Breivik-Prozess Schmaler Grat zwischen Wahnsinn und Schuld

Am Freitag wird Massenmörder Anders Behring Breivik in Oslo verurteilt. Nach dem Willen der Anklage soll er in die Psychiatrie. Sie hält ihn für nicht zurechnungsfähig. Damit stellt sich die Frage, wie schuldfähig Breivik überhaupt ist. Für den Attentäter selbst und seine Opfer ist diese schon beantwortet.

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Das Attentat von Utøya ist ein nationales Trauma. So beschrieb die Osloer Staatsanwältin die Tat des Massenmörders Anders Behring Breivik vor Gericht. Nicht nur die Richter, sondern ganz Norwegen stellte sich seit dem Prozessbeginn im April die Frage, ob Breivik zurechnungsfähig oder geisteskrank ist. Gutachten attestierten ihm mal psychische Verwirrung, mal durchdachtes Handeln. Ergründen konnte die Gedanken des Massenmörders keiner.

Dennoch wurde Breivik vor Gericht von der Anklage für nicht zurechnungsfähig erklärt. Für ihn selbst ist das wohl die größte Strafe, hatte er seine Tat im Prozess doch selbst minutiös erklärt, dabei keinerlei Reue gezeigt und immer wieder betont, er wolle dafür ins Gefängnis und nicht in die Psychiatrie. Dass er für geisteskrank und wahnsinnig gehalten wird, heißt in Breiviks Kosmos: Seine Tat verliert an Wert, ihr wird die Sinnhaftigkeit abgesprochen, die er in einem 1500-Seiten-Manifest aus seiner Sicht hinreichend erklärt hatte.

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Video: afp

Für das Volk, Opfer und Angehörige ist es eine unbefriedigende Einschätzung. Denn wer nicht zurechnungsfähig ist, ist auch nur begrenzt schuldfähig. Fanden Breiviks Morde unter Wahnsinn statt, erscheinen sie auf perfide Art als entschuldbar. Doch das Volk denkt in anderen Kategorien: Schuld oder Unschuld, Strafe oder Freiheit, Reue oder Genuss. Und da liegt klar auf der Hand: Breivik ist schuldig, er muss bestraft werden, auch weil er seine Taten genießt und nicht bereut. Plakate mit der Aufschrift «Zurechnungsfähig!» vor dem Amtsgebäude zeugen davon.

Ob das Gericht Breivik als Verbrecher oder Geisteskranken einstuft, ist auch einen Tag vor dem Prozessende unklar. Für die Richter bleibt die Antwort auf die Frage, wie krank der Attentäter von Oslo und Utøya ist und damit wie schuldfähig, bis zuletzt eine Gratwanderung. Sie wollen ihn nicht als politischen Aktivisten in seiner Tat bestätigen, ihn aber auch nicht von der Verantwortung dafür freisprechen. Für die Öffentlichkeit zählt schlussendlich eines, nämlich dass Breivik nie wieder freikommt.

ham/news.de

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Dewall
  • Kommentar 5
  • 24.08.2012 12:06

Bleibt nur zu hoffen, daß Anders - Herr Breivik - nicht vorzeitig wegen guter Führung nach acht Jahren entlassen wird und dabei dann seinen geistigen Erguß "Norwegen im Krieg" in Buchform unter einem seiner Arme trägt!!!!

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  • WHW.
  • Kommentar 4
  • 23.08.2012 14:35

nicht nur dort.In der ehemaligen DDR gab es bis 1975 auch noch die Totesstrafe und wurde auch angewendet.Leipzig oder Dresden waren die Hinrichtungsstätte.Die Frage ob er geistesgestört ist beantwortet sich doch wohl von selbst.Wer so ausgerüstet ,Bomben bauen kann ist niemals geistesgestört.Das sieht hier direkt nach einen Deal aus.Sie sollen ihn auf die Menschen los lassen,dann erledigt sich die Strafe von selbst.

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  • guillermo emmark
  • Kommentar 3
  • 23.08.2012 12:52

Ach was. Stalin hätte das anders gemacht. "Kurzen Prozess". Und dass Kriminelle ggf. auf ihren Geisteszustand untersucht werden, ist in zivilisierten Gsellschaften normal, und das wollen Sie hoffentlich nicht ernsthaft zur Debatte stellen.

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