Gang löst sich auf Hells Angels Hannover kommen Verbot zuvor

Hells Angels und Bandidos
Kriminelle Rockerclubs in Deutschland
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Von Julia Spurzem und André Klohn
In Flensburg, Kiel und Berlin sind die Hells Angels schon verboten, es war nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Verbot auch das Charter in Hannover getroffen hätte. Jetzt haben sich die Hells Angels dort selbst aufgelöst. Doch die Polizei bleibt misstrauisch.

Die Hells Angels in Hannover sind einem Verbot zuvorgekommen und haben sich selbst aufgelöst. Damit folgen die Hannoveraner dem Charter Potsdam, das bereits Mitte Juni sein Ende bekannt gegeben hatte. Offenbar war der Druck durch die laufenden Ermittlungen der Polizei zuletzt zu groß geworden. Das Landeskriminalamt geht davon aus, dass die Auflösung deswegen vorgenommen wurde.

Jahrelang hatte der Club in Hannover unter seinem Präsidenten Frank Hanebuth das Rotlicht- und Amüsierviertel am Steintor kontrolliert. Nach zunehmender Kritik hatten sich die Rocker allerdings im November vergangenen Jahres aus dem Viertel zurückgezogen. Als Grund nannte Hanebuth damals eine «beispiellose, ungerechtfertigte Hetzkampagne», die «ahnungslose Journalisten und zahlreiche Politiker» gegen ihn, seine Firma und die Geschäftsinhaber am Steintor geführt hätten.

Polizei traut den Hells Angels nicht

Die Polizei kündigte an, die weitere Entwicklung in der Rockerszene auch nach der Auflösung genau zu beobachten. In den vergangenen Monaten habe es aber keinerlei Machtkämpfe im Milieu gegeben, betonte die Polizei. «Dennoch werden wir jetzt genau hinschauen, ob es wirklich so kommt oder die Ankündigung zur Auflösung nur Lippenbekenntnisse sind», sagte Frank Federau, Sprecher des Landeskriminalamtes.

Federau zufolge ist die Auflösung auf die beharrliche Arbeit der Polizei zurückzuführen, die in den vergangenen Monaten schärfer gegen die Hells Angels vorgegangen war. Die Offenbarungen eines Ex-Rockers der inzwischen aufgelösten Kieler Gruppierung Legion 81, einer Hilfstruppe der Hells Angels, hatten am 24. Mai zu einer großen Polizeirazzia in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen geführt, bei der rund 1200 Polizeibeamte im Einsatz waren. Dabei wurde auch das Privathaus von Hanebuth durchsucht.

Charter in Flensburg, Kiel und Berlin verboten

Die Auflösung der Hells Angels in Hannover hat die Ermittler völlig überrascht. «Es gab für uns keine klaren Anhaltspunkte, dass wir damit gerechnet haben», sagte Polizeipräsident Axel Brockmann. Es gebe aber keine Zweifel darüber, dass die Auflösung tatsächlich erfolgt sei.

«Hannover wird sehr gut ohne die Hells Angels auskommen», sagte er. Auch Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) zeigte sich zufrieden. «Die Hells Angels haben sich im hannoverschen Steintorviertel zeitweise in einer Art geriert, die nicht akzeptabel war», sagte er.

Im Nachbarland Schleswig-Holstein wurden die Flensburger Hells Angels nach wiederholten gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Bandidos bereits im April 2010 verboten. Ende Januar folgte ein Verbot des Charters Kiel. Am 19. Juni hatte das Oberverwaltungsgericht in einem ersten Verfahren das Verbot des Charters Flensburg bestätigt. Auch in Berlin wurden die Hells Angels bereits verboten. In Niedersachsen strebte man zuletzt auch ein Verbot des Clubs an, allerdings wurden noch handfeste Beweise zusammengetragen, um das Verbot gerichtsfest zu machen.

iwi/news.de/dapd

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