Verweste Babyleichen Warum eine Mutter ihre Babys umbringt

Mary-Jane, Mirco, Nina...
Kinder, die grausam ermordet wurden

Es war der ehemalige Lebensgefährte, dem der Verwesungsgeruch auf dem Dachboden auffiel. Im niedersächsischen Ostertimke fragen sich nun alle, weshalb eine Mutter ihre drei Babys unversorgt sterben lässt. Eine Kriminologin gibt Antwort.

Die ländliche Idylle im niedersächsischen Ostertimke hat Kratzer bekommen. Am Montag machte die Staatsanwaltschaft öffentlich, dass es bereits am Mittwoch zuvor einen grausigen Fund in der Gemeinde im Landkreis Rotenburg/Wümme gab. Auf dem Dachboden eines Wohnhauses wurden die Leichen zweier Babys entdeckt.

Die Ermittler haben keine Hoffnung, die Überreste des dritten Opfers noch finden zu können. Die Suche nach dem Kind, das die Frau nach eigenen Angaben im Freien abgelegt hat, sei eingestellt, sagte Oberstaatsanwalt Burkhard Vonnahm. «Im Moment haben wir keinen Ansatz, weiter zu suchen.» Es sei unwahrscheinlich, nach mehreren Jahren oder gar Jahrzehnten noch Überreste der Leiche zu finden. Es gebe noch keine Ergebnisse der DNA-Untersuchungen, um die Identität der Kindeseltern eindeutig zu klären, berichtete Vonnahme weiter. Die Frau befinde sich weiterhin in Untersuchungshaft in einem niedersächsischen Gefängnis.

Ostertimke steht unter Schock

An dem niedrigen roten Backsteinhaus, in dem die Frau mit ihrer Familie lebte, sind die Jalousien vor den Fenstern am Montag heruntergelassen. Medienvertreter von Fernseh- und Radiosendern belagern die schmale Straße. «Der Mann ist mit den beiden Kindern woanders hingezogen», berichtet eine Einwohnerin, deren Elternhaus ein paar Schritte entfernt liegt. Sie erinnert sich noch gut an den vergangenen Mittwoch. «Erst kam die örtliche Polizei, dann kamen Beamte in weißen Schutzanzügen und dann auch noch ein Leichenwagen», berichtet sie. Ihren Namen möchte sie nicht nennen.

Dem ehemaligen Lebensgefährten der 43 Jahre alten Frau war in der vergangenen Woche Verwesungsgeruch auf dem Dachboden aufgefallen. Daraufhin stieß er auf einen in Tüten eingewickelten Säugling und verständigte die Polizei, die ein weiteres totes Baby fand. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in dem nur wenige hundert Einwohner zählenden Ort.

Dass der Mann etwas von den Geburten und der Tat seiner ehemaligen Lebensgefährtin gewusst habe, glaubt die Ostertimkerin nicht. «Er war oft im Osten beschäftigt und nicht viel zu Hause», sagt sie. «Er kann das gar nicht mitgekriegt haben.»

Der Bürgermeister der Samtgemeinde Tarmstedt, Frank Holle, ist entsetzt. «Ich bin selbst Familienvater und da ist es mir unbegreiflich, wie man so etwas tun kann», sagt Holle. Eine solche Tat sprenge jede Vorstellungskraft. In der Gemeinde Kirchtimke wohnen rund 1000 Menschen, im Ortsteil Ostertimke sind es etwa 280. «Es ist sehr klein, da kennt jeder jeden», sagt Holle.

Kriminologin: Mutter hat Schwangerschaft verdrängt

Ein Hauptgrund für die Tötung eines Neugeborenen durch die eigene Mutter ist nach Ansicht der niedersächsischen Kriminologin Theresia Höynck die Furcht vor einer zukünftigen Überforderung. «Es ist die irrationale Angst, dem nicht gewachsen zu sein», sagte die Wissenschaftlerin aus Hannover. Weil die Schwangerschaft in solchen Fällen lange verdrängt werde, versetze die plötzliche Geburt viele Mütter in Panik. Das Neugeborene werde dann spontan getötet und oftmals nur provisorisch «entsorgt». «Es ist keine geplante Tötungshandlung», hob sie hervor.

Hintergrund einer Neugeborenentötung sei fast immer eine nicht gewollte, nach außen verschwiegene Schwangerschaft. «Sie hält es bis zum Schluss geheim und trifft überhaupt keine Vorbereitungen», sagte die Expertin weiter. Das Phänomen der Kindstötung beschränke sich übrigens nicht auf sozial schwache Bevölkerungsgruppen. «Das ist nichts, was sich auf eine bestimmte gesellschaftliche Schicht bezieht», betonte sie. Eine Zunahme der Fälle in Deutschland kann sie nicht erkennen. «Es gibt keine Hinweise, dass sich die Zahlen häufen», sagte sie.

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jag/phs/news.de/dapd/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • n.k.
  • Kommentar 2
  • 03.07.2012 20:37

wenn ich daran denke das ich mal mit dem sohn der frau gespielt hatte da er in meinem alter ist und ich in dem haus war wo "die kinder über mir tot gelegen haben bzw. gestorben sind " Grausam zu was manche menschen fähig sind! einfach nur traurig

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  • Timo Tasche
  • Kommentar 1
  • 03.07.2012 19:42

Wenn ich daran denke wie die Babys dort oben auf dem Dachboden einsam und qualvoll verendet sind, dreht sich mir der Magen um. Sogar Katzen würde man wahrscheinlich besser behandeln.

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