Benedikt vs. «Titanic» Der Papst ist kein Mensch

Spaß beiseite
Humor und Politik in Deutschland
Das Plakat «Spaß beiseite. Humor und Politik in Deutschland» zur Ausstellung in Leipzig. (Foto) Zur Fotostrecke

Von news.de-Redakteur
Halleluja im Vatikan: Die aktuelle Ausgabe der Satirezeitschrift Titanic darf nicht mehr mit einem undichten Papst als Titel erscheinen. Durfte sich Benedikt zu Recht angepisst fühlen? Nein, denn in der Satire geht es nicht um den Menschen Ratzinger, sondern die Institution Kirchenstaat.

Der Humor der Titanic trifft nicht jedermanns Nerv. Oft genug sind die Scherze auf dem Humorlevel pubertierender Jungs, die sich über jede kleine Grenzverletzung prustend zugrölen. Genau das macht den Humor der - übrigens fast ausschließlich männlichen - Autoren der Satirezeitschrift auch unwiderstehlich, weil eben mit der Pubertät auch oft eine anarchistische Geisteshaltung einher geht. Das muss einem nicht gefallen, speziell wenn man auf dem Cover abgebildet ist: Dutzende Gerichtsverfahren wurden bereits gegen die Titanic geführt, viele Titel verboten. Auch die Römisch-Katholische Kirche gehört zu den häufig Attackierten, die dann gern vor Gericht zieht.

Bisher hat sie meist verloren. Doch diesmal hat das Landgericht Hamburg der Kirche Recht gegeben, dem Papst in Persona des Menschen Joseph Ratzinger wohlgemerkt. Seine Persönlichkeitsrechte seien verletzt worden. Natürlich ist das aktuelle Titel- und Rückseitencover der Titanic ein Paradebeispiel für ihren geschmacklosen, pubertären und aufsässigen Humor. In Anspielung auf die Vatileaks-Affäre ist dort ein Papst zu sehen, der sowohl einen gelben und einen braunen Fleck in der Leistengegend auf seiner ansonsten strahlend weißen Soutane hat. «Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!», dichtet die Titanic dazu.

Besudelte Soutane als Symbol für verlorene Unschuld

Bisher hat es im Zuge der Vatileaks-Affäre wohl noch niemand gewagt, die Kirche derart pubertär anzugreifen. Nun darf Satire nach Kurt Tucholsky alles. Auch rein rechtlich darf sie laut Bundesgerichtshof alles - sofern die Auseinandersetzung in der Sache im Vordergrund steht und nicht die Diffamierung einer Person. Und in diesem Fall geht es den Autoren herzlich wenig um den Menschen Joseph Ratzinger selbst.

Wer nun Papst ist und die weiße, allerdings besudelte Soutane trägt, ist den Autoren egal. Sie wollen den Vatikanstaat als feudale, patriarchale Institution alter Männer aufs Korn nehmen, die sich im Inneren in Intrigen beharken und nach Außen die Stellvertreter und Vize-Stellvertreter Gottes sein wollen. Die ehemals weiße, nun gelb-braun besudelte Soutane steht als Symbol für die verlorene Unschuld durch den Intrigantenstadl hinter den Mauern des Vatikans. Ab wann Satire in Schmähkritik übergeht, ist aber immer Auslegungssache.

Das Urteil des Landgerichts Hamburg hat streng genommen nur Gewinner: Die Kirche dürfte sich über den gewonnenen Rechtsstreit freuen, die Titanic die Druckerpressen für die kommende Ausgabe schon mal warmlaufen lassen. Sie ist mal wieder im Gespräch - sowas ist immer gut für die Auflage.

ham/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Soren
  • Kommentar 6
  • 16.07.2012 14:24

Der Vatikan gehört in den Müll, genauso das Christentum. Wenn wir weiterhin behaupten wollen, wir wären aufgeklärter und entwickelter als die Moslems und Juden, so müssen wir diesen Furunkel aus Europa auch konsequent entfernen lassen - quasi als Schönheits-OP.

Kommentar melden
  • Johann
  • Kommentar 5
  • 13.07.2012 16:08
Antwort auf Kommentar 4

Genau !!!

Kommentar melden
  • Alexander
  • Kommentar 4
  • 13.07.2012 15:07

Man stelle sich vor, man würde einen inkontinenten "Mohammed" abbilden. Was dann lös wäre "Rechtsradikall, islamophob etc. In der islamischen Welt würden Morddrohungen gegen den/die Urheber erlassen werden. Schwerste Krawalle mit Fahnenverbrennung, Christenmorde etc. auf der ganzen Welt. Nur der Papst darf straflos ins Lächerliche gezogen werden. So gehts NICHT !!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig