Vatileaks-Satire Papst Benedikt stoppt die Titanic

Spaß beiseite
Humor und Politik in Deutschland

Von Nathalie Waehlisch und Petr Jerabek
Kein «undichter» Papst: Das Oberhaupt der katholischen Kirche fühlt sich durch das aktuelle Titelbild des Satiremagazins Titanic in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und hat eine einstweilige Verfügung gegen die Zeitschrift erwirkt.

Das Landgericht Hamburg untersagte der Zeitschrift Titanic am Dienstag, die Titelseite und die letzte Seite der Juli-Ausgabe abzudrucken, wie eine Gerichtssprecherin sagte.

Auf dem Cover der aktuellen Titanic-Ausgabe sieht man Papst Benedikt mit einem großen gelben Fleck auf seiner Soutane. Auf dem Titel heißt es dazu in Anspielung an den «Vatileaks»-Skandal um den Verrat von Interna aus dem Vatikan: «Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!» Zudem wird auf der Rückseite des Heftes der Papst von hinten mit einem großen braunen Fleck und dem Kommentar «Noch eine undichte Stelle gefunden!» gezeigt.

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte auf dapd-Anfrage, dadurch werde Benedikt XVI. in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Die Titanic überschreite «jedes Maß an Zumutbarem». Kurienerzbischof Angelo Becciu aus dem Vatikanischen Staatssekretariat hatte im Namen von Benedikt XVI. eine Bonner Kanzlei mit der Durchsetzung einer Unterlassungserklärung beauftragt. Das Magazin kündigte am Dienstag an, diese zunächst nicht zu unterzeichnen.

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Persönliches Gespräch zwischen Papst und Titanic?

Bei Zuwiderhandlungen gegen die einstweilige Verfügung wird einer Sprecherin des Landgerichts zufolge ein Ordnungsgeld verhängt. Das bedeutet aber nicht, dass die sich bereits im Handel befindlichen Hefte zurückgezogen werden müssen.

Titanic-Chefredakteur Fischer zeigte sich von der Entscheidung des Landgerichts enttäuscht. «Das ist ein großer Irrtum. Wir setzen nach wie vor auf das persönliche Gespräch mit dem Heiligen Vater», sagte Fischer. Der Spielraum für Satire in Deutschland sei sehr groß. Er sei bereit - sofern der Papst an seiner Meinung festhalte - durch alle juristischen Instanzen zu gehen.

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Leserkommentare (14) Jetzt Artikel kommentieren
  • arckanum
  • Kommentar 14
  • 15.07.2012 14:37
Antwort auf Kommentar 9

natürlich dürfte sie das mit euch nicht. denn ihr winkt dann gleich wieder albern mit der nazi-keule. ;)

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  • brainthink
  • Kommentar 13
  • 14.07.2012 23:08
Antwort auf Kommentar 12

Klar brauchen sie ihn. Fuer blutjunge Katholiken im Canisius-Kolleg.

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  • kirchenkritiker
  • Kommentar 12
  • 14.07.2012 17:29

Die katholische Kirche ist eine der letzten absoluten Diktaturen, die keine Kritik gelten läasst und verträgt. Dass sie dafür sogar eine Einschränkung der Pressefreiheit in Kauf nimmt ist daher nicht verwunderlich. Leute verlasst diesen stets einige Jahrhunderte hinter der Zeit lebenden Altherrenclub in Scharen, die bewirken doch nichts mehr und halten sogar Beschneidungen (=Körperverletzungen) für legitim. Wie wäre es denn, wenn sich diese Herren allesamt ihren Schniedelwurz kürzen ließen, gebraucht haben sie ihn doch ohnehin noch nie.

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