Rockerclub-Auflösung Gehen die Hells Angels in den Untergrund?

Hells Angels und Bandidos
Kriminelle Rockerclubs in Deutschland

Von Julia Spurzem
Die Selbstauflösung der Hells Angels in Hannover kommt für Kriminalisten nicht überraschend. Aber ist es nur ein Lippenbekenntnis? Die Ermittler vermuten, dass die Rocker ihre kriminellen Geschäfte vom Ausland steuern. Die Hells Angels überlegen unterdessen, sich zu einem deutschlandweiten Club zusammenschließen.

Die Hells Angels in Hannover haben sich zwar aufgelöst, für die Behörden ist die Gefahr der Rockerkriminalität deswegen aber noch nicht gebannt. Möglicherweise steckt hinter der Auflösung nur ein taktisches Manöver. Ein Sprecher der Hells Angels sagte im Interview, dass es Überlegungen zu einem Zusammenschluss aller bisherigen Charter in Deutschland gebe. Es sei seine Hoffnung, dass sich alle Charter in Deutschland zu einem «schlagkräftigen» Verein zusammenschließen, sagte der in Rockerkreisen «Django» genannte Pressesprecher der Hells Angels, Rudolf Triller. Nur so könne man sich gegen die «Polizeistaatsmethoden» und die «flächendeckende Volksverhetzung» wehren, fügte er hinzu.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hält eine Neustrukturierung durchaus für denkbar. Die Hannoveraner Hells Angels könnten künftig in anderer Form ihre Geschäfte fortführen, sagte der BDK-Vorsitzende Bernd Carstense. «Das Agieren aus dem Ausland ist eine mögliche Variante.»

Behörden wollen Rocker im Blick behalten

Auch die Polizei Hannover schließt die Gründung einer Nachfolgeorganisation nicht aus, wie Polizeipräsident Axel Brockmann am Donnerstag in Hannover sagte. Das Landeskriminalamt will genau prüfen, ob die angekündigte Auflösung nur ein «Lippenbekenntnis» ist. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) kündigte an, dass die Behörden aufmerksam die Handlungen dieser Personen im Blick haben werde. «Hier in Niedersachsen wird es auch in der Zukunft keine rechtsfreien Räume geben», sagte er.

Die Vorsitzenden der beiden Polizeigewerkschaften, Bernhard Witthaut und Rainer Wendt, mahnten nach der Auflösung zur Vorsicht. «Es steht zu befürchten, dass manche ehemalige Mitglieder in den Untergrund gehen, um dort neue Strukturen aufzubauen», sagte Wendt. Die Polizei müsse den Rockern weiter «auf den Füßen stehen und den Fahndungsdruck weiter hoch halten», ergänzte Witthaut.

Mit der Auflösung folgen die Hannoveraner dem Charter Potsdam, das bereits Mitte Juni sein Ende bekannt gegeben hatte. Offenbar war der Druck durch die laufenden Ermittlungen der Polizei zuletzt zu groß geworden. Das Landeskriminalamt geht davon aus, dass die Auflösung deswegen vorgenommen wurde.

Hells Angels kontrollieren Rotlichtviertel

In Hannover hatten die Hells Angels jahrelang eine besondere Rolle gespielt. Unter dem Präsidenten Frank Hanebuth, der auch deutschlandweit als die Führungsfigur bei den Rockern gilt, hat der Club das Rotlicht- und Amüsierviertel am Steintor kontrolliert. Nach zunehmender Kritik hatten sich die Rocker allerdings im November vergangenen Jahres aus dem Viertel zurückgezogen.

Zuletzt hatten die Innenbehörden der Länder den Druck auf die Hells Angels deutlich erhöht. In mehreren Bundesländern wurden bereits Verbotsverfügungen gegen einzelne Gruppen der Hells Angels ausgesprochen, so etwa in Hessen, Schleswig-Holstein, Bremen und Berlin. Zudem gab es mehrere Razzien, auch in Norddeutschland.

Die Offenbarungen eines Ex-Rockers der inzwischen aufgelösten Kieler Gruppierung Legion 81, einer Hilfstruppe der Hells Angels, hatten am 24. Mai zu einer Durchsuchungsaktion in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen geführt, bei der rund 1.200 Polizeibeamte im Einsatz waren. Dabei wurde auch das Privathaus von Hanebuth durchsucht.

jag/wam/news.de/dapd

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • Christoph Stöllger
  • Kommentar 8
  • 22.07.2014 04:00

Behördenwillkür ist in unserer Zeit ein immer größer werdendes Übel, welches wir nur durch willkürliche petitionen bekämpfen können!! Frank Kopf hoch, alle die dich kennen, werden auf Deiner Seite sein! Gruß Chris

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  • sany
  • Kommentar 7
  • 30.11.2013 13:14

Die hells angels sind ganz nett. Sie halten sich an die regeln und es gibt schlimmere Gruppen als diese.

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  • helmut
  • Kommentar 6
  • 22.11.2013 15:29

Nein solange diese sich an die Gesetze halten, lieber eine Deutsche Rockergruppe ,als arabische und osteuropäische Banden !!!, auserdem gibt es viel gewaltbereitere Rockergruppen als die HELL Angels !!!!,

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