Kinderwunsch Auch Unfruchtbare haben ein Recht auf Baby

Zahlen und Fakten
Kinderwunsch - Babys aus dem Glas
Nicht bei allen Paaren klappt es mit dem Kinderwunsch. Das war schon immer so, viele Beziehungen zerbrachen - und zerbrechen - an dem unerfüllten Wunsch. (Foto) Zur Fotostrecke

Isabelle WiedemeierVon news.de-Redakteurin
Hat der Mensch ein Recht auf Kinder? Ja, finden 80 Prozent der Deutschen. Unfruchtbaren Paaren sollte die künstliche Befruchtung finanziert werden, hat eine Umfrage ergeben. Im Gegenzug zum Beispiel an der Behandlung von Krebs zu sparen, ist jedoch nicht erwünscht.

Er zerstört Beziehungen und macht aus erfolgreichen jungen Frauen psychische Wracks. Der Kinderwunsch ist ein urmenschliches Bedürfnis, deshalb kann er übermächtig werden und zerstörerisch, wird er nicht erfüllt. Heutzutage sind Frauen es gewohnt, ihn aufzuschieben und zum Schweigen zu bringen, bis «der richtige Zeitpunkt» da ist. Viele, vor allem gebildete Frauen, sind dann über 30. Die biologische Uhr tickt bereits, und wenn es jetzt nicht klappt, folgt auf die frohe Erwartung prompt die Panik.

Ein Sechstel der Paare in Deutschland hat Schwierigkeiten, schwanger zu werden, bei jedem Zehnten dauert es länger als zwei Jahre. Drei bis vier Prozent bleiben ungewollt kinderlos. Ihre Leidensgeschichten lassen sich im Internet nachlesen, die Kinderwunsch-Foren quellen über.

Seit Ende der 1970er gibt es die Chance, der Natur ein Schnippchen zu schlagen. 1978 kam Louise Brown zur Welt, das erste Retortenbaby, 1982 Oliver, der erste Deutsche aus dem Reagenzglas. Wer zur Kinderlosigkeit verdammt schien, hat seitdem die Chance auf eine sogenannte Kinderwunschbehandlung, die - wenn nötig - in künstlicher Befruchtung kulminiert.

Kinder aus dem Reagenzglas – Wissenswertes dazu lesen Sie hier in der Bildergalerie.

Für viele Möchtegerneltern scheitert die Option allerdings am Geld. Mindestens 3000 Euro kostet ein Versuch, die Kassen übernehmen seit 2004 nur noch 50 Prozent bei den ersten drei Eingriffen, dann nichts mehr. In den wenigsten Fällen reicht ein Versuch aus, viele Paare brauchen mehr als drei. Sie verschulden sich für den Kinderwunsch, aus dem psychologischen wird auch ein materielles Problem.

Das alles zeigt: Der Kinderwunsch ist eine existentielle Frage. Bedeutet das im Rückschluss, dass jedes Paar ein Recht aufs Kind hat – und die Gesellschaft deshalb die Kosten dafür tragen muss, genau wie für eine Krebsbehandlung? Oliver Rauprich, Biologe am Institut für Ehtik, Geschichte und Theorie der Universität München, hat diese Frage in einer Studie gestellt, an Paare mit Kinderwunsch, Experten und eine repräsentative Stichprobe der Allgemeinbevölkerung.

Alle waren sich einig: Ja, es gibt ein Recht auf Kinder. Und der Staat muss so weit wie möglich dabei helfen, wenn es nicht klappt. Eine Mehrheit findet zwar, die Paare sollten einen Teil zu den Kosten beitragen, aber nicht mehr als 600 Euro pro Behandlungsversuch. Die Umfrage kommt im rechten Moment: Sachsen und Sachsen-Anhalt zahlen ab dem zweiten Versuch bereits dazu, einen Gesetzesentwurf der Länder, der vorsieht, dass die Paare nur noch ein Viertel der Kosten übernehmen sollen, wird verhandelt.

Ist Kinderwunsch ein Luxusproblem?

Ob Unfruchtbarkeit tatsächlich eine Krankheit im engeren Sinne ist, spielt bei der Entscheidung keine große Rolle. In ihrer Wirkung zumindest verhalte sie sich wie eine chronische Krankheit, die das betroffene Paar in sein Leben integrieren muss, sagt Oliver Rauprich. Dennoch habe die Studie gezeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht akzeptieren würde, wenn zugunsten der Kinderwunschfinanzierung zum Beispiel an der Krebsbehandlung gespart würde. Ist der Kinderwunsch also doch ein Luxusproblem?

Rauprich sieht das nicht so: «Der Kinderwunsch ist kein Konsumwunsch, wie, sich auch mal eine Reise in die Karibik oder ein schönes Auto leisten zu können. Das wollen wir natürlich nicht solidarisch finanzieren. Er ist auch kein Karrierewunsch, sondern ein grundlegendes soziales Bedürfnis wie Freundschaften oder Partnerschaften.» Und noch ein gesellschaftlich relevantes Argument hat er: «Vielleicht fördert es auch ein bisschen die Geburtenrate.»

Denn letztlich ist die ganze Debatte eingebettet in das Phänomen der geringen Geburtenrate und der späten Geburt. Frauen wollen immer älter Mutter werden und sind dann nicht mehr so fruchtbar wie mit Anfang oder Mitte 20. Das Durchschnittsalter der Frauen, die sich 2010 künstlich befruchten ließen, liegt bei knapp 35 Jahren. Letztlich ist das Kinderwunschproblem zum großen Teil ein Symptom unserer Gesellschaft - und als solches muss es behandelt werden.

ham/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • hector
  • Kommentar 3
  • 27.12.2012 18:40

Der letzte Absatz stimmt absolut. Viele Frauen gehen die Sache einfach zu spät an. Die müssen heute alle erst studieren, dann Karriere machen. Bis sie sich umsehen sind viele 35 und älter. Da wird es natürlich schwierig. Entweder solten Frauen Kinder vor der Karriere bekommen, oder sie sollten auch eine Adoption in Erwägung ziehen. Man kann auch Kinder aus Entwicklungsländern adoptieren.

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  • eso-policier
  • Kommentar 2
  • 22.07.2012 16:36

Unfruchtbare sollen keine künstliche Befruchtung bezahlt bekommen. Es darf nur natürliche Geburten geben. Zudem ist es nicht nötig, dass jeder einzelne Mensch sich fortpflanzt. Wichtig ist, dass die Menschheit überlebt. Und das kann sie auch, wenn nur ein Teil der Menschen sich fortpflanzt.

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  • heinrichIV
  • Kommentar 1
  • 21.07.2012 13:56

Wollt Ihr etwa unseren Politversagern ins Handwerk pfuschen mit Kinderzeugung, Arbeitsausfall und Zeugungskosten? Das muss nicht sein. Deutschland schafft sich ab durch Austausch der Bevölkerung aus Fremdstaaten. Die Leutchen freuen sich über hohe Kindergeldzahlung und ersetzen somit Zeugungs-Nachzügler oder zeugungsunfähige Bürger im Handumdrehn. Nur die Religion wird sich ändern. Also macht Euch keine Arbeit mit Kindern, denn Eure Polit-Heinis haben andres vor...nämlich Arbeitsleistung bringen um Staatsschulden abzutragen. Da sind Wurfmaschienen gefragt, ha, ha

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