Gewitter So gefährlich ist der deutsche Blitz-Sommer

Dschungelsommer
Blitz und Donner über Deutschland

Es war ein Wochenende der schweren Sommergewitter: Vier Tote, 100 Verletzte, Millionenschäden. Allein auf einem Musikfestival wurden durch einen Blitzeinschlag 50 Menschen verletzt. Meteorologen registrierten eine Rekordzahl an Blitzen. Auch in den kommenden Tagen gehen die Unwetter weiter.

Eine Serie schwerer Sommergewitter hat am Wochenende vor allem nachts über Deutschland gewütet und mit Sturmböen, Starkregen und Hagel Millionenschäden verursacht. Allein auf einem Musikfestival in Sachsen wurden bei einem Blitzeinschlag 51 Menschen verletzt. Einige von ihnen wurden von dem starken Stromschlag durch die Luft geschleudert.

Von den Verletzten des Heavy-Metal-Festivals «With Full Force» im nordsächsischen Roitzschjora wiesen die meisten sogenannte Stromeintrittsmarken auf, kleine Wunden und Prellungen. «Einen Verletzten mussten wir wiederbeleben, zwei weitere kamen nach einer Ohnmacht von selbst wieder zu sich», berichtete die leitende Notärztin, Ellen Mack.

Vier Tote am Wochenende

Vor allem jene Festivalbesucher mussten behandelt werden, die an der Cocktailbar des Geländes vor dem starken Gewitter Schutz gesucht hatten. An dem zeltüberspannten Bus nahe eines Turms sei dann gegen 2 Uhr der Blitz eingeschlagen. Über metallene Pfähle, Bänke und Befestigungsschnüre traf der Stromschlag die Besucher. Trotz der Schreckensnacht ging das Festival am Sonntag weiter.

Aberglaube oder Wissenschaft
Mit Bauernregeln durch das Jahr

In Bayern verletzten herumwirbelnde Äste 18 Besucher eines Kulturfestivals. Am Sonntag waren vier von ihnen noch im Krankenhaus. In der Nähe des schwäbischen Günzburg erschlug ein von orkanartigen Böen entwurzelter Baum eine Autofahrerin. Nach dem Blitzschlag mit drei Todesopfern am Freitag auf einem Golfplatz in Nordhessen kämpft eine 50-Jährige weiter um ihr Leben. Ihr Zustand sei unverändert, sagte am Sonntag ein Polizeisprecher in Kassel.

Rekord-Blitze wegen feuchter Mittelmeer-Luft

Fast 365.000 Mal hat es während der Gewitter am Wochenende über Deutschland geblitzt. Allein am Samstag seien genau 205 999 Blitze gezählt worden, berichtete Meteorologin Tanja Dressel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Der DWD führe zwar keine regelmäßige Blitzstatistik, «aber das ist schon sehr viel.» Die weitaus meisten Blitze treffen die Erde nicht. «Sie gehen von Wolke zu Wolke», sagte Dressel.

Verantwortlich für die Gewitterlage sind feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Sie hätten «wahre Wolkenberge» über Deutschland entstehen lassen, wie die Meteorologin Johanna Anger vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erläuterte. Die sich darin bildende hohe Energie entlädt sich dann mit Blitz und Donner.

Was tun bei Gewitter?

Nicht alle Blitze schlagen übrigens in den Boden ein. Manche entladen sich auch zwischen Wolken. Innerhalb von Mikrosekunden erhitzt sich die Luft nach Angaben des DWD im Blitzkanal auf etwa 30.000 Grad. Vereinzelt trifft ein Blitz Menschen. Meist dringt er in den Kopf ein und fließt in die Erde ab. Dabei kommt es zu Verbrennungen unterschiedlichen Ausmaßes sowie Herz- und Atemstillstand. Ein Blitzschlag kann tödlich ausgehen.

Bei Gewitter ist das richtige Verhalten wichtig. Wer in der freien Natur überrascht wird, sollte gefährliche Punkte wie einzeln stehende Bäume, Metallzäune oder Anhöhen meiden. Auch auf dem Fahrrad kann man vom Blitz getroffen werden. Baden ist bei Gewitter lebensgefährlich, das Wasser sollte sofort verlassen werden. Der DWD empfiehlt, Mulden oder Gruben aufzusuchen und sich darin möglichst klein zu machen.

Wettervorhersage

In den kommenden Tagen ist kein Ende des Dschungelsommers in Sicht. Nach einer Abkühlung zum Wochenstart wird es täglich ein bis zwei Grad wärmer, damit nimmt auch die Unwettergefahr wieder zu. «In dieser Woche muss täglich gegen Nachmittag erneut mit teils kräftigen Gewittern mit Starkregen, Sturmböen und örtlich auch Hagel gerechnet werden, wobei lokale Unwetter nicht auszuschließen sind», sagte DWD-Meteorologin Dressel.

jag/iwi/news.de/dpa/dapd

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