom November 2011, in dem unter der Abbildung eines mit Spitzmütze vermummten Mitglieds «Pure White Energy» zu lesen ist - zu Deutsch: «reine weiße Energie». Inhaltlich verweist die Seite jedoch wieder auf das andere Blog.

Alles in allem eine krude Mischung, die Linke formuliert es in ihrer kleinen Anfrage als «esoterisch angehauchter konservativ-rassistischer Versatzstücke». Verrückte Spinner oder tatsächlich gefährlich? Das wird sich nun womöglich herausstellen. Vom Verfassungsschutz zumindest wurden die Ritter bisher nicht beobachtet.

wam/news.de/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Matzing
  • Kommentar 3
  • 22.10.2012 23:19
Antwort auf Kommentar 1

Strickt euch eure Realität ruhig weiter so! Ihr wollt sicher als Retter des Abendlandes geehrt werden: Stellt mal nen Antrag beim Klan, die haben sicher einen Logenplatz bei einer Kreuzverbrennung zu verschenken!

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 2
  • 01.08.2012 16:09
Antwort auf Kommentar 1

Stimmt so und R stimmt zu.

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  • heinrichIV
  • Kommentar 1
  • 31.07.2012 12:24

Statt Spekulationen hier anzustellen, sollte lieber gefragt werden, warum sich im Lande extreme Organisationen bilden. Meiner Ansicht nur, weil die politische Klasse komplett versagt und statt DEUTSCHE Interessen, die Interessen anderer Völker und Kulturen vertritt und unrem Land überstülpen will. Eine Art politische Terrorgemeinschaft versucht, dieses Land umzupflügen und das Volk in finanzieller Abhängigkeit zu halten. Das muss zwangsläufig Folgen haben.

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